23.58 am Tag vor dem “S-Day” Gibt es so etwas wie vorauseilende Entzugserscheinungen? Ich weiß es nicht, aber das nervöse Kribbeln im Magen und das Zucken in den Augenlidern lässt sich nicht einfach wegerklären. Ich fahre den Rechner herunter und stelle mich innerlich auf eine schwierige Zeit ein …
00.04 “S-Day” Ich wache schweißgebadet auf. Ist der Tag schon vorbei? Ich schaue auf die Uhr: ich bin vor vier Minuten ins Bett gegangen. Noch 23 Stunden und 56 Minuten. Ich lege mich wieder hin.
02.54 “S-Day” Ich wache wieder auf. Ich habe davon geträumt, dass eine versehentliche Elektromagnetische Entladung alle elektronischen Geräte zerstört hätte. Die ganze Welt wäre in die Steinzeit zurückgeworfen worden. Viele Jugendliche wären mit schweren Verstörungen und Augenschäden in Krankenhäuser eingeliefert worden. Sie haben das erste Mal seit langer Zeit wieder die Sonne gesehen. Einer murmelte die ganze Zeit: “Kann mal jemand bitte die Auflösung hochschrauben? Dieser Himmel wirkt nicht sehr Photorealistisch. Wer hat denn das programmiert?” Andere hatten sich erschreckt über die Menschen, die da draußen herumliefen. “Wo sind die Nachtelfen? Ich muss zurück zu meinem Stamm? Gibt es hier Orks in der Nähe?”
Ich merke, dass das alles nur ein Traum war. Mein Wecker geht noch, es kann also keinen EMP gegeben haben. ich schlafe wieder ein …
07.46 “S-Day” Ich wache auf. Der Wecker hat geklingelt. Im Halbschlaf schalte ich ihn aus. Wie von selbst steuert mein Körper auf den Schreibtisch zu. Mein Geist räckelt sich noch etwas im Bett und kommt ganz langsam hinterher.
Was jetzt geschieht wird vollständig vom Rückenmark gesteuert. Es ist ein einstudierter, vollautomatischer Prozess. Der Ablauf sieht folgendermaßen aus: Wecker ausschalten, zum Schreibtisch schlurfen. Power-Taste drücken. Nach einigen Sekunden die Pfeil-runter Taste drücken, damit der PC im richtigen Betriebssystem startet. Warten. Warten. Warten. Während der Computer hochfährt, fährt auch mein Körper hoch. Ganz langsam, um das System nicht zu überlasten. Dann öffne ich Thunderbird, um nach der Post zu sehen und meine RSS-Feeds zu checken. Wer ist online? In Gaim sehe ich nur meinen Bruder, der sich gerade abmeldet. Er geht scheinbar gerade ins Bett. Ansonsten ist da niemand. Bei Skype tummeln sich schon einige Frühaufsteher. Ich bin unsichtbar. Dann schnell noch die wichtigsten Nachrichten überprüfen: Existiert Deutschland noch? Ist die EU endlich in die Schweiz einmarschiert? Das übliche halt. Danach schalte ich den PC auf Standby und gehe frühstücken … normalerweise
Heute ist alles anders. Mein unterbewusstes Warnsystem meldet, dass etwas nicht stimmt. Wo normalerweise der schwarze Laptop meiner Schwägerin stehen sollte, liegt ein grünes Handtuch mit einem Zettel oben drauf. Mein Körper erhöht die Leistung auf 40%, damit meine optischen Systeme auch geschriebenes verarbeiten können. Auf dem Zettel steht: “Shutdown Day”. Ich denke mir: “Shut Up, ey”. Jetzt endlich registriert mein Gehirn das Pochen des Unterbewusstsein und mir fällt es wieder ein: Heute bleibt der PC aus. Ich gehe zum Frühstück und während des Kaffees holt mein Geist endlich auch den Körper ein. “Wo warst du solange?”
08.32 “S-Day” Schon über 8 Stunden ohne Computer, ohne eMails, ohne Feeds. Und das noch fast 17,5 Stunden. Ich versuche mich an die Zeit vor dem Internet zu erinnern. Was gab es da? Mir fällt es wieder ein: Bücher. Natur. Menschen, also echte Menschen und nicht nur Symbole in Gaim. Ich bewege mich auf den Bücherschrank zu und suche etwas interessantes. “Der Mensch im digitalen Zeitalter”, “Die Internet-Revolution”, “Just for Fun: Die Linux-Story”. Das ist wie bei einem Zigaretten-Süchtigem, der sich Zigaretten-Reklame anschaut. Ich lasse das mit den Büchern.
10.20 “S-Day” Die letzten zwei Stunden habe ich auf meinem Bett gesessen und auf das grüne Handtuch gestarrt. Es würde ja keiner merken. Du musst nur Gaim ganz schnell ausschalten, bevor dich jemand Online sieht. Moment, du bist ja auch dort unsichtbar für alle, bis auf eine oder zwei Personen. Und eine von ihnen ist heute nicht da. Muahahahaha … Halt Stop. Nein! Ich kämpfe mit mir selber. Ein harter Kampf…
15.44 “S-Day” Ich höre Stimmen. Lasst mich in Ruhe. Wo seid ihr? Wer seid ihr? Das Handtuch spricht mit mir. Nein, die Stimmen sind gedämpft, sie sind vom Handtuch verdeckt. Ich packe mir an den Kopf. Geht, geht weg. Lasst mich in Ruhe. Ich werde euch nicht nachgeben.
17.21 “S-Day” Wo war ich die letzten 1,5 Stunden? Was ist geschehen? Wieso liege ich auf dem Boden? Ich weiß noch, ich habe Stimmen gehört und dann wurde alles Schwarz. Ich lege mich ins Bett und versuche zu schla …
22.18 “S-Day” Wie lange habe ich geschlafen? Schon 22.00? Nur noch zwei Stunden. Ich versinke wieder im Schlaf…
p.s.: Vielleicht hat es sich nicht gaaaanz so abgespielt ![]()
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März 25th, 2007 at 14:09
einfach nur lustig…
März 25th, 2007 at 14:59
Als mir Bloglines eine fette 1 hinter Xrossblog zeigte, habe ich genau solche einen Bericht von dir erwartet…
März 25th, 2007 at 15:00
Roflmaopmp!!!!
März 25th, 2007 at 15:06
@Hufi: Na da bin ich aber froh, deine Erwartungen erfüllt zu haben
@gluglu: ?? Ich hoffe du nimmst mir das mit der schweiz nicht übel
März 25th, 2007 at 20:16
Gute story, ich glaube es dir bis ins Detail hinein.
Und jetzt stell dir vor, du hättest den Laptop nicht . . .
und das einen Monat lang
März 25th, 2007 at 20:18
Jaja, schon klar. sag deiner Frau zum 10 Mal ein ganz herzliches danke
März 25th, 2007 at 21:03
Aber es ging mir diesmal nicht darum zu zeigen, dass du meiner Frau zu danken hast, sondern wie es wäre einen Monat so ganz ohne pc in welcher Art auch immer
März 25th, 2007 at 21:04
1. ist ja mal ganz was neues

2. eine katastrophale vorstellung