Das war das Thema im Hauskreis am Mittwoch. Meine Kleingruppe hatte sich das Thema mal gewünscht, und so hab ich das dann auch gemacht. Dabei ging es diesmal nicht darum, irgendwelchen detailierten Fahrpläne für die Zukunft auszuarbeiten, sondern wie man generell mit dem Thema umgehen kann.
In der Vorbereitung ist mir ganz spontan ein Text in den Sinn gekommen, den ich während meiner Bibelschulzeit in einer Facharbeit durchgenommen habe: 1Thess 2,1-12.
Dabei ging es mir wie gesagt nicht darum, aus diesem Text detailierte Aussagen über die Zukunft zu erarbeiten, sondern darauf zu schauen, wie Paulus dieses Thema angeht und behandelt.
Zuersteinmal ein paar Hintergrund-Infos, um den Text richtig einordnen zu können: Wir viele von euch wissen bin ich ja ein unverbesserlicher Fundamentalist. Ich selber bin z.B. überzeugt, dass der 2Thess genauso wie der 1Thess wirklich von Paulus stammen und dass der 2Thess nicht lange nach dem 1Thess geschrieben wurde, was für mich zum Teil die starken thematischen Übereinstimmungen erklären würde. Auf ein damit verbundenes Problem komme ich später noch zu sprechen.
Im 1Thess spricht Paulus ja über die Wiederkunft von Jesus und die Himmelfahrt der Gläubigen, sowohl derer, die leben, als auch derer, die gestorben sind. Im 2Thess muss er wieder über das Thema sprechen. Was sich zwischen den Briefen abgespielt hat, erkläre ich mir so: Nachdem Paulus den ersten Brief geschrieben hat, ist eine Gruppe von Menschen aufgetreten, die, aus welchem Grund und mit welchen Argumenten auch immer, behauptet, der “Tag des Herrn” sei schon angebrochen. Und mit “Tag des Herrn”, was ein AT Terminus ist, ist das endzeitliche eingreifen Gottes in das Weltgeschehen gemeint. Man könnte also auch übersetzen: “Die Endzeit ist angebrochen”. Und solche Kassandra-Rufe dürften auch heute nicht ganz unbekannt sein. Wir haben hier also ein ganz aktuelles Thema vor uns.
Diese Endzeit-Rufe haben manche in der Gemeinde ganz schön verschreckt. Paulus scheint das mitbekommen zu haben und reagiert jetzt darauf in unserer Perikope.
Wenn man sich jetzt den Text anschaut, dann stellt man fest, dass Paulus selber hier auch keine detailierten Aussagen über die Zukunft macht. Er deutet zwar einiges an, aber er bleibt doch sehr im ungefähren. Er sagt nichts darüber, was mit dem “Tempel Gottes” gemeint ist, in den sich der Widersacher setzen wird, oder was genau die aufhaltende Kraft nun ist. Und gerade diese zwei Themen sind sehr umstritten und Tonnen von Seiten wurden schon darüber verfasst.
Als Leser blickt man zuerst wahrscheinlich dennoch auf die etwas schockierenden und beängstigenden Aussagen. Zumindest sind diese Passagen den Leuten meiner Kleingruppe sofort ins Auge gesprungen. Aber hier ist es hilfreich, mit Markierungen zu arbeiten. Ich habe mit zwei Farben markiert, wo Paulus Aussagen über die Widersacher Gottes macht (Rot) und wo er beruhigende Aussagen macht (Blau). Und so sah mein Text dann aus (ich nehme 13-15 noch dazu; Text nach der GNB):
1 Ihr wartet darauf, Brüder und Schwestern, dass Jesus Christus, unser Herr, kommt und wir mit ihm vereinigt werden.
Wir bitten euch aber: 2 Lasst euch nicht so rasch verwirren oder erschrecken durch die Behauptung, der Tag, an dem der Herr kommt, stehe unmittelbar bevor. Glaubt es nicht, auch wenn sich jemand auf eine Eingebung des Heiligen Geistes beruft oder auf irgendeinen Ausspruch oder auf einen Brief von uns. 3 Lasst euch durch nichts und niemand täuschen: Erst muss es dahin kommen, dass viele ihrem Glauben untreu werden. Der Feind Gottes muss auftreten, der alles Böse in sich vereint und der zum Untergang bestimmt ist. 4 Er wird sich gegen alles auflehnen und sich über alles erheben, was als göttlich und verehrungswürdig gilt. Ja, er wird seinen Thron im Tempel Gottes aufstellen und wird behaupten, er sei Gott! 5 Erinnert ihr euch nicht, dass ich euch dies angekündigt habe, als ich noch bei euch war? 6 Inzwischen wisst ihr aber auch, wodurch das noch aufgehalten wird. Der Feind Gottes kann erst hervortreten, wenn die Zeit dafür reif ist. 7 Die geheimnisvolle Macht der Auflehnung ist zwar schon am Werk; doch der, der sie bisher noch zurückhält, muss ihr erst den Weg freigeben. 8 Dann wird der Feind Gottes offen hervortreten. Aber Jesus, der Herr, wird in Herrlichkeit kommen und ihn mit dem Hauch seines Mundes töten; durch sein bloßes Erscheinen wird er ihn vernichten.
