Entweder ist das massive selektive Wahrnehmung, höhere Gewalt oder einfach nur ein glücklicher Zufall: Als ich heute so über die Krise bei den US-Hypotheken und an den Börsen nachgedacht habe, da ist mir der Gedanke gekommen: Na Toll! Da haben wir endlich mal einen netten Aufschwung in Deutschland, der uns sogar reale schwarze Zahlen im Haushalt bescheren könnte und dann passiert das, was der über-ängstliche (beides Begriffe, die neben Weltschmerz u.a. als Lehnwörter sogar in den englischen Sprachgebrauch eingegangen sind…) deutsche Michel braucht: eine Krise! Jawohl, da ist sie, die Krise. War doch klar, dass der Aufschwung nicht lange anhalten kann. Wäre auch zu schön. Den letzten richtigen Aufschwung hatten wir in den 50ern, ach damals … aber heute! Niemals! Ich habs kommen sehen. Gut, dass ich noch meine Ersparnisse auf der Bank habe (oder unterm Kopfkissen). Man muss für harte Zeiten so gut vorsorgen wie möglich!
Ja, sehr schlau, du deutscher Michel: Entzieh der Wirtschaft das Geld, dass sie braucht, damit der Aufschwung stabil wird und länger anhält. Mit deiner Sicherheits-Panik verursachst du genau das, wovor du Angst hast und verhinderst das, was du dem Land nicht zutraust: einen langanhaltenden Aufschwung. Eines haben wir scheinbar noch nicht verstanden: Aufschwung kommt nicht durch Zauberei. Und will man nicht nicht immer nur auf die Weltwirtschaft angewiesen sein, dann muss der Konsum zum Aufschwung beitragen. Konsum ist aber gleichzusetzen mit Geld ausgeben. Die deutsche Sicherheits-Panik wird somit zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
Darüber habe ich nachgedacht, und dazu auch darüber nachgedacht, ob ich darüber schreiben soll. Aber ich dachte mir: Da wird dich jeder nur dumm anschauen: “Pah, bloggt da ein Theologe über Finanzen. Bleib bei deiner Kanzel.”
Und da blicke ich auf Zeit.de und was sehe ich da?
Geld muss fließen, damit die Wirtschaft funktioniert. Wer es bunkert, sollte dafür zahlen müssen, statt Zinsen zu kassieren – Auftakt einer Diskussionsreihe über Geld, Zins und Alternativen zur herrschenden Wirtschaftsordnung
Das steht als Untertitel des Artikels “Das verflixte Geld” und ich dachte mir: Jawohl! Habe ich in der Schule im Fach Sozialkunde doch richtig aufgepasst. Auch Theologen können eine Grundahnung von Wirtschaftskreisläufen haben!
Übrigens: Es besteht tatsächlich Hoffnung, dass die deutsche Bunker-Mentalität unseren Aufschwung nicht wegbunkert. Die Finanzkrise rüttelt nur Marginal am Aufschwung und die deutschen wollen scheinbar auch mehr Geld ausgeben. Na Hoffentlich!
Update: D’oh!
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