Ich habe schon lange kein Gedicht mehr gepostet. Das folgende ist von Nietzsche, ja genau, dem “Antichristen”. Aber sein Gedicht hat einiges für sich und ich finde mich da ein wenig wieder.
Zwei Lerchen
Ich hörte zwei Lerchen singen
Sie sangen so hell und klar
Und flogen auf freudigen Schwingen
Am Himmel so wunderbar.
Die eine nahte der Sonne
Geblendet doch schrack sie zurück
Wohl dachte sie oft noch mit Wonne
An dies vergangene Glück.
Doch wagt sie nicht zu erheben
Die Schwingen nach jenem Strahl
Sie fürchtet, es möchte ihr Streben
Ihr werden am Ende zur Qual.
Die andre in mutigem Drange
Schwingt sich zur Sonne heran
Doch schließt sie die Augen so bange
Auf nie noch betretener Bahn.
Sie kann doch nicht widerstehen
Sie fühlt unbesiegbare Lust
Die himmlischen Strahlen zu sehen
Sich selber kaum mehr bewusst.
Sie blickt in die strahlende Sonne
Sie schaut sie an ohne Klag
In himmlischer Freude und Wonne,
Bis endlich ihr Auge brach …
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Juni 9th, 2007 at 13:39
willkommen im club der dieswöchigen nietzsche-zitierer.
interessantes gedicht! klingt nach frühwerk.