Ich muss mal wieder an mich halten, um nicht ganz aus der Haut zu fahren, aber was der polnische Ministerpräsident, Jarosław Kaczynski, da mal wieder von sich gibt entbehrt mal wieder jeglicher Grundlage, zumindest in der Realität, an der ich Teilhabe.
Auf eine Frage des Journalisten nach den sich in letzter Zeit verschlechternden deutsch-polnischen Beziehungen antwortete der Ministerpräsident mit einer Reihe von Fragen: “Ist es Polen, dass nicht das Eigentumsrecht auf einem Drittel des deutschen Staatsgebietes akzeptieren will? Will Polen die Geschichte umschreiben, um einen Teil der Verantwortung von den Tätern auf die Opfer abzuwälzen?”
Meine Antwort: Nein, und es ist auch nicht _Deutschland_ was ein drittel des polnischen Staatsgebietes haben will oder die Schuld von den Tätern auf die Opfer abwälzen will. Vielmehr ist es eine Gruppe von Ewiggestrigen, die vielleicht solche Ziele verfolgt. Aber nicht alles, was einige Bürger wollen, ist gleich dem ganzen Land zuzuschreiben. Irgendwie fällt es manchen Polen schwer, hier eine Unterscheidung zwischen Staats- und Privatinteressen zu machen.
Noch so eine tolle rhetorische Frage:
“Ist es denn die deutsche Minderheit in Polen, die derart strengen Beschränkungen unterworfen ist, dass Eltern mit ihren Kindern nicht in ihrer Sprache sprechen dürfen?”
Meine Güte, ich durfte mit meinen Eltern nicht polnisch sprechen, oder meine Eltern durften mit mir nicht polnisch sprechen? Mist, wenn uns das irgendwer früher gesagt hätte, dann hätten wir das zu Hause sicherlich unterlassen. Schade, dass uns keiner darüber informiert hat. Gilt das nur für die Polen, oder auch für andere Ausländer? Vielleicht sollte die mal jemand informieren. Viele scheinen darüber noch nicht Bescheid zu wissen, dass es in Deutschland verboten ist, in einer anderen als der deutschen Sprache zu sprechen …
Fotyga hatte am Freitag in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” eine bessere Behandlung der in Deutschland lebenden Polen gefordert und die “Assimilierungspolitik der deutschen Behörden” kritisiert. Nirgendwo sei die Lage “so schwierig wie in Deutschland”, sagte die Ministerin. Sie forderte mehr polnischen Unterricht an deutschen Schulen und eine bessere Behandlung von Kindern aus deutsch-polnischen Mischehen.
Aha, interessant. Ich wurde also “assimiliert”. Davon habe ich nix gemerkt. Na gut, vielleicht auch, weil ich nur zu gerne bereit war, mich den Deutschen Verhältnissen anzupassen. Ich nenne so etwas eher “Integration”. In Polen hat man da nicht so viele Erfahrungen mit, es gibt ja auch kaum Ausländer dort. Wenn einem also die Praxis fehlt, dann kann man solche Dinge schon mal durcheinanderbringen.
Aber Moment, war es nicht Polen, das die deutsche Minderheit über vierzig nicht also anerkannt hat und den Gebrauch der deutschen Sprache in den ehemals deutschen Gebieten und überhaupt in Polen verboten hatte? Ach so, ja stimmt, dass ist ja Vergangenheit, und die müsse man ja nicht dauernd hervorholen, die müsse man ja auch ruhen lassen können …
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