Nein, keine Sorge, keine Song-Adaption diesmal. Eigentlich wollte ich gestern nur die Überschrift und eine oder zwei Zeilen aus dem Lied angepasst übernehmen und dann die eigentlichen Gedanken zu dem Thema schreiben. Aber dann war ich so drin, dass ich daraus einen eigenen Post gemacht habe.
Ich hatte auch schon früher mal einen Post über den “Homo Fundamentaliensis Postmoderniensis” verfasst. Aus der Tatsache, dass ich innerhalb kurzer Zeit zweimal über das Thema geschrieben habe, wirst du wahrscheinlich schon geschlossen haben, dass mich dieses Thema ein wenig beschäftigt hat. Solltest du das nicht bemerkt haben: Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mit dem Thema Fudamentalismus beschäftigt…
Mit dem beiden Posts zu dem Thema habe ich auch schon grob das Spektrum an Unterthemen abgesteckt, die mich beschäftigen:
Der Titel des letztens Posts lautet ja: Wenn ich einmal fundi wär. Und manchmal wäre ich wirklich gerne einer. Deshalb ist mir der Titel und das Lied in den Sinn gekommen. Als Fundi hat man es viel einfacher. Mich interessiert die Meinung anderer nicht, ausser dass sie mich darin bestärkt, dass die anderen 1. total blöd sind, 2. nix gecheckt haben und 3. meine Meinung über sie bestätigen. Als Fundi brauche ich mir kaum Gedanken zu machen. Mir reicht meine Sicht. Das ist so entspannend. Eigentlich müssten Fundis viel weniger Herzinfarkte haben … wenn es nicht passiert, dass sie im Zetern gegen die anderen sich so reinsteigern, dass das Herzinfarktrisiko dann doch wieder zunimmt.
Ich erwisch mich immer wieder dabei, dass ich mir über ein Thema Tausend Gedanken mache. Mein Blog wäre viel voller, wenn ich einfach schreiben würde, was mir in den Sinn kommt. Ich hätte zum Beispiel manchmal so richtig Lust, über manche anderen Blogger abzuziehen. So viel Schrott wie die verzapfen, das ist nicht auszuhalten … aber moment … hm … das wäre aber unfair. Schließlich hat der ja nicht in allem Unrecht … Und dann beginne ich, hin und her zu denken, wo der andere richtig liegt, wo ich wieder überzogen reagiert habe, aber natürlich irrt der andere in meinen Augen sich ja auch … soll ich das erwähnen? Vielleicht habe ich doch nur einen falschen Blick auf die Sache, vielleicht habe ich ja auch was übersehen … und am Ende lasse ich es doch.
Aber es ist doch gut, so differenziert zu denken … und doch treibt es in den Wahnsinn … und vielleicht ist das nicht bloß differenziert denken sondern einfach Unentschlossenheit … Oh mein Gott AAAAAAAAAHH und schon fängts wieder an. Aus dem Hundertsten ins Tausendste.
Der erste Post war ja mit “Homo Fundamentaliensis Postmoderniensis” getitelt. Und das ist der zweite Aspekt, der mich beschäftigt. Dazu vor ab zwei Thesen:
1 Zu oft wird der Begriff Fundamentalist wahllos auf andere angewendet, die nicht mit deiner Meinung übereinstimmen, vor allem auf Leute, die dich kritisieren. Dadurch wird dieser Begriff von seiner historischen oder ursprünglichen Bedeutung getrennt und damit beliebig. Viele, die als Fundamentalisten bezeichnet werden sind, im ursprünglichen Sinn, keine Fundamentalisten.
