Ich war gestern mit ein paar Kumpeln aus dem Jahrgang in “Mein Führer”. Was man so in der Presse darüber gelesen hat war ja recht unterschiedlich und in den meisten Kritiken wurde der Film ziemlich verrissen.
Nun, was war mein Eindruck?
Wer einen Standard “Helge-Schneider-Anarcho-Klamauk” Film erwartet, der ist hier eindeutig Falsch. Das ist kein Helge Schneider Film, sondern ein Film mit Helge Schneider, und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Das ist auch kein “Mel-Brooks” oder “Monty Python” Film, mit einem Gag auf den schon der Nächste folgt, ohne Schmerzgrenze.
Der Film hat einen durchgehende Handlung, einen echten roten Faden, und er endet ohne Happy End. An diesen Faden werden dann viele mehr oder weniger gut gelungene Gags geknotet. Viele empfinden gerade diese Mischung als Misslungen; hätte er doch entweder einen ernsten Film gemacht, oder eine echte, reine Klamauk-Kömdie.
Aber ich empfand diese Mischung als gar nicht so störend. Die im Grunde recht dramatische Kern-Geschichte transportiert ihren eigenen Schrecken, der durch die absurde Komik zusätzlich potenziert wird. So ähnlich beschreibt es Telepolis in einem Artikel über verschiedene Hitler-Filme, dem ich im Nachhinein sogar Recht gebe:
Wenn man das reflektiert, dann kann es keine Komödie werden, und weil Dani Levy das begriffen hat, ist sein Film auch etwas anderes, mehr eine Groteske: “Mein Führer” ist also durchaus gelungen und gehört zum Intelligentesten, Subtilsten, was das deutsche Kino bisher zum Thema Hitler zustande gebracht hat. Ein Anti-”Untergang”, der sich nicht zuletzt über deutsche Hitler-Filme lustig macht. “Mein Führer” ist mehr grotesk als witzig, und sitzt nie dem hohlen Pathos des Faschismus auf, dem noch die verfallen, die Hitler dämonisieren. (Quelle: Telepolis)
Mein Fazit zu Mein Führer: Der Film ist gut, hat seine starken Seiten, ist aber nicht _der_ Reisser. Und das ist sicherlich kein Film für jeden. Wer also nicht sicher ist, ob er mit dieser Mischung zurecht kommt, der sollte sich das Geld fürs Kino sparen und sich den Film später auf DVD oder im Fernsehen anschauen.
Wer mir im Film aber wirklich imponiert hat ist Helge Schneider, für mich eh eine der unterbewertetsten Personen in Deutschland. Er spielt den Hitler wirklich großartig.
P.S.: Darf man über Hitler lachen? Muss man nicht sogar über ihn lachen? Keine Ahnung. Das ist ja das Paradoxe an dieser Person: Sie ist so pervertiert Grausam und Schrecklich und zugleich eine große Karikatur, ein Witz. Wenn man über ihn lacht, hat man das schlechte Gefühl, damit den Opfern nicht gerecht zu werden. Aber im Grunde ist dieser GröFaZ ein GröWaZ, der Größte Witz aller Zeiten. Oder wie es Telepolis schreibt: “Tatsache ist, und das scheint überhaupt nicht lustig: Hitler ist komisch.” Ich glaube, dass es noch einige Zeit dauern wird, wenn es jemals möglich sein wird, als Deutsche dieses Paradoxis in der Wahrnehmung Hitlers aufzulösen. Oder was meinst du?
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January 15th, 2007 at 21:12
Hallo Karl,
sowohl mit Helge Schneider als auch mit dieser Hitlerparodie kann ich mich nicht anfreunden. Ungesehen lehne ich den Film ab. Zu tragisch war Hitler. Trotzdem ein guter und ehrlicher Beitrag von Dir.
Gruß
Peter
January 17th, 2007 at 0:05
Leider habe ich den Film auch noch nicht gesehen, aber ich werde mir das Geld (was ich nicht habe) wahrscheinlich lieber sparen und dann auf DVD anschauen.
Grundsätzlich hätte ich mir den Film wahrscheinlich nicht angeschaut, wenn der Drehbuchautor nicht selbst Jude gewesen wäre. Ich finde, dieser Fakt macht den Film schon irgendwie interessant. Wie geht ein Jude, der selbst diese schlimme Zeit nicht persönlich erlebt hat - so wie ich - mit der History um. Das finde ich echt interessant und deswegen werde ich ihn mir, wie eben schon gesagt, bestimmt auf DVD anschauen!
January 17th, 2007 at 17:42
Den Film werde ich mir auch noch anschaun.
David