Und: Das folgende Video spiegelt nicht unbedingt meine Meinung wieder. Alles weitere im Beitrag.
Dieses Flash-Video habe ich bei Jared gefunden. Mir hat es rein technisch einfach absolut gefallen. Ich habe selten so ein gut aufgebautes und designtes Video gesehen. Das will ich auch können.
Aber ich will nicht über die technische Ästhetik dieses Videos reden, sondern über die inhaltiche Aussage. Oder exakter: Anhand des im Videos angesprochenen Themas will ich über ein Thema schreiben, was mich schon lange beschäftigt.
Das Thema “USA” spaltet die Welt schon seit langem in grob zwei Lager. Erst letztens habe ich in einem Gespräch mit einer guten Freundin gesagt: Es ist schon komisch. Es gibt nur Zerrbilder über die USA:
Es gibt die einen, für die ist Amerika Gott. Kritik wird mit Gotteslästerung auf eine Stufe gestellt. Wer die USA kritisiert, hat sie einfach nicht richtig verstanden. Und überhaupt: Wer gibt dir das Recht, sie zu kritisieren? Ist Amerika nicht God’s own Country, die Große, die Gesegnete?
Für die anderen sind die USA der Satan. Die USA sind neben Israel die größte Gefahren-Quelle für den Weltfrieden. Dabei wird in der Regel auf das fehlende Umweltbewusstsein, die imperialistsche und selbstherlliche Politik im Nahen Osten oder Südamerika verwiesen, ob Heute oder Gestern, auf die vielen Folter-Skandale, auf die wirtschaftliche Arroganz “America first”, die neue Weltraum-Doktrin etc.
Ich selber habe ein ambivalentes Verhältnis zu den USA. Es gab’ eine Zeit, da haben mich die USA kein Stück interessiert (so von 0-12), einfach weil mich Politik insgesamt nicht interessant hat. Dann, als ich anfing zu denken (etwas überspitzt formuliert), da war ich begeistert von den USA. Ich habe sie gegen alles und jeden verteidigt. Auch deren Kapitalismus. Eine Zeit war ich wirklich neo-liberal. Die USA waren mein Vorbild. Vor allem in der New Economy Phase, mitten im Hype.
Dann wurde ich skeptischer, und das begann mit der Präsidentschaft von Bush. Seine arrogante Haltung gegenüber dem Kyoto-Protokoll, seine einseitige Kündigung des ABM-Vertrages, sein Arroganz gegenüber der UNO, das alles hat mich abgestoßen. Ich wurde wirklich ent-täuscht in manchen Punkten und war dann enttäuscht. Das kam aber sehr langsam. Noch bei den Anschlägen von 9/11 stand ich ganz auf der Seite der USA und habe deren Einmarsch in Afghanistan für richtig gehalten.
Aber spätestens seit dem Beginn der Irak-Krise wurde ich immer skeptischer und auch radikaler in meiner Anti-Haltung gegenüber den USA. Das kam zum Teil auch daher, dass die meisten in meiner Umgebung ganz auf Seiten der USA standen. Ich war in meiner Meinung in der Minderheit und da pocht man in der Regel etwas lauter, um gehört zu werden. Das war mit Sicherheit nicht immer in Ordnung. Obwohl ich in der Sache immer noch zu meiner Kritik von damals stehe und die Zeit gezeigt hat, dass viele meiner Bedenken berechtigt waren. Das soll aber nicht besserwisserisch klingen, das will ich betonen!
Nach einigen reibereien in dieser Zeit habe ich versucht mich aus diesem Thema möglichst herauszuhalten. Auf meinem Blog habe ich mich z.b. das letzte Mal vor einem Monat zur Politik der USA geäußert, und insgesamt vielleicht ca. fünf Mal. Das ist recht wenig in der Gesamtschau. Und auch in Gesprächen habe ich versucht, mich zurück zu halten.
