Das sieht auf den ersten Blick vielleicht ein wenig schräg aus, das da oben. Das nennt sich SKA: “Semantisch Kommunkative Analyse” (im Angelsächsischen Bereich bekannt unter SSA “Semantical structure analysis”) und wir lernen das hier an der FTA momentan im Fach “Griechisch III”. Bei der SKA geht es darum, die inhaltlichen Beziehungen und Abhängigkeiten der verschiedenen Propositionen eines Textes grafisch darzustellen.
Der SKA geht bei uns im Unterricht die LGA voraus, die “Lexikalisch Grammatische Analyse”, die dasselbe für die grammtische Ebene des Textes leisten soll.
Schön und Gut, aber was bringt das alles?
Und hier sind wir schon beim Thema. 2007 ist das Jahr der Geisteswissenschaften. Und die Geisteswissenschaften stecken momentan in einer Krise. Ihr Problem ist: in einer technisch-pragmatischen Welt fragt man sich, wieso man Menschen dafür bezahlen soll, dass sie die semitotische Funktion des Kommas in der Sprache der Bulu-Bulu untersuchen, wobei das Komma nur in einem Text dieser schriftlosen Sprache auftaucht und es noch nicht definitiv geklärt ist, ob es sich dabei nicht doch um einen Ausrutscher des Steinpickels handelt …
Dieses Beispiel ist 100% konstruiert, falls du das noch nicht gemerkt haben solltest, aber ich denke, es verdeutlicht überdreht, was viele mit Geisteswissenschaften verbinden: Eine Wissenschaft, in die viel Geld gesteckt wird, bei der am Ende aber nicht ein neuer elektrischer Rasierer herauskommt … sondern z.B. das 33 Bändige deutsche Wörterbuch, welches 120 Jahre zum Erscheinen gebraucht hat, um dann wieder überarbeitet zu werden. Mit einem 33 bändigen Wörterbuch kann man sich nicht rasieren … vielleicht eignet es sich als dekoratives Element im neuen Regal. Aber sonst …?
Die Theologie ist ein Teilbereich der Geisteswissenschaften. Neben der Philosophie ist es im Grunde der Nukleus oder die Mutter der Geisteswissenschaften. Und auch die Theologie befindet sich in einer Krise. War sie früher _*die*_ Wissenschaft der europäischen Bildungslandschaft (viele Universitäten begannen als Priesterseminare), so wird ihr heutzutage sogar ihre Berechtigung als Wissenschaft aufzutreten abgestritten.
Aber die Theologie hat nicht nur ihre Schwierigkeiten, sich im allgemeinen Konzert der Wissenschaften zu behaupten, sie hat es auch immer schwerer in ihrem eigentlichem Stammgebiet, der christlichen Kirche.
Brauchen wir diese Theologie Experten überhaupt? Verursachen sie nicht mehr Unsicherheiten und Zweifel, als sie helfen? Und vor allem können die sich ja auch trotz ihrer Gelehrtheit nicht immer einigen. Wozu dann das alles? Reicht nicht meine Luther/Elberfelder/Volxbibel und der Heilige Geist? Brauche ich wirklich Homiletik, Exegese, Hermeneutik, Griechisch, Hebräisch, LGA, SKA und was weiß ich?
Natürlich muss ich zugeben, dass ich selber ein wenig vorbelastet bin, studiere ich doch Theologie auch auf wissenschaftlichem Niveau, bin somit einer dieser komischen Theologen, die immer sagen: “Nun, eigentlich …”. Aber das heißt nicht, ich hätte mir diese Fragen nicht selber auch schon gestellt. Brauche ich das, was ich mache, wirklich? Oder ist das nur zum Bau von Elfenbeintürmen gut?
Da dieser Post jetzt schon so lang ist, entschließe ich mich spontan, zwei Beiträge draus zu machen. In diesem Beitrag werfe ich das Problem auf, im folgenden Beitrag werde ich versuchen, den Sinn, Wert und Nutzen wissenschaftlicher Theologie etwas deutlicher herauszustellen. Das werde ich exemplarisch an der schon erwähnten LGA/SKA Methode machen.
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February 19th, 2007 at 12:37
Die Problemanzeige ist sehr gut gelungen, bin schon gespannt auf Teil 2! Ist defintiv eine sehr wichtige und relevante Frage…