Was hat sich während meiner Blogpause so alles ergeben? Der Oktober war ziemlich anstrengend, und zugleich auch ziemlich schön und gut.
Das Anstrengende
Der Oktober ist der “Mid-Term” Monat: die Mitte des Semesters. Und das bedeutet hier vor allem: Aufgaben, Referate und Examen. Also viel zu tun. Ich hatte ein Examen, was ich schreiben musste, zwei 6-9 seitige Ausarbeitungen und dann noch ein sog. “precis”. Dazu kam noch ein halbstündiges Referat.
Das hört sich zwar schon nach Arbeit an. Aber es wäre nicht so tragisch, wenn ich das alles in deutsch hätte schreiben können. Da das nun mal nicht möglich war, ist der Schwierigkeitsgrad sogleich um mehrere Stufen angestiegen.
Für meine erste Ausarbeitung, eine 7-10 seitige Kritik zum Buch “The Last Word” von N.T. Wright, habe ich eine ganze Woche gebraucht, weil ich wirklich bei jedem Satz um die richtige Formulierung kämpfen musste. Da muss man das richtige Vokabular finden und darauf achten, ob dieses Wort auch in einem wissenschaftlichen Kontext verwendet werden kann und Metaphern und Phrasen, die man sich im deutschen angewöhnt hat, müssen aufgegeben und neue müssen gefunden werden. Da muss die Grammatik beachtet werden. Da kommt dies und das dazu. All das hat mir das Gefühl gegeben, linguistisch eingekerkert zu sein. Und das frustriert, denn normalerweise bilde ich mir ein, gut mit Sprache umgehen zu können.
Und dann kam die Mega-Katastrophe: Auf Seite 6 meiner Ausarbeitung, am Abgabetag früh Morgens macht meine Festplatte nur noch “klack klack klack klack klack …” und ich fange an zu schwitzen, denn ich weiß: das war’s. Meine Festplatte ist hin und meine Ausarbeitung und mein ganzes bisheriges Lebe auch. Alle Daten, Musik, Bilder, Dokumente etc. Alles dahin. Zumindest habe ich meine eMails wegen imap auf dem Mail-Server gesichert.
Ich war kurz davor, die Papp-Wände meines Zimmers einzutreten. Und der nächste Apple-Store ist ein schönes Stück weg (ich erinnere mich da an meinen 3 stündigen Trip).
Was jetzt? Zum Glück war der Prof kulant und hat mir gesagt, ich solle es abgeben, wann ich halt fertig sein werde. Puh. Das erleichtert schon mal. Aber muss ich jetzt meine Ausarbeitungen in der Bibliothek fertig schreiben? Ich hatte keine Ahnung, wann ich mein Macbook repariert bekommen würde.
Auf jeden Fall habe ich für den nächsten Tag in der Früh einen Termin beim Apple Store ausgemacht und ein WG-Kollege war so nett, mich dahin zu fahren. Und die gute Nachricht: Nach einer Stunde war eine neue Platte drin, Leopard und iLife 08 waren auch schon drauf (und die wollten nicht mal den Nachweis, dass ich beides bereits besitze ;-)).
Trotzdem: Alle Daten weg. Zum Glück habe ich noch eine Backup-Festplatte in DE. Alle Daten bis vor meiner USA-Reise sind dort drauf. Aber im Moment hilft mir das nicht. Und ich überlege, mir hier trotzdem noch eine neue externe Platte für Timemachine zu kaufen. Aus Fehlern wird man klüger und vorsichtiger.
Auf jeden Fall ist mein Laptop jetzt zu 95% wieder so eingerichtet wie vorher. Nur dass ich meinen Ordner mit den Ausarbeitungen direkt in meinem “DropBox” Ordner eingerichtet habe. Sobald ich ein Dokument jetzt sichere wird es automatisch mit dem DrobBox Server synchronisiert und alle Ausarbeitungen sind damit gesichert. Das ist sehr cool. Und 2GB sind da kostenlos mit dabei. Kann ich nur jedem Empfehlen.
Die Tage nach diesem Missgeschick waren dann recht anstrengend, weil mein Zeitplan durcheinander geraten war. Mit das heftigste war das “Precis”. Die Aufgabe dabei ist es, einen 20-Seitigen philosophischen Artikel für das Fach “Epistemology” auf 800 Wörter zusammen zu fassen. Da hat man kaum Luft und jedes Wort muss sitzen. Für einen nicht-muttersprachler eine doppelte Herausforderung.
Das Angenehme
Aber der Monat war nicht nur anstrengend. Denn der Lohn der Anstrengung ist der Erfolg, wenn er sich denn einstellt
Und zumindest kann ich mir zugutehalten, dass ich alle Aufgaben rechtzeitig geschafft habe. Das war zwar nicht immer wirklich sehr zufriedenstellend für mich, aber ich muss hier lernen, weniger Perfekt sein zu müssen.
Erfreulich war es auch, dass ich mein erstes Referat über 30 Minuten auf Englisch recht gut gemeistert habe. Zwar habe ich während des Vortrags 2 Liter Schweiß verloren, aber ich hatte keinen totalen Blackout und habe, wenn auch manchmal mit Mühe, doch immer das Vokabular gefunden, um den roten Faden weiterführen zu können. Das macht Mut.
Das Angenehmste aber war, dass vor zwei Wochen meine Verlobte mit ihren Eltern für drei Tage einen Kurzstop in LA eingelegt haben, bevor sie weitergeflogen sind um Freunde in Hong Kong zu besuchen. Drei Tage sind sehr kurz aber vielleicht war das auch gut, denn dann gewöhnt man sich nicht zu sehr dran, dass die Person, die man liebt, da ist und dann wieder weg ist, was umso schmerzlicher ist, je mehr man sich an die Anwesenheit gewöhnt. Drei Tage waren in der Hinsicht eine recht gute Zeitspanne und ich freue mich darauf, Ende Dezember für zwei Wochen nach Deutschland zu kommen, um noch etwas mehr Zeit mit ihr zu verbringen.
In diesem Monat habe ich mir auch immer wieder Gedanken über meine Zukunft gemacht und wie es nach meinem Studium weitergehen soll. Mir spuken da ein paar Gedanken im Kopf herum und ich weiß noch nicht genau, welchen Weg ich einschlagen soll. Das entscheide ich ja jetzt auch nicht mehr ganz allein
Damit hängen auch ein paar Ideen zusammen, wie ich mein Xrossblog weiterentwickeln kann. Es bleibt spannend.
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November 3rd, 2008 at 15:33
Hi Kalle!
Ich freu mich, dass deine Blog Pause vorbei ist und bin gespannt auf deine weiteren Berichte. Wir vermissen dich in unserm Jahrgang!!!
Alles Gute!
Daniel
November 3rd, 2008 at 17:01
Hey, danke für deinen Besuch, Wolf. Ich vermisse den Jahrgang auch, vor allem so ein paar besondere Spezis