Ich habe gestern den dritten und letzten Teil des Buches “The Secret Message of Jesus” (Teil 1 & Teil 2) von Brian D. Mclaren zu Ende gelesen und heute habe ich das Buch in meiner Englisch Gruppe vorgestellt. Wir haben dann etwa eine Stunde über das Buch diskutiert. War ganz gut.
Der dritte Teil steht unter dem Titel:
Imagination: Exploring How Jesus Secret Message Could Change Everything
Dieser Teil besteht aus acht Kapiteln:
- Kingdom Manifesto
- Kingdom Ethics
- The language of the Kingdom
- The Peaceable Kingdom
- The Borders of the Kingdom
- The Future of the Kingdom
- The Harvest of the Kingdom
- Seeing the Kingdom
Die ersten beiden Kapitel, Kingdom Manifesto und Kingdom Ethics sind im Grunde eine Auslegung der Bergpredigt. Für ihn ist das das komprimierteste Beispiel für Jesu Lehre vom Reich Gottes:
If we want to understand certain essential facets of Jesus’ secret message, there’s no better place to go than here.
Gut stellt McLaren, vor allem im Abschnitt über Jesu Ethik-Vorstellungen heraus, dass Christ-sein nicht bedeutet, dass man lascher sein kann, sondern dass Jesus vielmehr in vielen Dingen sogar weit über das hinausgeht, was die Pharisäer gefordert hatten. Und die waren schon krass. Vor allem in drei Bereichen ist Jesus sehr strikt:
- Geld
- Sex
- Macht
Nicht das Jesus Kommunist wäre, Sex verbieten und Anarchie predigen würde. Aber Jesus warnt davor, die drei Dinge zu pervertieren und zu missbrauchen. Und gerade in diesen drei Bereichen sind wir sehr anfällig dafür.
Das Kapitel The Language of the Kingdom erinnert ein wenig an Kapitel 12: Hiding the Message in new Places. Auch hier geht es darum, eine geeignete Sprache für diese radikale Botschaft zu finden. Wer heute von Königreich spricht, der spricht die Hörer nicht so an, wie Jesus, weil wir heute Königreich indem Sinn nicht mehr kennen, wie es früher üblich war. McLaren gibt daher ein paar andere Vorschläge, wie man von Reich Gottes heute sprechen kann:
- The dream of God
- The revolution of God
- The mission of God
- The party of God
- The network of God
- The dance of God
Vor allem das erste Beispiel habe ich selber schon früher verwendet. Ich weiß gar nicht, wann mir das Bild in den Sinn gekommen ist. Es war irgendwann im dritten Schuljahr in der Bibelschule. Aber ich finde, dass ist ein starkes Bild, dass vieles von dem Transportiert, was mit Reich Gottes gemeint ist.
In The Peaceable Kingdom schreibt McLaren darüber, dass das Reich Gottes kein gewaltsames Reich ist. Es bahnt sich seinen Weg nicht mit Blut und Schwert, auch wenn einige das früher getan hatten. Aber das war und ist der falsche Weg. Der Weg des Reiches ist der Weg des Kreuzes, und zwar nicht aus römischer Sicht, wo das Kreuz das Symbol der Terror-Herrschaft ist. Sondern aus Sicht des erniedrigten, des gekreuzigten. Gott will Shalom für diese Welt. Shalom ist für McLaren, und da geht er mit vielen anderen da core, nicht bloß das Fehlen von Krieg:
it evokes a balanced and integrated “life to the full”.
In The Boarders of the Kingdom fragt McLaren nach den Grenzen des Reiches Gottes. Gibt es im Reich Gottes überhaupt Grenzen, oder wird jeder dazugehören? McLaren schreibt, dass es diese Grenze gibt. Und diese Grenze ist im Grunde das Herz jedes einzelnen Menschen. Wer nicht dazugehören will, der wird nicht dazugehören. Du selbst kannst dich davon ausschliessen. Du aber hast nicht das Recht, jemandem den Zugang zu versperren. Das Reich Gottes ist offen für jeden, auch wenn nicht jeder hineinkommen wird.
The Future of the Kingdom beschreibt die eschatologische Perspektive McLaren. Er legt in diesem Kapitel das Buch der Offenbarung aus. Und er legt sich historisch aus, das bedeutet, dass die Offenbarung nicht unbedingt zukünftiges beschreibt, sondern ganz im Stil jüdischer Apokalypsen liefert sie eine Gegenwartsbeschreibung. Johannes liefert somit im Grunde eine kodierte Gesellschaftskritik, da er keine offene Kritik formulieren durfte, wenn er sich nicht den Ärger Roms aufhalsen wollte. Die bösen Mächte in der Offenbarung sind die bösen Mächte in dieser Welt, damals konkret also z.B. Rom. Jesus aber hat diese Mächte besiegt. Und das gibt uns Hoffnung für Heute, auch wenn wir es vielleicht schwer haben.