In der letzten Zeit ist das Thema durch verschiedene Gespräche wieder aktueller geworden für mich. Und manchmal frage ich mich: Ist es möglich über die USA zu reden? Können wir es schaffen, normal über die USA zu reden? Ohne sie zu glorifizieren und eingeschnappt zu sein, wenn einer sich erdreistet, kritisches über die USA zu verkünden. Und ohne sie komplett zu verdammen, und jeden Hinweis auf Positives gleich abzulehnen. Einfach in einen kritischen (im wissenschaftlichen Sinne) Dialog treten, mit gesundem Menschenverstand?
Da dieser Post schon sehr lang geworden ist, teile ich ihn auf in zwei Posts. Der zweite Teil kommt vielleicht Morgen, hoffentlich aber sonst im Laufe der Tage. Dann werde ich ein paar Thesen formulieren, Axiome für das Gespräch über die USA. Und dann will ich auch über das Video schreiben, einen Kommentar dazu, aufbauend auf den Thesen, die ich formuliert habe. Das vielleicht in einem dritten Teil. Ich lasse das Video jetzt aber bewusst unkommentiert hier stehen.
Ich bin sehr schlecht darin, solche Serien durch zu halten. Aber vielleicht klappt es ja einmal.
Ich hoffe, dass wir es lernen werden, wieder miteinander, als Kritker und Skeptiker und als Bewunderer und Freunde der USA, konstruktiv, ohne Polemik und Vorwürfe, über das Thema reden zu können.
Und da gibt es keine Vorwürfe an die andere Seite, wenn das und warum das nicht geht momentan, sondern höchstens Vorwürfe an sich selbst.
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Oktober 21st, 2006 at 12:34
Sehr gutes Propagandavideo. Armes Iran, armes Nordkorea.
Oktober 21st, 2006 at 16:12
Ich habe deinen Beitrag bereits heute morgen gelesen, ging dann aber weg. So hatte ich genügend Zeit, um mir eine passende Antwort auszudenken…
Grundsätzlich bin ich mit Dir einverstanden. USA ist ein Reizthema. Und ich teile deine Erfahrungen. Ich erlebe kaum Diskussionen, die nur annähernd konstruktiv sind.
Ich habe im Gegensatz zu Dir den “umgekehrten” Weg gemacht. Ich habe als Teenager Amerika, naja, gehasst. Alles, was mit Amerika zu zun hat, war mir supekt und ich lebte noch irgendwelchen Fantasien à la “die grundsätzliche Idee des Kommunismus ist doch eigentlich gut” nach. Irgendwann ist das dann gekippt. Ich glaube, es hat viel mit Israel zu tun. Und natürlich mit meiner Frau…
Ein Hauptproblem sehe ich darin, dass die Kritik an Amerika oft an einem Punkt anfängt, der bereits “off limits” ist. Wenn ich über Amerika rede, will ich nicht über 9/11-Halliburton-Cheney-Weltherrschafts-Verschwörungs-Theorien reden. Da ist das Video übrigens ein gutes (bzw. sehr schlechtes und beängstigendes) Beispiel. Wie will man einigermassen gesittet über Amerika diskutieren, wenn den Amerikanern implizit (oder wie im Video explizit) der Vorwurf gemacht wird, sie seien die Faschisten des 21. Jahrhunderts?!? Ich denke, die “Protokolle der Weisen von Zion” sind allen ein Begriff. Das Video geht in diese Kategorie.
Ein weiteres Hauptproblem sehe ich darin, dass wir Europäer ein ziemlich verkehrtes Bild von den Amis haben. Wir denken, die Amis sind so etwas wie Europäer, einfach mit ein paar Macken. Dabei sehen wir nicht, dass es tatsächlich erhebliche Unterschiede zwischen der amerikanischen und der “europäischen” (ja, gibt es nicht, ich weiss) Kultur gibt. Dazu kann meine bessere Hälfte viel mehr erzählen. Sie hat insgesamt über ein Jahr in Amerika verbracht und hat diese Kultur kennen gelernt. Will man über Amerika und die Amis reden, sollte man grundsätzlich eine Ahnung von amerikanischen Wertvorstellungen, Denkweisen, etc. haben, sich auf die Unterschiede einlassen.
