Wenn man die Frage nach den Männern klären will, dann geht das nicht, ohne auch die Frage nach den Frauen zu klären. Und so will ich Farbe bekennen, aber nur in aller Kürze. Das “Kürze” soll betont sein (und bezieht sich nur auf den nächsten Absatz, wie ich gerade merke ;-)). Lies aus den folgenden Zeilen nicht mehr heraus, als da steht. Wenn du mich nur vom Blog her kennst, dann hast du keine Ahnung, wie ich über Frauen denke und wie ich zu Frauen stehe. Meine also nicht, du könntest über mein Frauenbild nur anhand der wenigen Sätze hier urteilen. Du würdest dich wundern.
Ich selber bin der Meinung, dass ich an bestimmten Aussagen der Bibel nicht vorbeikomme und diese nicht einfach wegwischen kann, nur weil sie meinem heutigen Weltbild nicht entsprechen. Dazu gehört natürlich vor allem die Timotheus-Stelle und auch 1Kor 14 (siehe diese PDF für meine ausführlichere Auslegung von 1Kor 14). Beide Stellen gehen für mich in die gleiche Richtung: Die höchste geistliche Verantwortung vor Gott in einer Gemeinde übernehmen die Männer. Für die normale westliche Gemeinde übersetzt kann man sagen: In meinen Augen ist das Ältestenamt für Frauen nicht zugänglich, denn das Ältestenamt repräsentiert die höchste geistliche Verantwortung in der Gemeinde. Was das Predigen angeht bin ich noch etwas zögerlich. Ich sehe da schon meine Probleme, kann aber die Einwände vieler nachvollziehen, wenn sie fragen, was denn nun mit Frauen in der Jugendarbeit sei, oder was mit Gottesdiensten nach Schema “alt.Worship” sei, wo es eben keine klassische Predigt gibt. Hier habe ich keine wirklich 100% Lösung für mich selbst gefunden. In Bezug auf Mann und Frau ist das das Einzige, was ich als Einschränkung für den Dienst der Frau in der Gemeinde in der Bibel finden würde.
Ich weiß, dass das heutzutage keine populäre Meinung mehr ist. Und ich finde es manchmal echt interessant, wie schief man gerade von denen angeschaut wird, die sich über die Starrköpfigkeit mancher konservativer Christen mockieren. Man muss den anderen immer an Offenheit überbieten. Wer nicht offen genug ist, hat schon verloren. Und so überbietet jede Generation die andere an Offenheit, und wehe jemand bleibt stehen.
Das ist das, was ich theologisch für angemessen halte, und das, obwohl ich selber häufig heftig mit dieser Meinung ringe und Gott manchmal frage: wieso? Und dann denk ich mir wieder: wenn die Bibel aufhört uns zu kratzen, dann haben wir sie, mal ganz krass formuliert, mit zuviel Weichspüler gewaschen. Und das beziehe ich zuallerst auf mich selber. Für die schwierigen Fragen in der Bibel gibt es selten simple Antworten. Und wenn ich für ein Thema, über das seit Jahrhunderten diskutiert wird, plötzlich eine ganz einfach Lösung in der Bibel finde, dann werde ich skeptisch mir selbst gegenüber. Und hier kratzt die Bibel mich, aber ich lasse sie kratzen.
