Ich sitze mittlerweile seit fünf Stunden am zweiten Schritt des sog. “Praktisch-Theologischen Dreischritts”, bestehend aus sehen, urteilen, handeln. Das Beobachten habe ich am Samstag schon irgendwie hinbekommen. Aber das Beurteilen des angegeben Fallbeispiels will irgendwie nicht gelingen. Ich habe noch kein Wort hingeschrieben.
Das Fallbeispiel ist aus dem (leider) zu oft typischen Gemeindealltag: Ältere Menschen beschweren sich über jüngere Menschen, weil diese zu laute, zu englische und zu einseitige Musik im Gottesdienst machen und nie was spenden. Jüngere Menschen beschweren sich, dass der Gottesdienst der Alten zu lahm und fade ist, man aus Scham keine Freunde einladen kann und sowieso wäre es besser, einen eigenen Jugendgottesdienst am Samstag zu bekommen, dann könne man Sonntags ausschlafen und die Alten hätten Sonntags ihre Ruhe.
Ich habe echt keine Idee, wie ich das anfangen soll. PT ist definitiv nicht mein Fachbereich. Hiermit oute ich mich als weltfremder, elfenbeintürmiger und theorieliebender kopflastiger Theologe. Wer braucht schon Praktische Theologie, wenn man in der Systematischen Theologie ohne den störenden Faktor Mensch herumdenken darf?
Update 1: So, nach stundenlanger herumquälerei habe ich jetzt den Abschnitt “Beurteilen” hinter mich gebracht. Jetzt kommen die Handlungsansweisungen dran. Jemandem zu sagen, was er zu tun hat, viel mir schon immer leicht. Vielleicht schaffe ich das heute ja wirklich noch zu Ende…
Update 2: In einem letzten Aufbäumen habe ich auch den Intervie-Plan fertig gestellt und diese -lästige- Aufgabe endlich hinter mich gebracht. Jetzt nur noch AT-Umwelt und ich habe alles für dieses Semester erledigt.
Popularity: 11% [?]


Februar 26th, 2007 at 16:29
“Wer braucht schon Praktische Theologie, wenn man in der Systematischen Theologie ohne den störenden Faktor Mensch herumdenken darf?”
Das kann man lustig weiterspinnen: Was würde der Kirchengeschichtler sagen? “Wer braucht schon die Gegenwart, wenn es eine so umfassende Vergangenheit gibt!”
Und schon bist du bei deinem PT-Thema: Der eine hat ohne den anderen ein Problem, da er ohne herausfordernde, korrigierende, komplementäre Ergänzung bleibt.
P.S. Praktische Theologie anhand eines Fallbeispiels ist auch höchstens die Theorie der praktischen Theologie
Februar 26th, 2007 at 16:33
Tja, das stimmt allerdings. Deshalb qäul ich mich auch brav durch dieses Fallbeispiel.
Übrigens ist PT schon in der Definition das theoretische Nachdenken über das praktische Handeln in der Kirche. Die Arbeit mit dem Fallbeispiel ist also ganz im Rahmen
Februar 26th, 2007 at 16:54
Das Fallbeispiel ist doch ganz einfach: Die Alten sind im Recht. Die Beschwerdeführer unter den Jüngeren sollten von den Ältesten (nicht den Älteren) ordentlich ran genommen werden, da ihnen Gott anscheinend nicht wichtig genug ist, um für ihn Sonntags morgens aufzustehen.
Februar 26th, 2007 at 17:02
Äh, danke Fono für diese sehr ausgewogene und differenzierte Analyse …
Februar 27th, 2007 at 21:22
“Wer braucht schon Praktische Theologie, wenn man in der Systematischen Theologie ohne den störenden Faktor Mensch herumdenken darf?”
Das kenn ich. Informatik könnte so schön sein, wenn da nicht die Menschen vor dem Bildschirm wären. Oder Juristen auf der Suche nach dem Splitter im Auge.