Ich durfte gestern und vorgestern wieder mal auf meine kleine Nichte aufpassen. Und als ich so mit ihr spielte, da wurde mir wieder bewusst, wie Recht Jesus hatte, als er sagte: werdet wie die Kinder. Sie geht so unbekümmert durchs Leben, sorgt sich nicht über Politik, Terror, Hebräisch. Das alles spielt für sie keine Rolle.
Ihr ganzer Kosmos ist das Blatt am Baum, das sich im Wind bewegt, das Auto, das vorbeifährt oder der Hund, der in der Ferne bellt. Sie zeigt so viel Interesse an den Dingen des Alltags, die ich schon längst nicht mehr beachte, weil sie so normal geworden sind.
Natürlich gibt es kein zurück mehr. Und wir sollen nicht anfangen, uns wie Kinder zu benehmen. Es gibt die Zeit, in der man Kind ist, aber dann ist die Zeit irgendwann vorbei. Und das ist von Gott so gedacht. Dennoch täte es mir und uns vielleicht ganz gut, manchmal etwas unbeschwerter und unbesorgter ins Leben zu gehen, auch die Kleinigkeiten wieder zu sehen und das Staunen neu zu lernen. Ich merke, wie sehr ich das verlernt habe, wenn ich mit der Kleinen zusammen bin. Es schwirren einem so viele Dinge durch den Kopf, dass man das “Jetzt” nicht mehr bemerkt und nur im Gestern und im Morgen lebt.
Gestern Abend kam mir dann ein kleines Gedicht in den Sinn, dass das ein wenig umreißt.
In deinem Lächeln finde ich wieder,
was ich verloren glaubte,
was das Leben aus mir saugte,
was der Alltag mir raubte:
Die Unbekümmertheit des Lebens,
die Freude des Gebens,
keine Hast des Strebens,
keine Jagd nach dem, was vergebens.
Die Leichtigkeit des Sein,
das Glück des Augenblicks allein,
so kindlich und rein,
so wird es nie mehr sein…
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Oktober 6th, 2006 at 18:12
Uff, ich bin platt, daß du unter Poeten gegangen bist und so voll Gefühle. Aber du hast vollkommen recht.
Oktober 6th, 2006 at 19:39
Hey Karl,
mir gefällt dein Gedicht! Is echt gut!
Allerdings kann ich nicht so 100% mit deiner Aussage übereinstimmen, dass wir nicht mehr so einen Blick haben können wie die Kinder. Es stimmt, dass wir nicht mehr wie Kinder werden können, aber ich denke wir können & sollten vielleicht wieder lernen, uns an der Natur & an all dem Schönen zu erfreuen! Und ich bin davon überzeugt, dass man es lernen kann wieder ein bisschen zumindestens diesen Blick der Kinder zu erhalten.