Da ich meinen Beitrag eh schon in mehrere kleine Blöcke aufgeteilt habe, kann ich hier noch etwas zu sagen. Das schöne an einem Blog ist ja, dass ich mein eigener Chefredakteur bin ![]()
Mir sind in der ganzen Mann-Frau-Diskussion, die jetzt einige Weblogs erfasst hat, zwei Gedanken gekommen, die ich an diesem Punkt einbringen will. Mir brennt es eigentlich unter den Nägeln mehr dazu zu schreiben, weil mich manches ein wenig aufregt, aber ich will nicht vom eigentlichen Thema dieser Mini-Reihe ablenken und deshalb versuche ich es kompakt zu halten:
1. Bei dieser Diskussion kann man es sich auf beiden Seiten sehr leicht machen: Einmal, indem man die Möglichkeiten für den Dienst der Frau in der Gemeinde stark einschränkt, weil man sich nicht genug Mühe mit einer sorgfältigen Exegese der betreffenden Stellen macht. Auf der anderen Seite, indem man sich einfach auf “vor Gott sind wir alle gleich” beruft, wiederum ohne sich die Mühe einer gründlichen Exegese der betreffenden Stellen zu machen. Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem damit, wenn du anderer Meinung bist, nachdem du dich wirklich gründlich mit dem Thema beschäftigt und dich selbst und deine Meinung stark hinterfragt hast. Ich habe nur ein Problem damit, wenn du das nicht getan hast, magst du der einen oder der anderen Meinung sein. (An dieser Stelle kann ich auf meine Beiträge zu “wissenschaftlicher Theologie” verweisen, weil das genau einer der Punkte ist, an denen sie greift und hilft, die Diskussion zu vertiefen, ohne dass sie ihn flache Klopperei ausartet, wo man sich nur unreflektierte Meinungen und entkontextualisierte Bibelstellen an de Kopf schmeißt). Ich will damit niemandem zu Nahe treten, aber ich will herausfordern, mich selbst und auch dich.
2. Helfen solche Kommentare nicht wirklich weiter (Peter, ich kenn dich nicht und ich will dir bestimmt nicht auf die Füße treten). Was soll man darauf noch antworten? Wenn ich das richtig sehe, dann bist du, Peter, interessiert an Emerging Church. In der englischen Wikipedia steht dazu u.a.: “The movement’s participants claim they are creating a safe environment for those with opinions ordinarily rejected within historic orthodoxy.” Das ist etwas, was mir in der EC-Bewegung immer wieder so oder so ähnlich begegnet. In der EC wird der Dialog betont, die Offenheit und Bereitschaft, radikal neu denken zu dürfen. Gilt diese “Freiheit” aber nur für diejenigen, die das bisherige hinterfragen, oder auch für diejenigen, die das bisherige verteidigen? Das ist ganz ernst gefragt, denn manchmal habe ich den Eindruck, die Freiheiten, die man für sich selbst fordert, ist man nicht bereit, auch den anderen zuzustehen. Die Revoluzzer von Gestern sind die Besitzstandswahrer von Heute … ?
Wir diskutieren hier ja nicht darüber, ob man Frauen auch als Menschen bezeichnen kann. Darüber braucht man nicht zu diskutieren, da würde ich natürlich mit übereinstimmen. Hier geht es um die Frage, was Gottes Bild von Gemeinde und von Mann und Frau _in_ der Gemeinde ist. Und selbst wenn Haso in seinem Beitrag Recht haben mag, dass es hier nicht unbedingt um die Frage von Sünde oder nicht Sünde geht (und ich kann mich damit gut anfreunden, mit vielem anderen in deinem Beitrag nicht, aber das ist ein anderes Thema), geht es doch um die Frage, was die beste Lösung für die Gemeinde ist. Wir Christen geben uns eh schon zu oft mit dem Zweit- oder Drittbesten zufrieden. Das eine mag vielleicht also nur “unweise” sein, aber das sollte nicht eine Ausrede sein, diese Ideale Gottes weniger zu beachten als die anderen, die man als “Sünde” bezeichnen würde. Auch unweises Verhalten hat Konsequenzen, selbst wenn sie nicht immer sofort sichtbar sind. Und manchmal kann unweises Verhalten sogar auch “Segen” hervorbringen, obwohl es nicht Gottes Ideal entspricht. Dadurch wird dieses Verhalten aber nicht richtiger. Das Beste Beispiel für mich ist seit einiger Zeit Mose, der von Gott gesagt bekommt, er soll zum Felsen sprechen, damit dieser Wasser gäbe. Mose haut aber zweimal an den Felsen. Es kommt tatsächlich Wasser aus dem Felsen, eine falsche Tat wird also dennoch “gesegnet”, aber sie hat dennoch Konsequenzen. Mose darf nicht ins verheißene Land (4Mose 20,8ff). Wenn eine Arbeit “Früche” trägt _kann_ das ein Zeichen dafür sein, dass man in Gottes Willen handelt, aber es ist nicht _automatisch_ und _definitiv_ ein Zeichen dafür, dass diese Arbeit Gottes Willen entspricht.
