Ich schau seit einigen Wochen regelmäßig beim “Brockhaus Verlag” und beim “Brunnen Verlag” vorbei, weil beide Verlage die Theologische Verlagsgemeinschaft (TVG) gegründet haben. Und diese TVG hat 2004 damit angefangen, eine ziemlich gute Kommentarreihe heraus zu bringen. Zumindest die ersten beiden Bände über den Jakobusbrief (Ausgelegt von Gerhard Maier) und über den ersten Brief an Timotheus (Ausgelegt von Heinz-Werner Neudorfer) zählen mit zu dem Besten, was deutsche evangelikale Theologen zu Stande gebracht haben (Vgl. mein “knappes Review” auf meinem alten Blog).
Im April kommen zwei neue Bände auf den Markt. Eckhard Schnabel, der den 1000-seitigen Knaller “Urchristliche Mission” verfasst hat, legt den “1. Korintherbrief” aus. Und wieder hat er die 1000 Seiten Schallmauer geknackt. Auf diesen Band bin ich wirklich gespannt.
Und als zweiter Band erscheint eine Auslegung des _Titusbriefes_. Wer den jetzt ausgelegt hat, das ist mir nicht so ganz klar. Auf der “Info Seite“steht in der Überschrift “Neudorfer”, der ja schon 1.Tim ausgelegt hatte. Auf dem kleinen Bild ist aber “Rüdiger Fuchs” angegeben.
Ich muss jetzt schon mal sparen. Die beiden Bände haben nicht nur Seitenmäßig gut zugelegt (die ersten beiden Bände hatten beide einen Umfang von knapp über 220 Seiten. Der Titus-Kommentar wird über 400 Seiten dick sein, und der 1Korinther, wie geschrieben, scheinbar über 1000 Seiten), sondern auch Kostenmäßig. Haben die ersten beiden Bände knapp 20€ gekostet, so gehen die neuen Bände 30€ bzw. 50€ eher in die Regionen “handelsüblicher” wissenschaftlicher Kommentare, wobei sie trotzdem noch vergleichsweise günstig sind.
Wenn diese beiden Bände mit den beiden ersten mithalten können (oder diese sogar übertreffen), dann werde ich die ganze Reihe abonnieren.
Update: Beim Brockhaus Verlag wird Rüdiger Fuchs als Autor des Titus Kommentars genannt. Rüdiger Fuchs hat das Buch “Unerwartete Unterschiede” verfasst, bei dem er, eigentlich als Facharbeit für sein Theologiestudium, die bisherigen Argumente für die angebliche Deuteropaulinische Verfasserschaft der Pastoralbriefe untersucht. Dabei kommt er, wie sollte es anders sein ;-), zu dem Ergebniss, dass die Zweifel an der Paulinischen Verfasserschaft zumindest nicht so zwingend sind, wie es häufig dargestellt wird (gerade über die Pastoralbriefe besteht ja heute keine Diskussion mehr darüber, ob sie von Paulus verfasst wurde oder nicht.). Ich wollte das Buch schon seit längerem mal genauer anschauen, bin aber noch nicht dazu gekommen. Fuchs dürfte sich also ganz ordentlich mit den Pastoralbriefen insgesamt auseinandergesetzt haben. Mal schauen, was er so ans Licht fördert.
Update 2: Das hätte ich schon vor langer Zeit einfügen sollen und komme erst jetzt auf den Gedanken. Leider wird Rüdiger Fuchs aus verschiedenen Gründen doch nicht den Titus-Band zur HTA liefern.
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January 24th, 2006 at 1:14
Wow, cool. Da freue ich mich schon echt drauf. Was denkst du, können diese
evangelikale Kommentare mit den “großen” mithalten?
January 24th, 2006 at 10:06
Tja, ist halt immer die Frage, mit welchen “großen” du das vergleichst? Es gibt verschiedene
Kommentargruppen (Wissenschaftlich, Homiletisch, etc)
EKK, KEK? Oder WBC, NICNT?
Die HTA Reihe ist irgendwo zwischen KEK und WBC/NICNT.
Sie ergeht sich nicht in historisch-kritischem Geplänkel, wie der EKK (Evangelisch-Katholischer Kommentar), aber nicht ahistorisch.
Und ich habe vom Brockhaus Verlag die “Roadmap” bekommen, mit einigen Autoren, die mitschreiben an der Reihe. Das sieht ganz vielversprechend aus, da sind einige große Kaliber mit dabei. Also ich bin auf jeden Fall sicher, dass sich diese Reihe auch hinter den evangelikalen englisch-sprachigen Werken nicht verstecken muss, wenn sie auf dem gleichen Niveau bleibt, wie bisher.
