Ich war die letzte Woche damit beschäftigt mich durch ca. 760 Seiten “The Chronicles of Narnia” durchzuarbeiten. Als ich am Lesen war, habe ich darüber nachgedacht, dass man eigentlich bei jeder Ausgabe des Buches oder an jedem Verkaufsstand in einer Buchhandlung einen Sicherheitshinweis und ein paar Vorsichtsmaßnahmen vorne abdrucken oder dazupacken sollte:
Es kann sein, dass Sie das Gefühl haben, dass vielleicht einige Minuten vergangen sind, während in der realen Welt eine ganze Nacht vergangen ist.
Bevor sie weiterlesen, sollte sie folgende Vorsichtsmaßnahmen beachten:
1. Kaufen Sie sich _nicht_(!) die einbändige Ausgabe. Das Problem an der einbändigen Ausgabe ist, dass das nächste Buch direkt _auf der nächsten Seite_ beginnt. Das führt zu folgendem Verhalten eines typisch Lesesüchtigen:
Wow, das war echt nicht schlecht. Hm, ich hab noch ein paar Minuten. Und das Titelphoto der nächsten Geschichte sieht wirklich interessant aus. Ich schau mir einfach mal die erste Seite an … ach, das erste Kapitel schaff ich noch … wow, das Buch war auch nicht schlecht … oh mist, schon fünf Uhr Morgens …
Kaufen Sie sich stattdessen die Reihe in einzelbänden. Nehmen Sie sich dann das Buch, das sie lesen wollen und sperren sie die anderen sechs Bücher in einen safe mit Zeitschloss, wenn Sie den oben erwähnten Effekt verhindern wollen.
2. Lesen Sie die Bücher _nicht_ in einer Zeit, in der Sie eh schon viel zu tun und wenig Zeit haben. Diese Bücher eignen sich _nicht_ als lokus-lektüre (ausser sie haben vor, mehrere Stunden auf dem stillen Örtchen zu verbringen) und sie eignen sich _nicht_ als “Einschlaflektüre”, Sie bewirken eher das Gegenteil.
3. Wenn Sie Bücher dennoch Abends vor dem Einschlafen lesen und sie eine Frist setzen, wann Sie das Buch aus der Hand legen wollen, dann halten Sie sich eine Schlaftablette bereit, bei der Sie ungefähr wissen, nach wie vielen Minuten die Wirkung einsetzt. Nehmen Sie die Schlaftablette dann in dieser Zeitspanne vor der gesetzten Sleep-Line. Unter Umständen kann das einen großen Aufwand an Willenskraft erfordern. Bleiben Sie standhaft!
Ich hatte die Bücher schon vor zehn Jahren mal einmal durchgelesen, in einer deutschen Ausgabe. Und ich war echt erstaunt, wieviel von damals noch hängengebliegen ist. Jetzt habe ich sie mir in Englisch durchgelesen und es hat wirklich gut geklappt. Ein paar mal musste ich ein paar Wörter nachschlagen, aber meistens ergab sich die Bedeutung aus dem Kontext.
Ich bin immer noch fasziniert von dieser Buchserie. Sie gehört für mich zu den ganz großen Werken der Literatur, zumindest der zeitgenössischen, wenn nicht sogar zu den ganz großen Werken überhaupt. Die einzelnen Bücher sind an sich nicht so lang, 100 Seiten etwa pro Buch. Aber das kommt einem fast nicht so vor. C. S. Lewis hat es wirklich geschafft, eine Welt zu kreieren, in die man sich hineinversetzen kann. Als ich anfing zu lesen, hatte ich wirklich das Gefühl, in Narnia zu stehen und bei den Abenteuern dabei zu sein. Sein Erzählstil ist wirklich Phänomenal.
Was ihm sehr gut gelungen ist, ist, dass er Narnia nicht als das verklärte Paradies hingestellt hat, und dass die einzelnen Protagonisten keine perfekten Supermenschen sind. Narnia wird zwar als Wunschwelt vorgestellt, als ein Land, das man sofort besuchen möchte, wenn es möglich wäre. Aber es ist ein Paradies, dass ständig gefährdet ist. Und zwar nicht nur von ausserhalb, sondern auch durch die Bewohner selber, die in der Gefahr stehen, zu vergessen, was ihr Ursprung ist, und was ihr Schutz ist.
Und auch die Helden haben ihre Macken und Schwächen, so ehrenhaft und vorbildlich sie auch sind. Sie haben Angst, sind ungehorsam, ungläubig etc. Das abschreckenste Beispiel ist Susanne, die am Ende nicht dabei ist, weil ihr andere Dinge wichtiger geworden sind, obwohl sie ja selber Jahrelang in Narnia gelebt hatte.
Und ich bin immer wieder fasziniert davon, wie Lewis Aslan vorstellt, den großen Löwen, der kein zahmer Löwe ist. Aslan ist nicht der immer freundliche Löwe, der keiner Fliege was zu Leide tut.
Mal sagt er, dass er Leben, Königreiche und ganze Welten verschlungen hat. Oder er ist es, der hinter Cor und Aravis hinterjagt, und Aravis sogar verwundet, damit sie voran kommen.