Gerade habe ich geschrieben: Die höchste geistliche Verantwortung vor Gott in einer Gemeinde übernehmen die Männer. Und das ist nicht unbedingt ein Grund für uns Männer, um überheblich zu werden. Wer meint, die Bibel sei ein Buch, das Frauen benachteiligen würde und Paulus würde männliche Macho-Kultur fördern, der hat keine Ahnung. Die biblischen Personen handeln in einer Zeit, in der Frauen benachteiligt wurden. Aber die Bibel selber zeichnet ein differenziertes Bild vom Verhältnis von Mann und Frau und nicht immer zugunsten der Männer.
Und da ich eh schon wieder überzogen habe, gibt es demnächst mehr zu dem Thema.
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März 21st, 2007 at 20:15
“Wenn du mich nur vom Blog her kennst, dann hast du keine Ahnung, wie ich über Frauen denke und wie ich zu Frauen stehe. Meine also nicht, du könntest über mein Frauenbild nur anhand der wenigen Sätze hier urteilen. Du würdest dich wundern.” Wenn ich nicht nach deinem blog urteilen soll, nach was dann? Das finde ich echt schwierig, du schreibst öffentlich, also musst du damit rechnen, dass du dadurch auch ein Bild nach außen vermittelst und deine “Urteile” über Andersdenkende sind ja nicht gerade milde ausgefallen (”…der hat keine Ahnung”). Zur wissenschaftlichen Arbeit nur ein Satz: Eine semantische Analyse ist vielleicht ein Teilbereich einer wissenschaftlichen Arbeit, aber sie beginnt doch viel früher und geht meiner Meinung viel weiter, ein wesentlicher Punkt dabei ist die subjektive Selbstreflexion des Forschers als Teil der eigenen Forschung. Wissenschaftliche Forschung ist immer auch subjektiv, der Weg mag für andere objektiv nachvollziehbar sein, aber die Forschung selbst ist es nicht. Das Ende eines jeden Dialogs ist das Argument, wenn du nur “wissenschaftlich mit der Bibel arbeitest, dann kommst du auf dasselbe Ergebnis wie ich”. Das höre ich von Liberalen und Konservativen gleichermaßen und es entlarvt mehr Unsicherheit als Sachverstand. Anyway, manchmal denke ich, dass wir uns alle nicht so ernst nehmen sollten, dann könnten wir voneinander noch viel lernen. Ich finde deinen blog gut und er fordert mich immer wieder heraus. Danke dafür.
März 21st, 2007 at 20:46
Hm, na gut, das “der hat keine ahnung” am Schluss war vielleicht etwas zu krass formuliert, fällt mir gerade auf.
Und natürlich weiß ich, dass ich alleine dadurch, dass ich schreibe, ein Bild nach außen vermittle. Mein Punkt ist halt nur, dass ich ja eigentlich nicht über das Thema “Frauen in der gemeinde” schreiben will, sondern über die Männer. Die Frauen streife ich nur am rand, und da kann ich nicht wirklich detailiert meine Meinung dazu schreiben, wenn ich nicht alleine dafür eine ganze Reihe an Posts schreiben will, wie Danny es gerade tut. Da muss ich Kompromisse machen. Aber darauf weise ich dann halt hin, und dann auch mal etwas spitzer formuliert, und betone, dass das nur ein komprimierter Ausschnitt meiner Gedankenwelt ist, der u.U. ein nicht korrektes Bild vermitteln könnte, damit missverständnisse vermieden werden können. Wer zu diesem Punkt mehr wissen will, darf mich ja jederzeit herzlich gerne privat anschreiben. Das ist ja das Tolle am Internet, dass Kommunikation auf vielen Ebenen möglich ist.
