Als guter Freikirchlicher hatte ich lange Zeit ein wenig Schwierigkeiten mit liturgischen Elementen im Gottesdienst. Ich hatte schon Schwierigkeiten mit einem gemeinsamen Vater-Unser. Aber in der letzten Zeit sehe ich auch das Positive in Liturgie, zumindest in Ansätzen. Und da wollte ich in meinem Hauskreis auch mal was in die Richtung machen. So habe ich einen “halb-liturgischen Gebetsabend” durchgeführt. Die Idee dazu kam mir recht spontan und das Grundkonzept auch.
Mein Ziel war es, das Gebet nicht einfach so plätschern zu lassen, weil es sich sonst im nirgendwo verliert, sondern es thematisch zu konzentrieren. Dafür hatte ich vier Blöcke überlegt:
1. Warum?
2. Bitte
3. Bekenntnis
4. Anbetung
Jeder der vier Blöcke war gleich aufgebaut:
1. Einführender Bibeltext
2. Stilles Gebet, bei dem ich Karten ausgeteilt hatte, auf die die Leute dann ihre ganz privaten Anliegen aufgeschrieben haben und dann dafür gebetet haben
3. Noch eine passende Bibelstelle
4. In der Mitte des Raums standen drei Kerzen, mit drei Aufschriften:

Bei dem Thema “Warum?” wurden die Karten unter die Kerze “Trost” gelegt, bei “Bitte” unter die Kerze “Geschenk”, bei “Bekenntnis” unter “Vergebung”. Nur bei Anbetung gab es keine Kerze, weil da der Dank für Gottes Handeln in den drei bisherigen Bereichen im Mittelpunkt stand. Nachdem die Karten unter die richtige Kerze gelegt waren, zündete ich diese Kerze an, um symbolisch zu zeigen, dass Gott sich dieser Sachen annehmen will, weil er uns das zugesagt hat.
5. offenes Gebet
6. Abschließende Bibelstelle
Hier ist die PDF, wo auch die jeweils verwendeten Bibelstellen aufgeführt werden.
Ich denke, das war ein guter Abend. Man muss ein wenig aufpassen, dass man nicht zu schnell oder langsam ist, also während der Gebetszeiten, wann man da weitermacht, da braucht man ein gutes Gespür. Aber wenn man ein wenig aufmerksam ist, dann wird das gut klappen. Die Reaktionen aus dem Hauskreis waren zumindest sehr positiv und ermutigend.
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Mai 17th, 2007 at 11:09
Ah ja, als die Liturgie in der RKK eingeführt wurde war das ja kein Unfall, kein Zufall. Die Grundidee hinter der Liturgie ist ja durchaus gut und überlegenswert. Es hilft den Menschen gedanklich mitzukommen und auch gewisse Einzelpunkte einfach nochmal hervorzuheben (Lernen durch Wiederholung) wie z.B. die Liturgie in vielen FeGs zum Abendmahl (Das Brot, das wir brechen … / Der Segenskelch, den wir segnen … )
Und auch so symbolische Elemente / Handlungen wie in deinem Fall die Kerzen sind für uns Menschen gut um gewisse Aspekte einfach bewusster zu erleben. Bewusster weil es nicht nur in unserem Verstand passiert, sondern weil wir wirklich was tun und/oder sehen.
Liturgie und Symbole können helfen und benutzen wir vielleicht (als Trotzreaktion?) viel zu selten in unseren Freikirchen. Nur muss man halt immer die große Gefahr dabei sehen:
Es darf sich nicht verselbstständigen.
Eine Tradition / Liturgie darf nich weitergemacht werden, weil es sich halt so gehört / weil es schon immer so war. Es muss immer deutlich sein, weshalb wir das jetzt machen: Zur verdeutlichung dieser oder jener Grundwahrheit.
Mai 17th, 2007 at 20:18
Find ich echt gut! wir verwenden häufig das, was du hier unter Liturgie beschrieben hast. So ungewöhnlich find ich das nicht, aber Freikirche ist eben nicht gleich Freikirche
aber es stimmt schon, was kelko geschrieben hat: es darf nicht selbstverständlichen oder gewöhnlich werden. Das lässt sich in der Praxis nicht immer so leicht vermeiden. Vorallem weil es einem alles “Gemeindeinsasse” meist nicht so auffällt. Da hilft der Blick in andere Gemeinden, um wieder mehr Außenperspektive zu bekommen.
Mai 17th, 2007 at 22:54
Als alter Landeskirchler finde ich Liturgie toll und erfahrungsgemäß sehr tragfähig und kann Deine Übungen nur begrüßen!
Ich finde es nicht schlimm, wenn die Liturgie sich verselbständigt. Vielleicht entfaltet sie gerade dann ihre Wirkung. Auch Menschen, die sie zunächst nur “konsumieren”, können vielleicht später etwas damit anfangen. Es ist wie Auswendig Gelerntes. Das versteht man manchmal auch nicht sofort, aber dafür trägt man es immer mit sich herum und hat es dann parat, wenn man es mal braucht.
Mit dem Aufstehen und Hinsetzen, dem lauten Sprechen erhalten die Worte außerdem sicht- und fühlbare Äquivalente. Ich glaube, dass ist auch wichtig, um etwas zu verinnerlichen.
Wir haben uns viel zu sehr daran gewöhnt, lautlos zu lesen. Das Ausprechen und Vorlesen und Nachsprechen ist aber auch sehr wichtig.