9 Der Feind Gottes wird bei seinem Auftreten vom Satan unterstützt, sodass er Aufsehen erregende Wunder vollbringen und die Menschen damit blenden kann. 10 Alle, die verloren gehen, wird er durch seine bösen Künste täuschen. Sie erliegen ihnen, weil sie ihr Herz nicht der Wahrheit geöffnet haben, die sie retten könnte. 11 Deshalb liefert Gott sie dem Irrtum aus, sodass sie der Lüge Glauben schenken. 12 Alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern am Bösen Gefallen hatten, werden so ihre Strafe finden.
13 Doch für euch, Brüder und Schwestern, müssen wir Gott immerzu danken. Ihr seid von Jesus, dem Herrn, geliebt. Von allem Anfang an hat Gott euch dazu erwählt, dass ihr gerettet werdet. Und das werdet ihr, weil Gottes Geist euer Leben bestimmt und euch heilig macht und weil ihr der Wahrheit Gottes glaubt. 14 Durch die Gute Nachricht, die wir euch gebracht haben, hat Gott euch dazu berufen, an der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus teilzuhaben. 15 Steht also fest, Brüder und Schwestern, und haltet euch an die Überlieferungen, an alles, was wir euch mündlich oder brieflich gelehrt haben.
Wenn ich mir das so anschaue, dann erscheint es mir so, dass Paulus nicht über die Gottesfeindlichen Mächte schreiben kann, ohne noch viel mehr darauf hinzuweisen, dass das alles noch in der Zukunft liegt und vor allem, dass das alles in Gottes Hand liegt. Sehr deutlich sieht man das am Ende von V.4, wo ein Höhepunkt der Blasphemie erreicht wird, indem der Widersacher Gottes behaupten wird, er selber sei Gott. Und da schiebt Paulus gleich ein, dass dieser Widersacher ja noch zurückgehalten wird. Dann spricht er in V.8 noch einmal davon, dass der Feind Gottes offen auftreten wird, und sofort erwähnt er aber, dass Jesus auftauchen wird und bloß den Mund aufmachen muss, um den Feind zu töten. Dann kommt ein längerer Block mit vielen sehr schwierigen Aussagen. Aber Paulus hängt da auch gleich wieder einen Block an, indem er deutlich macht, dass das nicht die von Gott erretteten betreffen wird.
So will Paulus einerseits nicht einfach den Blick von der Zukunft abwenden. Er will nicht verschweigen, dass da krasse Zeiten kommen werden, die bisher bekanntes weit übersteigen. Aber er kann davon nicht sprechen, ohne nicht gleich zu betonen, dass das alles in Gottes Hand liegt und dass das alles noch nicht angebrochen ist. Denn wenn das passieren wird, dann wird es keine Zweifel mehr darüber geben, _dass_ es soweit ist.
Was kann man also für unsere Situation heute übernehmen? Ich denke zweierlei und dabei blicke ich auf beide Thess-Briefe: Wir sollen jederzeit damit rechnen, dass es so weit sein kann, dass Jesus widerkommt. Paulus hatte diese Hoffnung und wir sollen sie auch haben. Das ist ganz stark die Betonung des 1Thess. Aber auf der anderen Seite sollen wir uns davon nicht verrückt machen und wir sollen das nicht als Ausrede verwenden, um uns auf die Faule Haut zu legen. Und wenn irgendwelche Personen aufstehen und auf die Weltsituation verweisen und Panik schüren, dass das Ende der Welt heranbricht, dann brauchen wir uns nicht von ihnen in Panik versetzen zu lassen. Trotz unserer ständigen Erwartungshaltung dürfen wir dennoch eine gewissen Gelassenheit an den Tag legen: Wenns passieren wird, dann wird das so gewaltig und unaufhaltsam sein, dass niemand dran vorbei kommen wird. Aber bis dahin habe ich meine Verantwortung im hier und jetzt.
Übrigens wird der Unterschied zwischen Endzeiterwartung im 1Thess und Endzeitverzögerung im 2Thess auch verwendet, um die beiden Briefe gegeneinander auszuspielen und zu behaupten, der 2Thess könne nicht von Paulus sein. Dort drücke sich schon eine Haltung aus, die bei Paulus noch nicht zu finden sei, nämlich die Einsicht, dass Jesus doch nicht so schnell wiederkommen wird. Aber ich halte das nicht für zwingend. Und wie ich versucht habe zu zeigen, denke ich, dass man beides miteinander vereinbaren kann, und zwar schon bei Paulus.
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Mai 25th, 2007 at 22:59
In welchem Jahr kommt denn Jesus jetzt nun?
Mai 25th, 2007 at 23:04
Tja, ich rechne noch. Ist nicht so einfach …
Mai 26th, 2007 at 12:25
Ist kein einfaches Thema.
Wie haben es die Leute vom Hauskreis aufgenommen?
Gruß
Peter
Mai 27th, 2007 at 0:40
Ganz gut. Wir hatten eine gute Diskussion. Ich denke schon, dass das Thema etwas geholfen hat, mit der Thematik umzugehen.