Mal ein “offener Micha” (Für die Freunde zur Bewahrung unserer deutschen Sprache die übersetzte Variante von “Open Mic” ;-)) an der Stelle. Das ist kein brandaktuelles Thema, eher ein brennendes Ölfeld: also ein Dauerbrenner.
Wir haben hier an der FTA regelmäßige Treffen in sog. “CD Gruppen”. Die Braker unter uns kennen das auch so ähnlich als “Koinonia-Gruppen”, nur etwas anders organisiert. Wir treffen uns dabei regelmäßig mit einem -Lehrer- pardon: Dozenten.
Ich bin in der “Padberg-Gruppe”, bei unserem Dozenten für Historische Theologie. Wir treffen uns dabei gemütlich Abends in einem Lokal und sprechen über verschiedene Themen. Nächsten Montag wollen wir ein wenig über das Thema “Türkei und EU” reden und ich als selbsternannter Pseudo-Experte wurde dazu bestimmt, mich ein wenig einzuarbeiten in das Thema.
Die Frage, ob die Türkei Mitglied der EU werden soll oder nicht ist ja recht kontrovers. Auch unter Christen. Mich würde jetzt mal eure Meinung dazu interessieren. Was denkt ihr? Sollte die Türkei Mitglied der EU werden? Wenn ja, was spricht dafür? Und wenn nein, was spricht dagegen?
Mir geht es hier vor allem um ganz prinzipielle Gründe, und nicht so sehr um Tagespolitik, da die Türkei sowieso frühestens in zehn Jahren Mitglied werden würde. Das sollte also bedacht werden.
Hier kann sich wirklich jeder äußern, denn das ist auch seine sehr subjektive Frage. Dabei sollte es aber dennoch friedlich zu gehen. Wer will darf sich auch unter Pseudonym oder Anonym äußern. Ich würd mich freuen, ein paar Meinungen dazu zu hören.
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Januar 10th, 2007 at 17:29
Naja, wenn man rein politisch drauf schaut gibt es zwei große Probleme mit der Türkei:
1. zum Großteil in Asien
2. Menschenrechtsverletzungen.
Klar, über den ersten Punkt kann man lange und breit räsonieren ohne wirklich zu nem Punkt zu kommen. Für mich wäre das kein KO-Kriterium an der Stelle.
Das zweite ist da schon ärger. Das ist für mich ein KO-Kriterium zu sagen, dass Türkei nicht in die EU gehört, jedenfalls solange der Punkt besteht. EU ist, zumindest sollte es so sein, ein demokratisch aufgebauter Zusammenschluss von verschiedenen Staaten, zum großteil Demokratien oder parlamentarische Monarchien, die alle aber doch eine gemeinsame Grundlage in der Weltanschaung haben mit dem größten Schwerpunkt auf die unverletzbarkeit und unveräußerbarkeit der Menschenrechte. Solange also Türkei genau diesem Punkt zuwiderläuft sehe ich keine rechtfertigung sie in die EU aufzunehmen. Sollte sich der Punkt ändern habe ich da keine weiteren Probleme. Es ist de facto nunmal ein politisches Thema, kein religiöses. Und da es in Türkei auch ne Trennung zwischen Staat und Religion gibt ist also die Religion rein politisch kein Hinderungsgrund.
Wenn wir also nun als Christen hingehen und sagen Türkei darf nich rein, weil wegen Moslems haben wir entweder diesen Gedanken der Trenung von Staat und Kirche nicht verstanden oder sind arg scheinheilig und können gleich der Inquisation die Hand schütteln.
Januar 10th, 2007 at 18:09
Ich denke daß die Kosten einfach zu hoch sind, allein wenn man nur grob die Agrarsubventionen für die türkischen Landwirte überschlägt. Ich kann zwar verstehen, warum die Türkei in die EU möchte, ich sehe nur nicht den Nutzen den die bisherigen Mitglieds-Staaten davon haben. BTW: Ähnlich sehe ich es bei Bulgarien und Rumänien. Da kann ich genausowenig nachvollziehen, warum diese Staaten in der EU sind. Da ich aber sowieso kein Freund der EU bin wäre eine Aufnahme der Türkei vielleicht garnicht schlecht, weil es bestimmt den Niedergang er Union vorantreiben wird.
Januar 10th, 2007 at 20:52
Ich denke die EU muss sich klarmachen, was ihre Ziele sind. Geht es um ein möglichst enges Zusammenwachsen der Mitgliedstaaten um außenpolitisch mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen und um eine möglichst starke Wirtschaft hervorzubringen? Dann sollte man sich überlegen wie weit man noch wachsen will, denn je mehr wirtschaftsschwache Länder es aufnimmt, desto mehr wird die Wirtschaft geschwächt. Dabei sind kleinere Länder wie Kroatien noch leichter zu verkraften, aber die Türkei ist ein dicker Brocken. Man sollte auch beachten, dass die gemeinsame Grenze immer schwieriger zu überwachen wird (falls das überhaupt noch möglich ist). Und die EU hat dann eine gemeinsame Grenze mit dem Iran.
Ist die Idee eher, ein möglichst breites Bündnis zu schaffen (Türkei als Brücke zur Arabischen Welt), könnte man auch gleich Russland aufnehmen. Aber das Zusammenwachsen wird dadurch sehr schwierig, schon jetzt kriegen wir keine gemeinsame Verfassung hin. Es besteht viel mehr die Gefahr, dass die EU sich zerstreitet und irgendwann auseinanderbricht.
Oder es gibt 2 Stufen “Kerneuropa” und das “erweiterte Europa”. das würde dann auf den Merkel-Plan der “privilegierten Partnerschaft” hinauslaufen.
Also ich bin gegen eine Aufnahme der Türkei weil es einfach nicht so leicht machbar ist. Die völlig unterschiedliche Kultur kommt auch noch dazu, außerdem die Unfähigkeit die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten (Stichwort Völkermord) usw. usf….
Naja viel neues hab ich hier nicht gebracht, es ist eigentlich das gleiche, was auch die meisten Experten sind sagen, es sind hauptsächlich Politiker, die dafür sind, deren Argumente haben mich jedoch nicht überzeugt.