2 Viele wiederum, die niemals von sich denken würden, dass sie Fundamentalisten sind, die sogar andere ihrerseits als Fundamentalisten diskreditieren, sind im Grunde selber Fundamentalisten. So gibt es, wie der erwähnte “Homo Fundamentaliensis Postmoderniensis” Post andeutet, Postmoderne-Fundamentalisten, genauso auch Emerging Church-Fundamentalisten etc., was die meisten von ihnen aber niemals zugeben würden, denn sie wollen ja eben gerade nicht, wie die (historischen oder konservativen) Fundamentalisten sein und sind es dann aber gerade in der einseitigen Abgrenzung doch.
Es gibt nicht nur konservative Fundamentalisten, die wahrscheinlich die normalerweise bekannteste Gruppe darstellen, sondern auch progressive und liberale und Freidenker können Fundamentalisten sein. Denn einen Fundamentalisten zeichnet eine bestimmte Haltung aus, eine Arroganz gegenüber dem, was er ablehnt, eine plakative Beschreibung des anderen und eine einseitige, verklärende Sicht des Eigenen. Und sicherlich noch ein paar Punkte mehr, die ich auch im anderen Post untergebracht habe.
Ich bin also einerseits dafür, mit dem Fundamentalismus-Vorwurf vorsichtiger zu sein. Dazu zähle ich auch implizierte Vorwürfe, bei denen nicht unbedingt dieser Begriff verwendet wird, aber durch Verwendung von Synonymen etc. trotzdem genau das impliziert ist. Nicht jeder, der die Volxbibel ablehnt, um mal ein abgedroschenes und plattes Beispiel zu nennen, ist ein Fundamentalist. Nicht jeder, der Probleme mit Emerging Church hat ist ein Fundamentalist. Nicht jeder, dem Guerilla-Christentum Bauchschmerzen bereitet, ist ein Fundamentalist. Nicht jeder, der Kritik übt, ist ein Fundamentalist. Durch eine solche Gleichsetzung wird nur kritisches Denken, das manchmal gut tut und notwendig ist, diskreditiert.
Andererseits sollte sich jeder, und das gilt auch mir, denn ich bin keineswegs davor gefeit, kritisch überprüfen, ob er sich in seiner scheinbar progressiven Meinung nicht einfach in eine andere Spielart des Fundamentalismus dirigiert hat, ohne es zu merken. Oder um es mit den verwendeten Beispielen auszudrücken: Auch manch Volxbibel-Verteidiger unterscheidet sich kaum von einem “Elberfelder-Fundamentalisten”, dessen Kritik er kritisiert, und dabei genauso platt und undifferenziert ist wie es dieser vielleicht ist;
manch Emerging-Church Vordenker ist nicht alleine deshalb aufgeschlossener, offener und differenzierter als ein Brüdergemeinden-Fundamentalist, nur weil er sich eben über Emerging Church Gedanken macht, also über etwas neues, progressives etc. …
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May 10th, 2006 at 22:10
Gute Überlegungen, da steckt viel Wahres drin. Im Prinzip neige ich auch zu einem gewissen Maß an Fundamentalismus aber zum Glück gibt es hier und da noch lichte Momente in meinem Denken.
>So viel Schrott wie die verzapfen, das ist nicht auszuhalten
Das ist einer der Gründe warum ich nur noch sehr wenige christliche Weblogs lese. Auf die “normalen” Blogs hat sich das auch ausgewirkt. Letztens habe ich rigoros meine Bookmarks gelöscht und ein paar - in meinen Augen - wirklich gute sind übrig geblieben.
May 10th, 2006 at 23:25
Na, da fühle ich mich ja geehrt, dass mein Blog scheinbar deiner Lösch-Kur nicht zum Opfer gefallen ist
May 11th, 2006 at 20:47
Ich sag doch daß die guten drin geblieben sind
May 20th, 2006 at 13:13
Sehr interessante und gute Gedanken! Ja - man kann nicht genug Energie darauf verwenden, die eigenen Poistionen immer wieder zu überdenken und dem anderen in der nötigen Achtung zu begegnen - auch wenn es manchmal schwer fällt.
Zudem machst du deinen Punkt ohne “fundamentalistischen” Unterton…