Ich habe meinen vorhergehenden Beitrag zum Thema “embryonale Stammzellenforschung” mit folgenden Fragen abgeschlossen:
Darf man Leben für Leben opfern? Ist es gerechtfertigt, Embryonen ihr Lebensrecht zu rauben, damit Menschen ihr Lebensrecht behalten dürfen?
Bevor ich diese Frage für mich beantworte, will noch ein paar Gedanken ganz generell zum Thema Genforschung und Mensch-Sein niederschreiben. Das sind in erster Linie also unwissenschaftliche Reflektionen, die mir selbst helfen, meinen eigenen Standpunkt mal zu formulieren. Aber vielleicht regen sie auch dich zum Nachdenken und Mitdiskutieren an.
Ich habe diesen Post etwas provokativ mit “Die Krisis des Mensch-Sein” betitelt. Da fängt aber schon das Problem bei diesem Thema an, denn: Was ist der Mensch?
An der FTA belege ich momentan das Fach “Anthropologie”. Ich habe heute mehrere Seiten aus Pöhlmanns “Abriss der Dogmatik” gelesen und dort wird schnell ersichtlich, wie schwierig es überhaupt ist, genau zu definieren, was einen Menschen zu einem Menschen macht. Das klingt auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig, denn man muss nur auf die Straße gehen, und man wird sofort wissen, wer ein Mensch ist und wer nicht. Rein intuitiv wissen wir das vielleicht, aber will man es mal formulieren, definieren, dann wird es sehr schwierig. Wenn du mir das nicht glaubst, dann versuche mal, mir in einem bis zwei Sätzen zu definieren, was ein Mensch ist. Und ich bin mir sicher, dass ich dir recht schnell einen Schwachpunkt in deiner Definition aufzeigen kann, der u.U. schwerwiegende Folgen haben kann.
Damit hängt die Frage zusammen: Wann beginnt das Mensch-Sein?
Auch von dieser Frage hängt sehr viel ab. Ist man Mensch ab der Geburt? Was aber unterscheidet das wenige Sekunden alte Baby von dem Embryo im Mutterleib, kurz bevor dieses den schützenden Raum seiner Mutter verlässt?
Kann man tatsächlich festlegen, wo aus einem “bloßen” Zellklumpen vollwertiges und mit Lebensrecht und Würde versehenes menschliches Leben wird?
Mit diesen beiden Fragen geht für mich auch die immer stärker anbrechende Krisis des Mensch-Sein einher. Wir bewegen uns immer stärker auf eine Zeit hin, in der es immer problemloser Möglich wird, bis in die Grundsubstanz des Lebens, die DNA und die Gene, einzugreifen. Was früher nur in Science-Fiction Romanen, wie Aldous Huxleys Dystopie “Schöne Neue Welt”, möglich erschien, nämlich die genetische (bei Huxley aber noch nicht vorhandene und daher anders realisierte) Manipulation des Menschen, so dass schon auf genetischer Ebene eine Mehrklassen-Gesellschaft entsteht, kommt in immer greifbarere Nähe. Und auch wenn man heute noch empört abwehrt, dass man niemals in diese Richtung denken würde, zeigt die Geschichte leider, dass der Mensch alles tun wird, wozu er zu tun imstande ist.
Auch die Frage nach den Grenzen des Mensch-Sein, wie sie z.B. Isaac Asimov in seinen Romanen anhand von Robotern exemplarisch stellt, ist nicht mehr nur auf künstliche Intelligenz beschränkt.
Aber der Post ist schon wieder viel zu lang. Und so belasse ich es ersteinmal bei diesen einleitenden Gedanken und versuche, das in einem weiteren Beitrag noch mehr zu entfalten und konkreter zu beschreiben.
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