Und das bringt mich zum letzten Punkt (sorry für den langen Kommentar): Jede/r hat eine Ahnung. Wenn es um Amerika geht - übrgens auch um Israel - hat jeder eine Ahnung. Jeder weiss, was er über den Irakkrieg (den ich übrigens auch nicht einfach bejahe) zu denken hat. Jeder weiss, dass Bush ein fundamentalistischer Volltrottel ist. Und jeder weiss, wie sich die Amis im Nahen Osten, im Weltall und in New Orleans zu verhalten (gehabt) hätten. Und das ist das, was mich am meisten beunruhigt. Da muss auch ich mich immer wieder an der Nase nehmen. Wenn ich über ein Thema reden will, muss ich eine basale Ahnung davon haben. Ich muss Fakten kennen. Und das ist - für Amerika-Gegner wie auch für Sympathisanten - oft ein Problem. Amerika ist eine “Herzensangelegenheit”. Und da diskutieren wir oft einfach gerne mal “drauf los”. In diesem Sinne: ein wenig mehr Demut wäre sicherlich angebracht.
Oktober 22nd, 2006 at 8:11
ok, hier mein comment: als jemand, der einst ein jahr in amiland gelebt hat, fast jedes jahr mind. 1 mal wieder zu besuch dort war und mittlerweile rund 10 staaten besucht hat und freunde in weit mehr als 20 staaten hat, und als jemand, der jetzt in diesem augenblick in den USA studiert, möchte ich dies sagen: “die amis” gibt es nicht, und “amerika” ist ein seeehr grosses und sehr vielfältiges land!
die regierung ist alles andere als populär, das merke ich sogar hier im süden, wo angeblich fast jeder republikaner ist (bush ist rep).. es gibt in amiland diese zwei grossen parteien: republicans und democrats.. republikaner sind die konservativen, demokraten sind sind die liberalen.. das problem ist aber nicht, ob jemand PRO bush ist, sondern ob jemand PRO liberalismus ist!
erstens: die wahl damals (ob fair oder nicht) war super knapp! ergo sind gut 50% der leute sowieso gegen bush..
zweitens: heutzutage würde kaum ein ami wieder bush wählen, wenn er eine weitere amtsperiode antreten dürfe (was er aber eh nicht darf)
drittens - und das ist das wichtigste: die leute wählen nicht bush oder sonstwen, sondern eine partei.. republican-konservativ bedeutet NEIN zu homo-ehen und NEIN zu “jeder darf machen was er will”.. democrat-liberal bedeutet NEIN zu christlichen werten und JA zum freieren umgang mit sex und nacktheit im fernsehen.. die amis haben also nicht wirklich bush gewählt sondern hauptsächlich ihre moralischen werte verteidigt..
was ich damit sagen will: es wäre fatal die amerikanische regierung als wirkliche repräsentanten des volkes zu sehen! das volk denkt meist anders.. oder denken wir deutsche genau so, wie schröder handelte?! sicher nicht!
die politik der amis hat hier vermutlich mehr gegner als in deutschland.. in .de bekommen wir nur nix davon mit
ich bekomme hier weit mehr mit!
die leute, die in der army waren (u.a. auch in irak) haben mehr als genug pro argumente für den krieg.. ich persönlich bin dagegen..
was ich damit sagen will (sorry, ist schon wieder n langer comment) ist dies: man sollte differenzieren! kaum ein ami ist wie der nächste.. nicht jeder findet bush gut.. nicht jeder ist fett, nicht jeder mag fast food (hier in louisville kaum jemand!) .. wie lagalug schon sagte: die europäer als kultur gibt es nicht.. ebenso würde ich sagen, dass es “die amis” so als verallgemeinerung nicht gibt.. viele muss man einfach lieben, weil sie so vor liebe und Jesus überfliessen! andere würde man am liebsten für ihre überzeugung an die wand klatschen
so, wie in deutschland eben auch! :o)