Aber er ist auch kein zerstörerischer Löwe, der nur darauf aus ist, anderen zu schaden.
Er tollt mit den Kindern herum, nachdem er auferstanden ist. Er lässt sie in seine Nähe und hat viel Spaß mit ihnen. Er erschafft die Welt mit einem fröhlichen Gesang und ist um sie besorgt.
Er ist einfach er selbst. Und wenn _ER_ darstellen soll, dürfte klar sein. Schon in “der König von Narnia”, bei seinem Tod und seiner Auferstehung, spätestens aber in “die Reise der Morgenröte” sollte das klar geworden sein, wo er den Kindern als Lamm begegnet, dass Brot und Fisch zu Essen gibt und der sagt, dass er auch in ihrer Welt zu finden ist, unter einem anderen Namen.
Beim nachdenken über Aslan habe ich auch einen neuen Blick auf den Löwen aus Juda bekommen, der auch nicht zahm ist, der Mächte und Königreiche zur Macht führt und in den Untergang. Der sich nicht in Klischees einsperren lässt und sich nicht vorschreiben lässt, was er zu tun hat, auch wenn manche vielleicht ihre Probleme damit haben. Der aber auf der anderen Seite die Welt aus dem Nichts geholt hat und sein Blut für diese Welt gegeben hat und der uns Freund nennt, obwohl er doch so viel größer ist. Unser Bild von diesem Löwen ist manchmal genauso einseitig, wie es bei manchen in Narnia mit Aslan der Fall ist. Manche sehen nur seinen Groll und seine Macht, andere denken, er sein ein Hirngespinst, das nie kommen wird, weil es ihn nicht gibt, andere meinen, ihm Vorschriften machen zu können, als würde er sich was sagen lassen.
Das Beste Buch in der Reihe ist in meinen Augen das sechste, “der Silberne Sessel”. Ich habe es schon als Kind mehrmals gelesen und ich bin von dem Inhalt immer noch gepackt. Für mich kann kein Buch der Serie mit diesem Band mithalten.
Am Meisten Probleme hatte ich schon als Kind mit dem letzten Buch, was einfach an der Materie liegt, die dort behandelt wird. Narnia wird durch einen Bewohner des Landes selbst mit einem gefälschten Aslan an der Nase herumgeführt und später durch Feinde erobert und am Ende geht Narnia seinem Ende entgegen. Aslan, der die Welt geschaffen hat, nimmt ihr das Leben wieder weg.
Es tut einfach weh, miterleben zu müssen, wie diese Welt, mit der man sechs Bände lang mitgefiebert hat, ihrem Ende entgegengeht, wie alles den Bach runter geht. Wie die Zwerge total durchdrehen und sogar sprechende Tiere umbringen und am Ende in ihrer Blindheit verharren und die Realität nicht mehr erkennen können, wie Cair Paravel erobert wird und alles so Hoffnungslos erscheint. Das war das eine, wo ich beim Lesen immer wieder schlucken musste.
Das andere ist dann der Neuanfang, das Jenseits, der Himmel, um es mal theologisch auszudrücken. Ich merke einfach, wie sehr ich mich in diesen Kindern wiederfinde, die an dem alten Narnia hängen und am Anfang gar nicht verstehen, dass es nur ein Schatten von dem Eigentlichen ist. Mir geht es auch oft, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es den im Himmel sein soll, und ich merke, dass ich an dieser Welt hänge, trotz all dem Schrott, der hier passiert. Aber ich kenne diese Welt, aber ich kenne die Ewigkeit nicht. Und irgendwie ist es in der Natur des Menschen verankert, das Bekannte dem Neuen vorzuziehen. Auch wenn ich weiß, dass diese Erde nur ein schwacher Schatten von dem ist, was Gott sich für uns gedacht hat.
Nach dem ich den letzten Band durchgelesen hatte, und die Augen wieder etwas trockener waren, habe ich ersteinmal mit meinem _High King over all Kings_ gesprochen und ihm gedankt.
_*Further up and further in*_
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January 6th, 2006 at 17:49
Ich find grad das letzte buch so toll, eben genau wegen dem Ende. Es sieht zwischendrin mehr als nur Sch… aus, aber am Ende wird deutlich: Es war nur der letzte Schritt von vielen im Prolog, danach geht der Vorhang auf und das eigentliche Stück (die Ewigkeit) begint.
Was ich auch cool finde ist das erste /vorletzte (die Enstehung)
January 7th, 2006 at 18:26
ja das stimmt
mir ging es genauso beim Lesen der Bücher. Man sollte sich wirklich gut überlegen, ob man damit anfängt. Denn der Suchtcharakter es schlimmer als bei Pringles. man kann erst aufhören, wenn man sie alle gelesen hat. Einfach klasse.
Wobei - das bei Terry Pratchett - Büchern nicht viel besser ist. Nur gut, dass die immer alle einzeln gedruckt werden.
January 14th, 2006 at 16:17
wo kann man den ganzen band denn günstig kaufen?
January 14th, 2006 at 16:25
Bei “Amazon”:http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0066238501/qid=1137248687/sr=8-2/ref=pd_ka_2/303-8008496-4211438, wo sonst
Das ist die englische Ausgabe in einem Band, die ich auch gelesen habe, für 13€