So, mal wieder ein neuer _Rundblog_. Der wird diesmal nicht ganz so ausführlich, wie beim letzten Mal. Dafür führe ich neben den Abschnitten “FTA” und “WG, FEG und ETC” auch noch den Abschnitt “Wissenschaftliches Tagebuch” ein. Das habe ich in einem Post schon mal erwähnt. In diesem Abschnitt geht es darum, was mich theologisch/wissenschaftlich beschäftigt und beschäftigt hat.
FTA
Die Vorlesungszeit im ersten Semester ist seit Mitte Februar offiziell vorbei. Ich hab jetzt also “vorlesungsfreie Zeit”, was aber, wie in meinem ersten Rundblog bereits erwähnt, nicht einfach mit “Urlaub” gleichgesetzt werden kann. Den hatte ich zwar auch, ne ganze Woche. Aber ich bin jetzt momentan mitten in meiner Proseminararbeit für Historische Theologie, zum Thema “Marcion, der “Schiffsreeder” aus Pontus”. Das Thema ist interessanter, als es sich anhört. Aber es ist schon ein hartes Stück Arbeit, vor allem, weil viele Quellentexte entweder nur in sehr alten deutschen Übersetzungen verfügbar sind, oder gleich nur in Griechisch oder Latein.
Bei dieser Arbeit merke ich, dass mich das ganze Thema “Patristik” sehr fasziniert, also die Zeit der Kirchenvater von 100 - ca. 400 n. Chr. Da wurden viele Weichen gestellt für die Theologie. Das Problem ist nur, dass man, wenn man sich damit wirklich intensiv beschäftigen will, Griechisch und Latein im kleinen Finger haben sollte.
In meiner Arbeit bin ich grad dabei mit der Primärliteratur fertig zu werden. Ich habe sogar schon einen ersten Entwurf der Ausarbeitung zu 80% fertig. Jetzt muss ich das nur noch abschließen und dann in die Diskussion mit der Sekundärliteratur treten. Das ist ein neuer Ansatz für Ausarbeitungen, den ich bisher nicht probiert hatte. Aber ich denke, so klappt das ganz gut und ich habe bisher noch keine Ausarbeitung wirklich so strukturiert geschrieben. Vielleicht klappt es ja wirklich, dass ich die Ausarbeitung rechtzeitig fertig bekomme, um auch ST-Pro zu schreiben. Wenn ich die beiden schaffe, dann werde ich ein Opfer darbringen … ein Trank und Speisopfer …
Ansonsten bin ich grad dabei, Kontakt wegen einem Praktikumsplatz aufzunehmen und ein wenig zu sondieren. Aber da werd ich mehr zu sagen, wenn das so weit ist.
WG, FEG und ETC
In der WG bin ich momentan der letzte, der hier die Stellung hält. Die anderen sind alle ausgeflogen. Einer wird nächste Woche wieder kommen. Aber der Rest wird erst Anfang April wieder da sein. Das heißt ich hab hier momentan absolut meine Ruhe … nur das ich auch alles, was so anfällt, selber machen muss
Am Mittwoch war ich das erste mal in einer Kleingruppe im Rahmen vom “Feierabend”:http://www.feierabend-giessen.de. Die Kleingruppen sind so etwas wie die zweite Säule der Feierabend Arbeit. Mit Kleingruppen hatte ich sonst nicht viel zu tun gehabt bisher. Deshalb bin ich gespannt, wie das werden wird. Die Leute sind O.K. Es ist ne kleine Kleingruppe, sechs Leute mit mir. Und wenn da nicht noch ein paar dazu kommen, dann wird sie eventuell einer anderen Kleingruppe angegliedert. Aber ich hoffe, da finden sich noch ein paar.
Wissenschaftliches Tagebuch
Neben dem normalen Schulstoff befasse ich mich Privat immer mit mehreren Themen. Das war schon in Brake so, und ich brauch das irgendwie. Manche müssen Stricken zur Entspannung … ich les Bücher, wenn ich keine (Pflicht-)Bücher mehr sehen kann
Momentan beschäftige ich mich sehr stark mit dem ganzen Bereich der Linguistik und Hermeneutik. Zur Linguistik lese ich ein sehr gutes Buch von Cotterell und Turner: “Linguistics & Biblical Interpretation”:http://www.amazon.com/gp/product/0830817514/sr=8-1/qid=1141568602/ref=sr_1_1/102-2569823-1472110?%5Fencoding=UTF8. Das behandelt eine breite Palette an Fragen die mit der Linguistik und Bibel Auslegung zusammenhängen, von der Semantik über Gebrauch und Missbrauch von Wort-Studien bis Diskurs-Analysen. Ein kompakter Rundumschlag, sehr verständlich geschrieben und mehrere “Aha” Effekte hervorrufend. Wer Carsons “Exegetical Fallacies” kennt und schätzt, der wird hier die etwas grundlegendere und systematischere Darstellung der Thematik finden.
