
Heute noch ein kurzes Buch-Review. Anfang Dezember habe ich in einem Buchkatalog eine Kommentarreihe von N.T. Wright entdeckt, die ich sehr interessant fand: “New Testament Guides for everyone”. Vielleicht kennt der eine oder andere von euch sie schon, mir aber war sie bisher nicht bekannt. Und so habe ich mir einen Band aus der Reihe bestellt, nämlich Paul for everyone: Galatians and Thessalionans, um da mal ein wenig reinzuschauen.
Wright kommentiert auf ca. 160 Seiten den Galaterbrief und die beiden Thessalonicherbriefe. Das alleine zeigt schon, dass er mit dieser Kommentarreihe kein neues wissenschaftliches Standardwerk vorlegen will. Der “Evangelisch-Katholische Kommentar” benötigt manchmal alleine für einen Vers 160 Seiten … na gut, vielleicht nicht ganz so viel. Aber die unterschiedlichen Ansprüche werden einem sofort deutlich.
Wright will eine Kommentarreihe vorlegen, die auch theologischen Laien verständlich sein soll. Das bedeutet kein Griechisch, keine komplizierten Fremdworte (und sollten die doch mal vorkommen, so werden sie in einem Glossar kurz erklärt), keine Wortstudien etc. Was Wright hier präsentiert ist das Ergebnis der Exegese, quasi der letzte Schritt im exegetischen Prozess, die Spitze des Eisberges. Das diese Spitze einen massiven Eisberg unter sich hat, und nicht nur heiße Luft, wird aber schnell deutlich, wenn man sich etwas besser mit der Materie auskennt und wenn man NT Wright kennt.
Er schafft es wirklich, auch komplizierte Materie anschaulich und kompakt zu erklären, ohne sich in Details zu verlieren. Ich war echt beeindruckt. Fast jede neue Perikope wird mit einer kurzen Geschichte eingeleitet, die das im Text angesprochene Thema auf humorvolle oder ernste Art und Weise aufgreift und in unsere Gegenwart transportiert.
Den Bibeltext hat Wright für diese Kommentare selbst übersetzt und auch die Übersetzung macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck.
Theologisch gehe ich mit Wright nicht immer D’Accord, das wird vor allem in den Thessalonicherbriefen sehr deutlich, wo er eine dezidiert andere Eschatologie präsentiert, als ich sie vertreten würde. Aber selbst hier kann ich nicht anders, als einzugestehen, dass er das sehr gut aufarbeitet und in der Tat sogar fast plausibel klingt
Fazit: Wer auf der Suche nach einem Kommentar für einen guten Freund ist, der nicht so viel Ahnung von Theologie hat, aber gerne mal ein wenig mehr Einblick in die Bibel erhalten möchte; oder wer schnell verständliche und leicht verdauliche Kommentare für den eigenen Gebrauch sucht, der findet hier sicherlich solide Lektüre.
Für die wissenschaftliche Arbeit eignen sich die Kommentare natürlich weniger, denn dafür sind sie ja nicht konzipiert.
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Januar 23rd, 2007 at 23:42
Hatte die Kommentarreihe in den Staaten auch schon mal in der Hand. Das mit der Eisbergspitzen-Exegese war auch mein Eindruck: Nicht wissenschaftlich, aber bspw. für Hauskreisgebrauch durchaus interessant.
Da ich Wright ein bisschen kenne, würde mich jetzt natürlich noch interessieren, wo du Differenzen zu seiner Eschatologie hast (nur eisbergmäßig natürlich ;)).
Januar 23rd, 2007 at 23:51
Ganz knapp gesagt: Er ist Amillenialist, ich bin gemäßigter und progressiver Dispensationalist … na gut, das war jetzt nicht wirklich Eisberg, eher Destilat mit 90% konzentrierter Theologie, aber ich hoffe, die Begriffe sagen dir was
Januar 24th, 2007 at 22:52
Seit zwei Minuten weiß ich grob Bescheid, wikipedia macht’s möglich…