Die Schrift habe ich schon länger gesucht. In einem unserer Plena hat ein Student aus Luthers “Schrift an die Ratsherren aller Städte deutschen Landes” vorgelesen. Und die hat es in sich. Das ist Luther in Reinkultur. In dieser Schrift geht es vor allem um Schule und Bildung. Luther äußert sich dabei zur Frage nach der Sprachenbildung. Dazu will ich einen kurzen Abschnitt zitieren, den ich im Vorwort zum _Neuen sprachlichen Schlüssel zum griechischen Neuen Testament_ gefunden habe:
Denn das können wir nicht leugnen: Obwohl das Evangelium allein durch den heiligen Geist gekommen ist und täglich kommt, so ist’s doch durch das Mittel der Sprachen gekommen und hat auch dadurch zugenommen, muß auch dadurch behalten werden …
So lieb nun wie uns das Evangelium ist, so eifrig laßt uns über den Sprachen wachen … Denn Gott hat seine Schrift nicht umsonst allein in den zwei Sprachen schreiben lassen: das Alte Testament in der hebräischen Sprache, das Neue in der griechischen. Wenn Gott sie nun auch nicht verachtet, sondern vor allen andern zu seinem Wort erwählt hat, sollen auch wir sie vor allen andern ehren … So kann auch das griechische wohl “heilig” heißen, weil sie vor andern dazu erwählt ist, daß das Neue Testament drin geschrieben würde … Und laßt uns das gesagt sein, daß wir das Evangelium ohne die Sprachen nicht gut behalten werden …
Darum haben’s die Apostel auch selbst für nötig angesehen, daß sie das Neue Testament in die griechische Sprache faßten und anbanden … Darum ist’s sicher: Wo nicht die Sprachen bleiben, da muss zuletzt das Evangelium untergehen … Und in Summa: Der heilige Geist ist kein Narr, gehet auch nicht mit leichtfertigen, unnötigen Sachen um, der hat die Sprachen in der Christenheit für so von Nutzen und Nöten erachtet, daß er sie oftmals vom Himmel mit sich gebracht hat, was uns allein genugsam bewegen sollte, dieselben mit Fleiß und Ehren zu suchen und nicht zu verachten …”
Gerade in einer Zeit, in der Theologie auch von christlicher Seite als übertrieben, unnötig und veraltet angesehen wird und man Angesichts der dutzend Übersetzungen meint, Griechisch und Hebräisch zu können sei ein Luxus, um seine theologische Besserwisserei nun auch mit tollen Vokabeln zu schmücken, sollte man von den Reformatoren lernen, die in ihrer Zeit wieder auf die Ursprachen zurückschauten und daraus viele biblische Wahrheiten neu erkannten.
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