Ich hab heute mein letztes Examen für den Sommer geschrieben. Zwei Fächer im Rahmen von Systematischer Theologie: Fundamentaltheologie und Philosophiegeschichte. Die Fragen an sich waren nicht schwer. Aber man hatte für beide Fächer zusammen nur vier Stunden Zeit. Dadurch musste man sich ziemlich kurz fassen. Wir bekamen einen Fragenkatalog aus dem wir uns dann eine bestimmte Anzahl von Fragen aussuchen konnte, die wir essayhaft beantworten sollten. Das ist ein gutes System.
In Fundamenthaltheologie habe ich über den Vergleich des Schriftverständnis von fundamentalistischen Moslems und Christen bezüglich Koran und Bibel, dann über die Frage nach Gotteswort und Menschenwort und Verhältnis von Gottes Wort und Charakter der menschlichen Autoren und zum Schluss über die drei Grundprinzipien der historischen Auslegung bei Troeltsch geschrieben. Ganz ehrlich gesagt habe ich für FT nix gelernt im voraus. Vieles von dem habe ich schon mal in Brake behandelt. Ich hoffe nur, ich hab den Mund jetzt nicht zu voll genommen
In Philosophiegeschichte habe ich zuerst über Argumente für den Beweis Gottes geschrieben. Dabei habe ich einen anderen Ansatz gewählt, als man das sicherlich klassischerweise erwartet. Normal würde dann “Ontologischer” “kosmologischer” “teleologischer” “blablub” Gottesbeweis erwartet werden. Ich habe geschrieben, dass die Frage nicht lautet: “Wieso glaubst du an Gott” sondern “Wieso glaubst du nicht an Gott?” im Hinblick darauf, dass bei weitem der größte Teil der Menschheit an ein wie auch immer geartetes metaphysisches Wesen glaubt, dass meistens als Gott bezeichnet wird. Hier ist meiner Meinung nach der Atheismus, als Minderheitenposition, im Zugzwang sich erklären zu müssen. Da sollten wir als Christ unsere durch die Aufklärung und Neuzeit aufgeladenen Minderwertigkeitskomplexe abwerfen (ohne natürlich überheblich zu werden). Natürlich würden dann die Argumente kommen würden wie: “Hat die Wissenschaft Gott nicht überflüssig gemacht?” Dabei wird übersehen, dass dass ja in keinster Weise die ontologische Existenz Gottes (also die tatsächliche Existenz) in keinster Weise berühren würde, wenn die Wissenschaft selbst jedes kleinste Rätsel der Menschheit lösen würde. Gott ist ja nicht davon abhängig ob er für wissenschaftliche Erklärungen benötigt wird. Sicherlich würde auch der Einwand kommen: “Wie kann es Gott trotz des Leidens in der Welt geben?” Auch das eine klassische Frage die aber genauso wie die vorhergehende in keinster Weise die Frage nach der Existenz Gottes ankratzt. Hier geht es höchstens darum, _wie_ Gott ist, aber nicht _ob_ Gott ist. Denn denkbar wäre ja auch ein sadistischer Gott. Mir mag ein solcher Gott nicht zusagen, aber ich mag Lakritz auch nicht und das beeinflusst in keinster Weise die Existenz dieser Süssigkeit.
Als nächstes habe ich über Popper und seinen kritischen Rationalismus geschrieben. Auch sehr interessant. Vor allem auch eine Herausforderung für uns Theologen (und überhaupt jede Geisteswissenschaft). Wir neigen ja, als typisch Mensch, dazu, alles zu übersehen, was unsere Ideen ankratzen könnte. Nach Popper muss man aber gerade danach suchen, was die eigene Theorie widerlegen könnte. Ein guter Wissenschaftler versucht möglichst, seine eigene Theorie zu widerlegen, mit allen Mitteln. Nur dadurch kann sie sich bewähren. Guter Ansatz, wenn auch sicherlich genau umgekehrt zu dem, was man oft macht.
Als letztes habe ich über Nietzsche geschrieben und sein “Tod-Gottes” Parolen, exemplarisch am “tollen Menschen” aus der fröhlichen Wissenschaft. Den Text hatte ich schon als Abiturprüfungstext in Ethik gehabt. Nur hatte ich damals ein ganz anderes Bild von Nietzsche gehabt, als ich es in den letzten Wochen erhalten habe. Edith Düsings Vorlesung und ihr Buch “Nietzsches Denkweg” haben mir da sehr weitergeholfen. Jetzt verstehe ich auch den tollen Menschen um einiges besser, und zwar nicht mehr als antichristliches Manifest, sondern in erster Linie als Verzweiflungsschrei eines Mannes, der den lebendigen Gott gesucht hat und einen toten Gott gefunden hat und darüber zerbricht und als Ausweg die Flucht zum Übermenschen und zum Willen zur Macht ergreift. Nietzsche wird zu oft zu einseitig gesehen. Das ist mir jetzt bewusst geworden. Ich müsste mich wirklich mal mehr mit ihm beschäftigen.
So, das war mein letztes Examen. Das zweite Semester und das erste Jahr sind vorbei. Jetzt habe ich bis mitte Oktober Pause. Was ich machen werde weiß ich noch nicht. Aber ich will diesen Sommer mal ganz ruhig angehen. Vielleicht schaffe ich ein paar kleinere Projekte und Dinge, die ich vorhatte und nicht hinbekam. Ich hoffe, dass ich jetzt auch wieder etwas mehr Zeit für Xrossblog haben werde und hier ein paar Dinge abliefern kann.
Danke allen, die mich begleitet haben in diesem Jahr bis jetzt. Ohne euch wäre es schwieriger geworden. Aber ich bin weiter auf euer Gebet und eure Unterstützung angewiesen.
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Juli 25th, 2006 at 18:42
Hört sich doch wirklich gut an! Wünsche dir von Herzen gute Ergebnisse und weiterhin viel Spaß & Konzentration für’s Studium
Juli 26th, 2006 at 8:15
Na dann, geniess den Sommer und die Wärme! Und entdecke die Welt ausserhalb von Schreibtisch und Bildschirm & Büchern. Es gibt sie immer noch