Der Bundestag hat heute beschlossen, dass der Stichtag für die Verwendung bereits existierender, nicht in Deutschland “hergesteller” embryonaler Stammzellen auf den 1. Mai 2007 verschoben wird.
So ein Stichtag wurde schon vor sechs Jahren auf den 1. Januar 2002 festgelegt. Das Ziel einer solchen Stichtagsregelung ist es, einerseits zu verhindern, dass Embryonen gezielt für die Forschung “gezüchtet” und dann, logischerweise, auch umgebracht werden, um mit dessen Stammzellen Forschung betreiben zu können. Andererseits wollte die Politik der Wissenschaft auch nicht ganz verbieten, mit ebryonalen Stammzellen zu forschen. Und so wurde festgelegt, dass deutsche Forscher mit Stammzellen, die eben vor diesem festgelegten Datum im Ausland gezüchtet wurden, hier in Deutschland forschen dürfen.
Das Problem, das jetzt entstand, war nur, dass die verfügbaren Stammzellen irgendwann einfach “veraltet” und nicht mehr brauchbar waren. Und so entstand das Dilemma, dass die deutsche Stammzellen-Forschung unweigerlich hinter die weltweite Forschung zurückfiel, weil ihr Forschungsmaterial nicht mehr den Ansprüchen genügte.
Daher hat, wie gesagt, der Bundestag den Stichtag um einige Jahre verschoben. Der liegt zwar immer noch in der Vergangenheit, damit nicht wieder ein Anreiz entsteht, Embryonen nur für die Forschung zu töten. Aber immerhin kann die Forschung jetzt auf viel jüngere und frischere Stammzellen zurückgreifen.
Das ist ersteinmal die Lage, wie sie dasteht. Die Probleme bei diesem Kompromiss sind aber, wenn man sich auch nur ein paar Minuten zum Nachdenken nimmt, unübersehbar (Vgl. Kathrin Zinkants Kommentar in der Zeit).
Zinkant stellt zurecht fest, dass mit diesem Kompromiss weder die Forschung noch die Lebensschützer zufrieden sein können. Die Forschung muss weiterhin mit veralteten Zellen arbeiten und nach einiger Zeit steht sie vor dem selben Problem, dass schon zu dieser Stichtagsänderung geführt hat.
Lebensschützer verweisen auf die Heuchelei, dass man zwar nicht möchte, dass Embryonen in Deutschland dafür getötet werden. Aber man kein Problem damit habe, dass im Ausland genau das getan wird und das durch die Einfuhrgenehmigung auch noch legitimiert wird.
Und beide Seiten verweisen darauf, dass wir in wenigen Jahren vor dem selben Problem stehen werden und der Bundestag erneut entscheiden werden muss, wie er mit diesem Thema umgeht.
Ich verfolge diese ganze Debatte momentan gespannt, weil ich an der FTA das Seminar “Bioethik” besuche, wo ich zu diesem Thema ein Referat halten werde. Und mir fällt es momentan wirklich schwer, einer Seite recht zu geben. Daher kann ich das Zögern der Parlamentarier verstehen, auch wenn ich dennoch der Meinung bin, dass man diese Frage nicht durch eine ständige Verschiebung der Stichtagsregelung vor sich her schieben kann.
Darf man Leben für Leben opfern? Ist es gerechtfertigt, Embryonen ihr Lebensrecht zu rauben, damit Menschen ihr Lebensrecht behalten dürfen?
Wie steht ihr dazu? Ich würde mich über eure Kommentare, Meinungen und Perspektiven sehr interessieren. Und sollten sich einige von euch einbringen, was ich sehr hoffe, dann hoffe ich auch, dass der Ton, trotz des sehr spannungsgeladenen Themas, fair und sachlich bleibt.
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April 12th, 2008 at 9:32
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http://www.tagesschau.de/ausland/stammzellforschung22.html