25 Jerobeam aber baute Sichem auf dem Gebirge Ephraim aus und wohnte darin und zog von da fort und baute Pnuël aus. 26 Und Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum wird nun wieder an das Haus David fallen. 27 Wenn dies Volk hinaufgeht, um Opfer darzubringen im Hause des HERRN zu Jerusalem, so wird sich das Herz dieses Volks wenden zu ihrem Herrn Rehabeam, dem König von Juda, und sie werden mich umbringen und wieder Rehabeam, dem König von Juda, zufallen. 28 Und der König hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, dass ihr hinauf nach Jerusalem geht; siehe, da ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. 29 Und er stellte eins in Bethel auf und das andere tat er nach Dan. 30 Und das geriet zur Sünde, denn das Volk ging hin vor das eine in Bethel und vor das andre in Dan. 31 Er baute auch ein Höhenheiligtum und machte Priester aus allerlei Leuten, die nicht von den Söhnen Levi waren. 32 Und er machte ein Fest am fünfzehnten Tag des achten Monats wie das Fest in Juda und opferte auf dem Altar. So tat er in Bethel, dass er den Kälbern opferte, die er gemacht hatte, und bestellte in Bethel Priester für die Höhen, die er gemacht hatte.
Das ist der Text, den ich für das Fach “Proseminar Altes Testament” auslegen will. Nachdem voriges Semester das selbe für das NT dran gewesen ist (und auch sehr gut für mich ausgefallen ist), wurschtel ich jetzt im Alten Testament rum. Und ich muss sagen: Furchtbar. Nicht das ich das AT nicht mögen würde. Aber wieso musste Gott so eine komische Sprache aussuchen? Mit Hebräisch kann ich mich einfach nicht anfreunden. Ich tue alles andere lieber, als in den hebräischen Text reinzuschauen.
Parallel zu AT Pro versuche ich mich für mein anstehendes Praktikum ein wenig auf Dogmatik vorzubereiten (fragt nicht, wohin es geht. Ich werds eh nicht verraten aufgrund mancher schlechter Erfahrungen damit in der Vergangenheit). Und ich merke, wie ich das einfach viel lieber tue und jetzt auch tun würde. Aber was soll’s.
Ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Aspekt der Exegese ist es, zu beobachten und Fragen zu stellen. Viele lesen zu schnell über einen Text hinweg und meinen problemlos zu verstehen, was der Text sagen will. Und auf einer oberflächlichen Ebene mag das auch der Fall sein. Aber wer es schafft, sich auf einen Dialog mit dem Text einzulassen, einfach mal nur lauschen, was der Text sagen will, erst der kann wirklich ganz tief einsteigen. Sich nicht gleich mit der ersten Antwort zufrieden geben.
Und gerade das bereitet mir oftmals Schwierigkeiten. Ich habe oft Probleme, den Texten zuzuhören.
Was für Fragen stellen sich euch, wenn ihr diesen Text lest, so wie er oben steht, ganz ohne seinen Kontext? Wo wollt ihr bei dem Text nachhaken, nachfragen, sich mehr erzählen lassen?
Popularity: 22% [?]


Februar 12th, 2008 at 16:47
Meine Frage: Warum ausgerechnet goldene Kälber? Er scheint ja bewusst an die Sache beim Sinai anzuknüpfen, aber wieso? Will er ausdrücklich sagen, dass er jetzt auch Götzendienst treibt wie die Generation, die in der Wüste sterben musste? Das wär ja ziemlich doof, oder? Ich versteh das nich so recht.
Anyway, viel Spaß bei der Exegese! Ach ja, und wenn Du Hebräisch lieber in lateinischer Schrift lesen willst, dann empfehle ich die DaBhaR-Übersetzung!
Februar 12th, 2008 at 17:33
Danke, Tho. Dieser Tip gerade von dir
Februar 12th, 2008 at 20:04
Bei dieser Stelle kommen mir regelmässig zwei Fragen:
- Inwiefern hat Jerobeam “menschlich” gesehen nicht doch genau richtig gehandelt? Wie nah der Wirklichkeit waren seine Überlegungen. Daraus folgt noch die Frage: Was wäre dann die menschlich und göttlich richtige Alternative zu den zwei Kälbern gewesen?
- War er sich dessen bewusst, was er da eigentlich tat? War er sich dessen bewusst, dass er damit Götzen erschafft und sich damit selbst ins Knie (oder eher in die eigenen Eingeweide) schießt?
Februar 12th, 2008 at 23:09
“Viele lesen zu schnell über einen Text hinweg und meinen problemlos zu verstehen, was der Text sagen will.”
Das wär ja mal ganz angenehm. Also ehrlich gesagt hab ich beim Lesen meistens viel mehr Fragen als Antworten.
Ok, mal zum Text: dafür müsste ich eigentlich den Kontext nachschlagen, mach ich jetzt aber nicht. Also ich frage mich hier z.B.: warum hat Jerobeam Kälber machen lassen und nicht einfach einen Tempel oder eine Stiftshütte gebaut.
Hat er verkündigt, dass dieses Kalb Gott ist oder sollte das eher eine Veranschaulichung sein? Kann man das Kalb mit Kruzifixen u.ä. christlichen “Veranschaulichungen” vergleichen? Wenn man vor einem Kruzifix niederkniet, meint man ja auch nicht das “Ding” anzubeten, sondern den Gott, der dadurch symbolisiert wird. Allerdings heißt es ja auch, dass man sich gar kein Bildnis von Gott machen und davor niederknien soll. Was ist daran eigentlich schlimm?
Und noch ein Gedanke zu Jerobeam: um Gott scheint es ihm hier bei allem gar nicht zu gehen, sondern um seinen Machterhalt. Er benutzt also anscheinend die Religion nur, um seine Macht zu stärken. Vielleicht ist das auch die eigentliche Sünde?
Wie Kelko schon schrieb: war sich Jerobeam bewusst, was er da tat? Kannte er die Geschichte vom Goldenen Kalb? War sie in der Bevölkerung bekannt? Wieviel Ahnung hatte der Normalisraeli überhaupt von der eigenen Geschichte? Hätte es damals sonst nicht genauso einen Aufschrei geben müssen, wie heute, wenn es um Naziverbrechen geht?
Februar 12th, 2008 at 23:17
Hey, vielen Dank für die interessanten Fragen.