January 24th, 2006 at 13:58
Ist ja super, was da auf uns zukommt!
Leider ist es mich nicht möglich so viele Bücher immer hin und her zu fliegen… Die sollten es
sofort auf CD rausbringen. Also das Zeug von Shnabel ist jedenfalls genial (sind sogar 1800 Seiter).
Hab um nich 27Kg zu erleichtern jetzt auch schon den Kittel verkauft. Edition C und einige weitere
Sachen. Hab das Geld wieder raus, was ich reingestecht habe. Sorry, der 6. Band vom Kittel ist auch weg!
January 25th, 2006 at 0:08
Danke für den Tipp! Einen Kommentar für 1Kor könnte ich gut gebrauchen. Bin gespannt, was er über die heiklen Stellen schreibt (Kopftuch usw.)
Gruß aus der Nachtschicht,
Danny
April 7th, 2006 at 17:23
Hallo, ich bin der o.g. Autor von “Unerwartete Unterschiede”. Einerseits der Hinweis: Ich habe meine Sicht der Dinge inzwischen weiter ausgebaut. Ein Aufsatz zur Liebe in den Past erschien 2004 im Jahrbuch für evangelikale Theologie bei Brockhaus. Ein anderer Aufsatz erscheint in diesen Tagen oder ist schon erschienen im European Journal of Theology zum sehr unterschiedlichen Gebrauch der griechischen Wore “gut” (agathos) und “schön” (kalos) in den drei Briefen. Meine Hauptthese: Ich widerspreche dr Forschermehrheit, die die drei Briefe an Timotheus und Titus wie einen Brief in drei Kapiteln be- bzw. misshandelt. Wenn man aber die drei sehr verschiedenen Briefe einzeln untersucht, fallen nicht nur die Unechtheitsargumente weitgehend in sich zusammen, sondern man erkennt die ganz unterschiedlichen Absichten des autoren gegenüber sehr unterschiedlichen Adressaten. Andererseits: Ich habe mein Kommentarprojekt bei HTA abgebrochen. Es war noch zu viel zu tun. Ich kann das zurzeit nicht leisten. Der kommentar “wächst” also erst mal so vor sich hin
Gruß, Rüdiger Fuchs
April 7th, 2006 at 17:33
Schade. Aber Verzörgerungen gehören bei guten Kommentaren wahrscheinlich zwangsläufig dazu
Ihren Aufsatz im JETh hatte ich mir mal angeschaut. Das neue EJT ist noch nicht in der FTA Bibliothek erhältlich. Vielleicht kommt das die nächsten Tage.
Ich hoffe, dass sie mit Ihrer Arbeit gut vorankommen und es schaffen werden, den Kommentar fertig zu bekommen.
April 8th, 2006 at 7:44
Bei HTA wird’s nichts. Ich mache das jetzt erst mal “freischaffend” ohne Vorgaben. Mein erster über 400-Seiten-Entwurf müsste nach Meinung der Herausgeber noch zu viel umgearbeitet werden. Das schaffe ich als Pastor derzeit nicht. Andererseits werde ich viele neue Beobachtungen, die ich beim Schreiben der Erstversion von Tit-Komm machte, in Aufsätzen schon vorab weitergeben, etwa dass in Tit das Gottesverhältnis der Gemeindeglieder immer ein indirektes ist und Gebet bewusst vermieden wird, während in den Tim-Briefen Gebet zentral wichtig ist und das Verhältnis zu Gott und Jesus ohne Vermittlerinstanzen wie personifizierte Eigenschaften Gottes (Tit 2,11; 3,4) oder die Lehre oder den Logos Gottes usw. möglich und selbstverständlich ist. In Tit wird Paulus “philonisch” - also im Stil des jüd. Hermeneutikers Philo von Alexandrien und vieler anderer hell. Juden, die Griechen ihren Galuben darstellen möchten - den Griechen ein Grieche und den hell. Juden ein Jude (vgl.seine Methode 1.Kor 9,19ff mit Apg 13,16ff einerseits und Apg 17.16ff andererseits), die erst vor kurzem Chrsten wurden und ihm nicht pers. bekannt sind usw.