Ich weiß nicht, ob du beide Teile des Beitrags über wissenschaftliche Theologie gelesen hast, aber da betone ich das, was du hier geschrieben hast, ja auch. Vielleicht war das mal wieder nicht deutlich genug betont gewesen. Das kann sein…
Ich hoffe, ich habe nicht den Eindruck erweckt, ich hätte die definitive Lösung und wenn alle nur genug nachdenken würden, würde alle zu meiner Lösung kommen. Dagegen genau wehre ich mich ja im zweiten Punkt dieses Beitrags hier ja, dass man zu schnell ein Ende des Dialogs herbeiführt. Das werde ich im nächsten Teil vielleicht nochmal klar machen müssen. Ich habe ja geschrieben, dass ich kein Problem habe, wenn jemand anderer Meinung ist. Was ich hinterfrage ist, wie der andere zu diesem “anderer Meinung sein” gekommen ist, welchen Weg er gegangen ist. Und ganz ehrlich, auch wenn das wieder krasser klingt, aber so bin ich manchmal und da stehe ich zu: Ich habe einfach ein Problem mit seichtem herumtheologisieren. Davon gibt es leider genug.
Und damit das nicht wieder falsch verstanden wird, man muss sich ja nach alle Seiten absichern: Ich will keinem der verlinkten Blogs vorwerfen, dass er seicht theologisiert. Ich will nur kitzeln, damit wir über uns selber nachdenken. Und im wir stecke auch ich natürlich mit drin
So, das war jetzt fast schon ein eigener Post. Ist halt ein komplexes Thema. Aber ich finde das ok so.
Danke für deinen Kommentar Toby und weitere Kommentare sind natürlich willkommen!
März 21st, 2007 at 21:53
Als Nicht-Theologe will ich nur kurz anmerken: Wenn alle, die du in deinem Post angesprochen hast, hier mitdiskutieren werden, dann wird es IMHO keinesfalls seicht sondern ziemlich hochkarätig werden… Ha, all my favourite bloggers - wonderful!… Hups, Storch fehlt noch… Und oh, ich vergaß: fono, bitte mitmachen!…
Sorry, ein Anfall freudiger Erwartung
März 21st, 2007 at 22:34
Ehrlich gesagt bin ich zu faul den ganzen Post zu lesen bei so ner Länge … aber der Anfangspart - also die Sache zu 1kor14 drückt ziemlich gut aus wie es auch mir damit geht … hätte ich nicht besser ausdrücken können …
März 22nd, 2007 at 20:46
aber nun komm doch endlich mal zum thema!
die frauenfrage kennen wir schon. aber dürfen männer nun predigen oder nicht?
Gruß Thomas
PS: Alles Gute zum 24. !
März 22nd, 2007 at 20:48
Jaja, keine Sorge. Ich fange ersteinmal mit den einfachen Themen an, bevor ich zum wirklich schwierigien kommen, wie eben z.B. der Frage, ob Männer predigen dürfen. Das braucht seine Zeit und Vorbereitunt
PS: danke
März 22nd, 2007 at 21:15
@ thomas und karl:
was muss man denn bitteschön bei der männerfrage überlegen und bedenken. man frage einfach mich, eine selbstbewusste, modern denkende, emanzipierte und damit in allem recht habende frau. ich nehme es mir einfach heraus zu bestimmen, dass ich nur von männern ‘das wort’ ausgelegt bekommen möchte.
bin ich jetzt zu neumodisch?
März 22nd, 2007 at 21:17
März 23rd, 2007 at 10:00
aber ich:
Ja
März 24th, 2007 at 12:18
Ich freue mich immer wieder über Deinen Mut und Ehrlichkeit.
Das Thema wird ständig angesprochen woran mag das nur liegen? Vielleicht weil es keine befriedigende Antwort gibt.
Bisher teile ich Deine Sicht.
Gruß
Peter