Ich hab’ bei dem wunderschönen Wetter mal ST Pro ST Pro sein lassen und mir mein frisch eingetroffenes Buch “Dialektik der Säkularisierung” geschnappt. Das Buch ist in der “Schriftenreihe”:http://www.bpb.de/publikationen/BZUMW6,0,0,Schriftenreihe.html der
Bundeszentrale für politische Bildung erschienen, die viele interessante Bücher in einer vergünstigen Lizenausgabe enthält. In diesem Buch, das nur 64 Seiten dick ist, wird eine Diskussion zwischen dem bekannten Philosophen Habermas und Kardinal Ratzinger alias Papst Benedikt XVI in der katholischen Akadmie in Bayern wiedergegeben, die sich dort zum allerersten Mal persönlich begegnet sind. Die Diskussion selber fehlt im Buch, dort werden nur die beiden Vorträge der beiden Denker wiedergegeben. Eine knappe Zusammenfassung der beiden Vorträge kann man in einem “Artikel der Zeit”:http://www.zeit.de/2004/05/Ratzinger_2fHaberm nachlesen.
Aber ich schweife schon zu weit ab. Denn was hat der Titel dieses Posts mit dem Vortrag zu tun? Nein, es geht nicht um die Lebensgeschichte von Habermas oder so.
Als ich das Buch im Park vor der Uni hier in Gießen gelesen habe, da ist mir bewusst geworden, wie vielschichtig das Christentum ist. Das ist keine revolutionäre Erkenntnis an sich. Aber es hat mir wieder gezeigt, wie Geil das Christentum ist, wie genial sich Gott seine Gemeinde ausgedacht hat.
Hier auf dem Titel sehen wir einen der bedeutendsten deutschen Philosophen, der sich mit einem der bedeutendsten und intelligentesten katholischen Theologen auf Augenhöhe unterhält. Das ist die eine Seite der Fahnenstange. Auf der anderen Seite des christlichen Spektrums sind die Menschen, die es sich nicht zu schade sind, ihre Zeit und Kraft für andere Menschen aufzuopfern, vielleicht sogar Menschen, die sie nicht kennen, die ihnen vielleicht nicht einmal dafür danken werden, dass sie ihnen den Arsch abwischen, das Essen machen, sie am Leben erhalten. Diese beiden Spektren finden sich nicht nur in der “Gemeinschaft” Christentum, diese beiden Spektren können sogar in einer Person zusammentreffen: der hochbrilliante Denker, der sich nicht zu schade ist, in der Gemeinde die Toiletten zu putzen oder sozial tätig zu sein, und zwar nicht nur, wenn die Presse dabei ist.
Sicherlich, das findet sich in gewisser Hinsicht auch in anderen Organisationen, oder auch in anderen Einzelpersonen, die nicht zum Christentum gehören. Aber ich denke, es dürfte schwer sein, eine andere so divergente und Variantenreiche Gemeinschaft von Menschen zu finden, wie in der Gemeinde, als _ekklesia universalis_. Und das breite Spektrum, das ich angesprochen habe, ist schon im Kern der Kirche angelegt, im theologischen Fundament. Denn weder ist das Christentum Vernunft-feindlich und anti-rationalistisch, denn Paulus war ein messerscharfer Denker, der sich mit der Philosophie und Literatur seiner Zeit ausgekannt hat. Noch ist es asozial, den der soziale Dienst war schon seit Beginn der Gemeinde ein zentraler Bestandteil, der die Gemeinde in den Augen der anderen so besonders gemacht hat. Die Christen waren sozial bis zur Selbstaufgabe, wenn sich z.B. einige Christen selbst als Sklaven verkauft haben, um andere Menschen aus der Sklaverei zu befreien.
Die Kirche muss sich als weder vor den Philosophen und Denker verstecken, denn Gott hat uns den Verstand gegeben und wir dürfen ihn einsetzen, wir sollen ihn sogar einsetzen. Die Philosophie versucht die Welt zu erklären. Hier ist ein Dialog auf jeden Fall möglich, wenn er nicht platt und überheblich geschieht (auf beiden Seiten!), denn wer von der Richtigkeit des Christlichen Glaubens überzeugt ist, der hat von Gott die Möglichkeit erhalten, die Welt zu erklären. Sicherlich nicht komplett, aber mehr, als der Mensch es alleine aus seinem Verstand heraus vermag.
Noch muss die Kirche sich vorwerfen lassen, Menschenverachtend oder unsozial zu sein. Sicherlich werden nicht alle biblischen Ideale und Richtlinien jedem Menschen zusagen. Manche können sogar unsozial und intolerant erscheinen. Und in der Vergangenheit wurde unter der Flagge des Kreuzes viele Verbrechen begangen.
Aber Christus selber hat sich der Menschen angenommen, die bei allen anderen durchs Raster gefallen sind. Die Nächstenliebe ist eines der Gebote, an dem alle anderen Gesetze aufgehängt sind, hat Jesus gesagt. Ich kann Gott nicht lieben und meinen Nächsten ignorieren oder hassen. Irgendwo habe ich gelesen, dass ein Philosoph gesagt hat, eine Welt mit einem schlechten Christentum sei ihm tausendmal lieber, als eine Welt ohne Christentum. Und er hat recht, auch wenn das viele nicht sehen wollen.
Trotz all ihrer Schwächen, trotz all ihrer Fehler, trotz all des Versagens ist die Gemeinde immer doch das Mädchen, in das Jesus über beiden Ohren verknallt ist. Sie ist manchmal störrisch, manchmal aufbrausend, stur, oder ignorant. Aber wenn Christus die Gemeinde sieht, dann sieht er die Frau, für die -sterben würde- gestorben ist. Und die Gemeinde ist das, womit Jesus die Welt segnen möchte. So unvollkommen sie auch sein mag.
Gemeinde ist das Beste, was der Welt passieren konnte!
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März 23rd, 2006 at 22:22
AMEN BRUDER!!!
März 27th, 2006 at 0:15
Jo, da hatte “Eugen”:http://www.boehler-vision.de/index.php mal ne “gute Predigt”:http://www.giessen.feg.de/feierabend/mp3/2005_05_01_Gemeinschaft_der_Heiligen.mp3 bei uns im _Feierabend_ darüber gehalten.
Sie kam zumindest gut an - ob sie “‘Als Konserve” auch so gut ist, weiß ich natürlich nicht.
Er hatte damals das Bild der (1)Miss Germany neben das (2)eines zahnlosen Penners gestellt und gemeint:
(1) So sieht Jesus die Gemeinde und genauso wird sie auch eines Tages vor ihm sein - doch (2) so sehen wir sie oft und dazu machen wir sie.
Ist schon cool, was Gott sich ausgedacht hat …