Liebe Grüße, Rüdiger
April 8th, 2006 at 7:57
Sorry, vergaß noch eine kleine Ergänzung. Soeben hat einer meiner Lehrer, Professor Rainer Riesner, einen Aufsatz herausgebracht, der meine These in Unerwartete Unterschiede mit manchem Argument unterstützt: Once more: Luke-Acts and the Pastoral Epistles, in: Festschrift E. Earle Ellis “History and Exegesis - New Testament Essays in Honor of Dr. E. Earle Ellis for his 80th Birthday, Ed. Sang-Won (Aaron) Son, New York . London 2006, S. 239-258. Sehr empfehlenswert
Rüdiger
April 8th, 2006 at 8:50
Hört sich auf jeden Fall interessant an. Auch wenn das mit der HTA nichts wird, was ich sehr schade finde, denn ich setze große Hoffnungen in diese Reihe.
Auch wenn die Past momentan bei mir nicht unbedingt ein Interessens-Schwerpunkt sind, bin ich aber trotzdem gespannt, was da noch alles kommt.
Ihnen viel Segen bei ihrer Gemeindedienst und Ihrerer Arbeit nebenbei.
April 8th, 2006 at 9:36
Jo, HTA kann echt was ganz Wichtiges werden. Fundierte hist. Arbeit auf dem Niveau der hist.-krit. Kommentare als echte Alternative. Schaun wir mal! Rüdiger
May 9th, 2006 at 19:41
Hallo Rüdiger Fuchs,
gibt es trotz des Ausstiegs bei der HTA-Reihe, eine Möglichkeit, die 400 Seiten oder Auszüge zu lesen?
Würde mich sehr dafür interessieren!
LG
Thorsten
May 15th, 2006 at 8:04
Nochmal: Hallo Thorsten. Klar, kann ich dir den Kommentar in “Baustellenversion” zusenden. Meine Tel. 04363 - 1613 (dienstlich). Ruf doch einfach mal an, o.k.?
Rüdiger
May 17th, 2006 at 11:14
Hi kapeka,
bekommen. Zurzeit lese ich wieder mehr Sekundärliteratur und puzzle an den “Past” rum.
falls du mal meine “Unerwarteten Unterschiede” tatsächlich näher anscheune solltest - ich bin sehr an feedback interessiert. Stilistisch bin ich z.B. kein Meister und hab da ja auch schon in JETh 2004 von Buchegger “kleine Anregungen”
Noch’n Tipp: Ab heute soll bei Amazon der neue Kommentar (”nur” 800 Seiten stark :-)) meines Freundes Philipp Towner erhältlich sein. Er legt die Briefe ebenfalls als drei Einzelschreiben und paulinisch aus, hat sogar Sympathie für van Bruggens und meine Früh-Datierung. Sehr gut zu lesen, obwohl Englisch, sehr fundiert und informativ und nicht nur wissenschaftlich brauchbar. Ich konnte ihn vorab lesen - m.E. der beste Kommentar, den ich zu den drei Briefen bisher gelesen habe. Aber - ich da natürlich nicht objektiv
LG Rüdiger
May 17th, 2006 at 11:27
Vielleicht schaff ich es ja mal, neben den 10 anderen Büchern die auf meinem Tisch liegen, in dein Buch hineinzuschauen
Aber es ist ja auch nicht soo dick, das sollte also gehen. Ich werd dir dann ne eMail schicken.
Und danke für den Hinweis mit dem Kommentar. Ich bin immer auf der Suche nach guten Kommentaren. Als Student hat man das Geld ja nicht immer so flüssig, da will man nicht irgendwas kaufen
Karl
May 18th, 2006 at 9:03
Täusche dich nicht! Mein “Büchlein” ist zwar nicht dick, aber mal eben “reinschaun” ist schwierig, weil ich a) einen Weg mit dem Leser gehe und du also spätere Kapitel ohne vorangehende nicht mit vollem Gewinn lesen kannst und b) teilweise intensive Arbeit an den Texten der drei Briefe notwendig ist. Tipp: Markiere vor der Lektüre von Kap. 2 + 3 vor allem alle Titel, die Gott und Jesus erhalten und auch die Worte “Gott” und “Jesus” selbst vorab im griechischen (oder weniger gut: deutschen) Text mit ganz verschiedenen Fraben, z.B. Soter (”Heiland”/”Retter”) immer rot, Kyrios (”Herr”) immer grün, Christus immer Gelb, Jesus immer orange, Gott blau usw. auch: Kyrios mit und ohne best. Art. anders bzw. den Artikel extra färben. Du kommst ins Staunen, wo best. Worte und Titel verwendet werden und wo nicht und darüber, dass jeder Brief für je andere Adressaten sehr anders gefärbt ist = andere Botschaften/Themen. Hast du das alles markiert (eine Conputerkonkordanz zum griech. NT hilft da), dann lies mal z.B. Kap. 3. Viel Entdeckerfreude und Spaß dabei! Solche Methode kannst du auch am Röm sehr gewinnbringend ausprobieren!