Ein Buch speziell zu Hermeneutik ist das _Opus Magnus_ “Wahrheit und Methode”:http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3161456130/qid=1141568928/sr=1-4/ref=sr_1_11_4/303-8008496-4211438, ein Standardwerk zur philosophischen Hermeneutik. Aber keine leichte Kost. Da musste ich schon mehrmals Abschnitte zwei- und dreimal lesen. Aber in seiner geschichtlichen Darstellung der Wissenschaft der Hermeneutik hat er mir u.a. geholfen Hegel besser zu verstehen und einen leichten Lichtschimmer bei Heidegger zu sehen (wobei mir der immer noch sehr unverständlich ist). Ich hab’ schon in einem früheren Post geschrieben, dass die Hermeneutik eine der wichtigsten Fragestellungen (philosophischer) Theologie ist, weil viele Interpretationsunterschiede aus unterschiedlichen hermeneutischen Ansätzen herrühren. Bei diesem Thema bin ich aber noch ganz am Anfang und umso mehr ich drüber nachdenke, umso mehr sehe ich Probleme und Fallstricke. Irgendwie habe ich da noch keinen gescheiten Ansatz gefunden. Ich kann mich beim Nachdenken auch nicht damit zufrieden geben, dass ich zu 80% oder so plausible Antworten habe. Solange ich selber noch Einwände sehe, solange bin ich unzufrieden.
So gehts mir auch mit dem dritten Themenkomplex, der mich momentan beschäftigt, nämlich das Thema “Bibelübersetzung”. Da wird auch zu oft zu schnell und zu pauschal geschossen. Ein sehr gutes Buch, was manche Facetten beleuchtet, ist “Die Übersetzung der Bibel: Aufgabe der Theologie”:http://cgi.zvab.com/SESSz2839789911141569561/cgi-bin/n_showitem.cgi?item=1210274941&lang=de&lo=gr2&mode=detail&dcurr=EUR&scurr=EUR&uc=de&shp=0&noimg. Schon der Titel ist gut gewählt. Aber dazu will ich eventuell später noch was schreiben.
Die Beschäftigung mit dem Thema hat die ganze Debatte über die Volxbibel angeregt. Und da hat sich mir die Frage gestellt: “Wann ist eine Übersetung eigentlich eine Übersetzung (in Abgrenzung zur z.b. Paraphrase)? Was muss eine Übersetzung leisten? Und wo sind die Grenzen, die Kriterien, anhand derer ich eine Übersetzung z.B. ablehnen würde? Würde ich z.B. auch die _Neue-Welt Übersetzung_ als legitimie Übersetzung bezeichnen? Oder eine feministische Übersetzung? Wenn nein, nach welchen Kriterien unterscheide ich dann zwischen legitimen und nicht-legitimen Übersetzungen?”
Wie subjektiv ich über das ganze bisher nachgedacht habe ist mir eines Abends mit einem Schlag bewusst geworden, als ich mich die selben Argumente gegen die Volxbibel vorbringen hörte (als ich für und wider durchdacht habe), die mein Lehrer in der Bibelschule gegen z.B. die Gute Nachricht vorgebracht hat. Da wurde mir bewusst, dass es wichtig ist, sich Gedanken über Prinzipen und Kriterien Gedanken zu machen, damit ich mich nicht im Netz des Subjektiven Verstricke und mir selbst widerspreche. Das stört mich nämlich gerade oft bei anderen, die bei einer Sache so argumentieren und bei einer anderen Sache genau widersprechende Argumente verwenden, ohne es zu merken. Und das hat mir gezeigt, wie sehr ich selber in dieser Gefahr stehe. Ich denke, gerade heute, wo es tausend verschiedene Meinungen gibt, ist es wichtig, zu versuchen, in sich möglichst stringent zu denken (auch wenn das sicherlich nie ganz gelingt).
Aber das wird jetzt schon zu ausführlich. Vielleicht komme ich dazu, darüber mal gesondert zu schreiben.
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März 6th, 2006 at 11:23
jau das wir uns über unsere eigene Prinzipen und Kriterien Gedanken zu machen sollen ist sehr wichtig. ich bin dabei mir selber über themen in der Bibel meine eigene Meinung zu machen (ich meine nochmals, auch nach brake). und es ist nicht leicht