Hinweis: Das ist der zweite Beitrag einer zweiteiligen Reihe. Um die ganze Aussage hinter dieser Reihe zu verstehen muss man beide Teile zusammen lesen!
Im ersten Teil dieser Mini-Reihe habe ich versucht, das Problemfeld zu skizzieren, mit dem wissenschaftliche Theologie zu hadern hat. In diesem zweiten Teil versuche ich ganz komprimiert an einem Beispiel zeigen, welchen Sinn es macht, wissenschaftlich zu arbeiten. Damit soll dann auch deutlich werden, welche Berechtigung wissenschaftliche Theologie hat. Auf der anderen Seite wird hoffentlich auch deutlich werden, was wissenschaftliche Theologie nicht leisten kann und will. Denn eines sollte klar sein: Wissenschaftliche Theologie ist kein Allheilmittel für alles. Sie hat eine spezielle und wichtige Aufgabe, sie kann aber nicht alles leisten.
Und noch eines sollte klar sein: Das hier beschreibt meine ganz persönliche Sicht auf die Dinge. Ich selber stecke noch mitten in meiner eigenen wissenschaftlichen Ausbildung. Wer hier also solide Forschungsarbeit erwartet, der kann gleich wieder gehen. Das sind pure Gedankenfetzen, die ich Morgen auch wieder über Bord werfen könnte! Hiervon ist nichts zitierfähig, um es mal in wissenschaftlicher Fachsprache auszudrücken
Wie angekündigt werde ich meine Argumente beispielhaft an der “LGA/SKA” Methodik festmachen. An der FTA erlernen wir diese Methoden, um die griechischen und hebräischen Texte der Bibel wissenschaftlich zu analysieren.
Ich beschränke mich hier bewusst auf diesen klitzekleinen(!) Teil theologischer Arbeit, weil der Post sonst noch länger werden würde und er ist jetzt schon fast zu lang. Theologische Arbeit besteht aber aus viel viel mehr Schritten und Methoden!
Mit der LGA(Lexikalisch-Grammatische Analyse) soll das grammatische und lexikalische Verhältnis der einzelnen Sätze und Satzteile zueinander untersucht werden. Das kann dann z.B. so aussehen (für eine größere Darstellung auf das Bild klicken):
Der griechische Text wird also zuersteinmal möglichst wörtlich übersetzt, das ist die “Arbeits-” oder “Rohübersetzung”, manchmal auch “Elberfelder Bibel” genannt :-P, danach werden die einzelnen Sätze in Haupt- und Nebensätze eingeteilt und durch das Einrücken miteinander in Relation gesetzt. Im nächsten Schritt werden die sog. “Textkonnektoren” gekennzeichnet und am Rand bestimmt, die einzelnen Satzglieder werden bestimmt und die Nebensatzfunktionen auch, dargestellt durch die Klammern. Das war schon das Wichtigste.
Auf die LGA folgt die SKA(Semantisch-Kommunikative Analyse).
So wie die LGA die grammatischen Relationen untersucht, untersucht die SKA die inhaltichen Relationen der einzelnen Sätze zueinandern. Der Hauptsatz: “Ich gehe nach Hause” steht zum Nebensatz “weil es Regnet” in der Relation FOLGE-Grund zueinander. Der Grund für das Nachhause-Gehen ist der Regen. An diesem Beispiel wird auch deutlich, wie eng SKA und LGA miteinander verbunden sind, denn der Textkonnektor “weil” ist ein starker Hinweis für eine Relation “Grund-Folge”.
Das ist ganz kurz zusammengefasst das, was wir hier in Griechisch III und Hebräisch III lernen. Wozu jetzt diese ganze Schose?
Um das zu klären, muss man ersteinmal darüber nachdenken, was “wissenschaftlich” eigentlich heißen soll. Was heißt es “wissenschaftlich” zu sein? Da hilft ein Blick in die Wikipedia weiter (was an sich schon wieder unwissenschaftlich ist, aber praktisch ;-)):
Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Vorgehen, bei dem die Ergebnisse der Arbeit für jeden anderen objektiv nachvollziehbar oder wiederholbar sind. Das bedeutet, Informationsquellen werden offengelegt, Experimente so beschrieben, dass sie reproduziert werden können. Wer eine wissenschaftliche Arbeit liest, kann stets erkennen, aufgrund welcher Fakten und Beweise der Autor zu seinen Schlussfolgerungen gekommen ist und auf welche anderen Wissenschaftler er sich beruft.
Zusammengefasst kann man sagen, dass es bei wissenschaftlicher Arbeit im Kern auf “Transparenz” und “Nachvollziehbarkeit” geht: Transparenz, weil für jeden anderen Ersichtlich sein soll, wie ich gearbeitet habe. Deshalb erkläre ich am Anfang einer wissenschaftlichen Ausarbeitung in der Regel die Methoden, die ich verwenden werde. Und deshalb sind wissenschaftliche Arbeiten auch so vollgepackt mit Fussnoten. Dabei geht es nicht um Protzerei, sondern eben um Transparenz. Ich spiele mit offenen Karten und zeige, wo ich meine Ideen und Inspirationen her habe.
Die Nachvollziehbarkeit ist natürlich sehr eng mit der Transparenz verbunden. Transparenz ermöglicht Nachvollziehbarkeit. Wenn ich weiß, wie der andere arbeitet, bin ich in der Lage, seine Gedanken nachzudenken. Das Kriterium der Nachvollziehbarkeit ist elementar, eben auch für wissenschaftliche Theologie, denn es hindert mich daran, mein Gedankengebäude in die Luft zu bauen. Wissenschaftliches Arbeiten ist wie eine Schnitzeljagd: Ich habe einen Ausgangspunkt, und ich habe ein Ziel. Und meine Aufgabe ist es, eine andere Gruppe so zu führen, dass sie meinen Hinweisen folgend ans Ziel gelangt. Dabei kann ich einen Hinweis nicht einfach mal 2 Km weit entfernt setzen, wenn es an dieser Stelle viele Alternativwege gibt. Meine Hinweise müssen so kompakt sein, dass kein Irrtum möglich ist.
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Oktober 5th, 2008 at 23:11
Mit welchem Programm machst du solche schicken Bildchen?
Oktober 5th, 2008 at 23:59
Das erste Bild ist ein Export aus OpenOffice. Entweder direkt als jpg, oder als PDF und dann daraus eine JPG.
Das zweite ist ein Online-SKA-Generator, der automatisch Bilder generiert.