Das ist das erste Mal im Buch gewesen, wo ich nicht nur ein Fragezeichen neben den Text gemacht habe, sondern mehrmals zwei schräge Striche, was in meinem, Lese-Code bedeutet: Nope. So nicht. Ich bin auch vorsichtig mit einer rein futuristischen Auslegung. Aber ich bin dennoch ein bekennender Dispensationalist und dementsprechend verstehe ich auch die Offenbarung.
Aber auch ich habe so meine Dellen in meiner Theologie, deshalb sei ihm diese Schwäche verziehen
Auch im Kapitel The Harvest of the Kingdom gibt McLaren einen eschatologischen Ausblick. Und da stimme ich mit ihm weitesgehendst überein. Der Himmel ist nicht der Ort, in dem wir alle kleine Engel auf Wolken sein werden und kleine Harfen spielen werden. Der Himmel ist mehr die Welt wie Gott sie sich immer gewünscht hat, also diese Welt erneuert und befreit von allem Fehlern und Unzulänglichkeiten. Auch wir Menschen werden erneuerte Menschen sein. Interessant ist, dass McLaren sein Bild vom Himmel wiedergibt, aber andererseits die Hölle und das Schicksal derer, die nicht zu Christus gehören, gar nicht erwähnt. Ich weiß, dass er in seiner New Kind of Christian Trilogie sein drittes Buch diesem Thema gewidmet hat, und das es viele Kontroversen ausgelöst hat. Aber leider habe ich das Buch noch nicht gelesen und zudem verpasste ich auch die wahrscheinliche legendäre Diskussion in der Sudden Seminary Hölle, initiiert von Andrew Jones. Vielleicht kann mal jemand, der das Buch gelesen hatte, kurz zusammenfassen, was die Kernaussage McLarens zu dem Thema ist.
Das letzte Kapitel heißt Seeing the Kingdom. McLaren versucht den Leser sensibel dafür zu machen, dass das Reich Gottes jetzt schon in gewisser Hinsicht erfahrbar ist. Er geht dabei in einem gewissen Sinne von C. S. Lewis aus, das Überwältigt werden vom Schönen:
It surprises us at unexpected moments, sings like a bird, sparkles like light on Water - real, there, yet only a glimmer. The Glimpes are brief, momentary. We wish they would stay so we could capture them and keep them, but by their very elusiveness, the instead capture us.
Eine herrliche Landschaft, ein gutes Buch, Händels Messias, das Lachen eines Kindes, der Anblick deiner Frau, es gibt immer wieder Momente, die wirklich unser Herz berühren, wo wir wirklich innerlich überwältigt werden ohne es beschreiben zu können. Diese Momente sind für McLaren Schimmer des Reiches Gottes.
Am Ende des Buches findet man noch einen Blinddar … äh Anhang, auf den ich nicht näher eingehe.
Fazit
Ein Buch, das ich empfehlen kann. Es bringt einen zum Grübeln, ist vielleicht in dem einem oder anderen Punkt auch provokativ. Aber auf jeden Fall trifft McLaren in seinen Kernaussagen genau ins Schwarze. Und sicherlich würde es der einen oder anderen Gemeinde gut tun, sich öfter oder überhaupt mal Gedanken über das im Buch gesagte zu machen.
Das Buch ist einfach geschrieben, so dass man nicht Theologie sein muss, um es zu verstehen.
Durchgefallen ist bei mir nur das eine Kapitel über das Buch der Offenbarung. Aber das ist nicht so ausschlaggebend für die Gesamtaussage des Buches. Und auch in diesem Kapitel finden sich gute Gedanken.
Ansonsten habe ich schon vorher mal geschrieben, dass vielleicht einen Ticken zu einseitig diesseitig ist und somit die Gefahr besteht, dass vielleicht nicht McLaren selber, aber eventuell mancher Leser vergisst, dass das Reich Gottes ohne Jesus und echter Zuwendung zu Jesus nicht zu haben ist. Ein gutes Beispiel für einen diesseitigkeits-Fehlschluss findet man bei ehrenwerten Bischoff (also nicht Mike macht den Fehlschluss, nicht das man mich hier falsch interpretiert).
Aber trotz dieser kleinen Schwächen ist das Buch Empfehlens- und Diskussionswert. Von mir gibts 4/5 Sterne ****
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