Viele Menschen haben ein großes Problem mit Europa, oder korrekter: mit der EU. Ich kann keine Zahlen oder Schätzungen nennen, aber ich denke mal, dass ein großer Teil der Deutschen kaum eine Ahnung davon hat, was es mit der EU auf sich hat, wie sie funktioniert, welche Ziele sie hat und wie sie sich entwickelt hat. Daher entsteht auch ein großes Desinteresse.
Vieles, was man über die EU erfährt, kommt aus den Medien und ist leider oftmals sehr einseitig. Man kriegt Schlaglichter aus Brüssel mit, ohne einen größeren Zusammenhang zu sehen, und natürlich bringen die Skandale die Quote. Hier besteht also ein großes Informations-Defizit. Und das hat wiederum zur Folge, dass ein weiterer großer Teil der Bevölkerung, wenn er was von der EU mitbekommt, eher das Negative in ihr sieht.
Heute ist der 25. März. Vor genau 50 Jahren wurden die “Römischen Verträge” geschlossen, die die “Europäische Wirtschaftsgemeinschaft” begründeten und damit auch im Kern die spätere “Europäische Gemeinschaft” aus der die “Europäische Union” geworden ist. Das zeigt schon, dass die EU keine einfache Geschichte ist.
Ich würde mich niemals als EU-Profi bezeichnen. Aber die Beschäftigung mit der EU ist ein Hobby von mir. Ich weiß gar nicht mehr, wann das angefangen hat. Es muss irgendwann Ende der 90er gewesen sein, also eigentlich recht früh. Aber seitdem hat die EU mich nicht mehr losgelassen und ich bin ein Fan und Apologet dieses europäischen Traumes geworden. Und gerade in christlich-evangelikalen Kreisen hat das nicht immer nur Freunde beschert
Heute an diesem Jubiläum möchte ich mein Bekenntnis zu Europa abgeben, und ich bekenne mich dazu, indem ich versuche zu erklären, was mich an der EU so fasziniert und wieso ich sie für gut und notwendig halte. Das bedeutet wiederum nicht, dass ich jede Entwicklung innerhalb der EU für gut heiße. Aber ich sage immer: Aufgrund bestimmter Fehlentwicklungen darf man nicht automatisch die ganze Idee dahinter mit verwerfen, ohne die Idee an sich zu prüfen. Denn sonst müsste man die christliche Kirche aufgrund der Fehlentwicklungen in den Kreuzzügen dicht machen. Das ist eigentlich eine simple Regel, die sofort einleuchten müsste, die leider aber oft missachtet wird, weil man auf diesem Wege fast alles, was man selber ablehnt, irgendwie in Verruf bringen kann. Das ist aber nicht angemessen.
Hier sollten also auch die Kritiker die Größe haben, anzuerkennen, dass es ersteinmal einen prinzipiellen Unterschied gibt zwischen der “Institution” EU und der “Idee” EU. Ich werde hier hauptsächlich über die “Idee” EU schreiben. Wer dann mit dem Krümmungsgrad der Gurken kommt um zu zeigen, wie lächerlich die EU ist, dem werde ich zuersteinmal zeigen, was es mit diesen Gurken wirklich auf sich hat (und auch hier ist die Presse einseitig) und dem werde ich zweitens sage: Ja, vieles, was die “Institution” EU macht mag Schrott und verbesserungswürdig sein. Doch das ist übrigens auch bei der Regierung der Bundesrepublik Deutschland der Fall. Aber das bringt nicht zwangsläufig die Idee automatisch in Misskredit.
Wenn ich erklären will, welchen Sinn und Zweck die EU hat, dann verweise ich zuallerst auf historische Parallelen. Natürlich gibt es keine 100%-ige Parallele. Die Vergleiche können sich immer nur auf einzelne Aspekte beziehen, deshalb helfen auch Beschwerden wie: “Das war ja alles ganz anders, nicht zu vergleichen mit Heute” nicht wirklich viel, wenn sie sich nicht pointiert auf die angesprochenen Aspekte des Vergleichs beziehen.
Fortsetzung folgt …
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