May 18th, 2006 at 9:37
Hast du überlegt, ob du nicht einen Studienführer durch die Pastoralbriefe schreiben solltest?
Die Erkenntnisse deiner wissenschaftlichen Arbeit populärwissenschaftlich (im positiven Sinn: solides Fundament, aber für eine breite Zielgruppe) verarbeitet
May 18th, 2006 at 10:34
Nette Anregung - aber, wie gesagt, ich bin Pastor und hab echt ne Menge anderes zu tun…
Noch’n Appetithappen für dich: Wenn du meine “Mahlstunden”-Anregung echt durchführst (am besten mit kopierten, griechischen Briefen in ganzer länge zusammengeklebt vor Augen!) und z.B. Kap. 3 liest, weißt du - wichtig, wichtig - z.B. endlich, wann und warum Paulus nicht beliebig mal Jesus Christus und mal Christus Jesus oder nur Christus und nur Jesus usw. schreibt etc. pp. Wolltest du sicher schon lange mal wissen, oder?
Jedenfalls war der alte Prof. Otto Michel noch ganz angetan von meinen Versuchen zur (Titel)Christologie im Röm und in den “Past”…
übrigens: Der Thorsten, der gern meine Kommentar”baustelle” lesen möchte, der meldet sich nicht. Hast du connections zu dem?
May 23rd, 2006 at 18:37
Hier meldet er sich! Bin Jugenpastor-diakon usw. und im Moment in 3 Gemeinden tätig. 2 FeG`s und eine Landeskirche! Also viel zu tun. Habe aber mit deinem Kommentar angefangen. Bin gespannt, wohin er mich führt, auch wenn ich nicht alle Gedankengänge nachvollziehen kann. Mache mir meine Notizen und melde mich mal wieder! Allerdings bin ich ein Praktiker, werde also deinen Kommentar unter diesem Blickwinkel lesen! Ich hoffe auch das kann dir helfen.
May 24th, 2006 at 8:35
Hallo Thorsten,
da ich auch Pastor bin (ev.-luth.) und Praktiker, hoffe ich, dass du genau unter diesem Blickwinkel mein Geschreibsel durchsiehst. Denn: Rein wissenschaftlichen Kauderwelsch, der für die Gemeinde- und Gottesdienstarbeit nichts austrägt, haben wir schon genug. Und: Wenn du mir, sozusagen als Gegenleistung für meinen “Rohbau”, deine Anmerkungen schickst, dann würde mir das sehr weiterhelfen. Der Kommentar soll auf jeden Fall fertig werden, wann auch immer. Vielleicht hast du ja auch Lust auf ein Co - Projekt?
LG, Rüdiger
May 24th, 2006 at 8:37
Lieber Karl,
bei meinen Beiträgen hier sehe ich schon zum zweiten Mal striche über einigen Zeilen. Ist das mein PC-Problem? Oder ist das auch sonst so zu sehen? Technik, Technik…
Gruß, Rüdiger
May 24th, 2006 at 9:17
Hallo Rüdiger,
die Anfrage ehrt mich. Ich denke, da kann ich noch ne Menge lernen! Kannst dir ja meine Kommentare durchlesen und dann überlegen, ob du damit etwas anfangen kannst. Lust auf ein Co-Projekt hätte ich schon. Aber wie gesagt, dazu brauche ich etwas Zeit!
Hier meine Dienstnummer 0212/17375.
LG
Thorsten
May 24th, 2006 at 9:19
Das war die falsche Nummer: 02129/1319
May 24th, 2006 at 9:58
@ Rüdiger:
Das kommt wegen “Textile”. Da ist ein Formatierungssystem. Wenn ich z.B. ein oder mehrere Wörter zwischen * * packe, dann wird es fett: *fett*
Und wenn ich es zwischen Bindestriche packe, dann wird es durchgestrichen: -durchgestrichen-
Was am Ende zu sehen ist solltest du rechts in der Vorschau sehen … wobei der Internet Explorer glaub ich etwas Probleme damit hat.