Eigentlich sollte das nur ein Geflüster werden. Aber es soll nicht nur eine kurze Nachricht am Rande sein. Ich will jetzt nicht irgendwelche überheblichen “Ich hab’s gewusst” von mir geben. Dennoch! Als der Irak-Krieg begann, war ich sehr sehr skeptisch, ob das alles so richtig war. Ich habe den USA die Geschichte nicht wirklich abgekauft.
Und das habe ich auch damals offen gesagt und viel Prügel von verschiedener Seite eingesteckt. Ich sei Anti-Amerikanisch, man müsse die Freiheit wollen, das sei doch alles so offensichtlich etc. Damals habe ich auch befürchtet, dass kein Schwein pfeifen wird, wenn herauskommen sollte, dass es doch nicht so war, wie die US Regierung die Welt glauben lassen wollte. Wer wird sich schon über vergangenes aufregen wollen? Was geschehen ist, ist geschehen. Und Saddam Hussein ist weg.
Heute, drei Jahre später, hat eine umfangreiche Untersuchung des US Senats ergeben, dass Saddam Hussein niemals mit Al-Qaida zusammen gearbeitet hat. Ja er hat deren Mitglieder sogar verfolgt und sich vor ihr gefürchtet. Und es gibt keinen einzigen Hinweis auf das damals so heraufbeschworene Atom-Programm im Irak. Keine mobilen Labore, keine Bio Waffen, rein gar nichts.
War Saddam Hussein ein grausamer Diktator? Ja, aber auch nicht schlechter, als viele andere Diktatoren, die bisher absolut unangetastet regieren. War es das Wert, dass sich die USA so in Misskredit gebracht haben? Heute sind die Kräfte der USA in Afghanistan und im Irak gebunden. Und eine weit größere Bedrohung als es der Irak seit langem war, zeigt der Welt den Stinkefinger. Der Iran prahlt offen mit seinem Atomprogramm.
Aber gerade jetzt, wo ein starkes Amerika im Zusammenspiel mit anderen Ländern notwendig wäre, ist es angeschlagen, moralisch (Guantanamo, die CIA Gefängnisse, die Folter, der Irak) und zugleich politisch (Bush musste viele Rückschläge hinnehmen. Selbst die Konservativen zweifeln an ihm, weil er auf einmal so zahm geworden ist, die NeoCons sind ein Schatten ihrer selber), und militärisch.
Eine unbesiegbare Supermacht kann sich nur selber zu Fall bringen…
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September 9th, 2006 at 1:38
Muss sagen, ich war vor und auch ne zeit lang danach für den krieg gewesen. warum?
1. fast jeder hat an die abc-waffenprogramme von saddam geglaubt. saddam hat ständig seine spielchen mit den kontrolleuren gespielt und dadurch unnötig den verdacht bestärkt. selber schuld. irak war auch der einzige staat, der offiziell den 11.9. gefeiert hat.
2. saddam war einer der schlimmsten diktatoren (klar, gibt schlimmere). außerdem hat er nie einen hehl daraus gemacht, israel vernichten zu wollen (ähnlich wie heute iran).
3. der krieg ist eigentlich unausweichlich, früher oder später kommt er eh
4. mich haben die anti-kriegs-demos genervt, die leute, die alle keine ahnung hatten, aber hauptsache anti-bush. und schröder gewinnt dadurch eine eigentlich schon verlorene wahl.
5. ich wusste, dass die situation im irak schwierig ist, weil die sunnitische minderheit die schiitische mehrheit unterdrückte. aber ich dachte (wirklich!), dass die amis schon ein konzept für nach den krieg hätten. naja falsch gedacht.
das argument mit al-kaida hatte mich allerdings verwundert, zumal bin laden saddam immer als ungläubigen beschimpft hatte (kam in irgendner doku).
heute wissen wir alle, dass der irak-krieg ein griff ins klo war.
September 9th, 2006 at 12:07
Klar, der Irak-Krieg ist ein schwieriges Thema. Aber als Griff ins Klo würde ich ihn dennoch nicht bezeichnen. Vergleicht man die heutige Situation im Irak mit der Zeit, als Saddam noch fest im Sessel sass, dann ist es unter dem Strich viel (!) besser.
Du schreibst:
“War Saddam Hussein ein grausamer Diktator? Ja, aber auch nicht schlechter, als viele andere Diktatoren, die bisher absolut unangetastet regieren.”
Das bezweifle ich. Saddam war wohl der schlimmste Diktator seit Hitler und Stalin. Kaum einer ist so skrupellos mit Menschenleben umgegangen. Und die Welt ohne Saddam ist gewiss eine bessere Welt…
Aber es stimmt: Die Amis habe Fehler gemacht. Und ob es im Endeffekt tatsächlich richtig war, im Irak einzumarschieren…? Das weiss ich heute auch nicht mehr.
September 9th, 2006 at 12:56
Erstmal danke für die Antworten. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich möchte Saddam auch nicht zurück haben. Das er weg ist, dass ist auf jeden gut. Ohne Zweifel.
Und dennoch sehe ich in ihm nicht den schlimmsten Diktator seid Hitler und Stalin. Da gab es vor Saddam schlimmere (Pol Pot etc) und auch jetzt, z.b. in Nordkorea. Dort wird ein ganzes Volk dem Huntertod ausgesetzt. Selbst in seinen schlimmsten Tagen war Saddam nicht so grausam. Oder die von der Regierung in Ruanda befohlenen Massaker.
Es gibt also andere, die sicherlich auf dem gleichen Level spielen wie Saddam. Und gerade weil es neben Saddam einige andere gibt, die bisher unangetastet geblieben sind, weckt das bei vielen (verständlich) Argwohn gegenüber den Motiven der USA. Und jetzt, wo herausgekommen ist, dass ihr Haupt-Kriegsgrund nur eine Farce war, wird diese Argwohn noch größer werden. Hätten die USA ehrlich gesagt: “Wir wollen Saddam weg haben, weil er die Kurden umgebracht hat” und wäre das ihre einzige Begründung gewesen dann wäre der Krieg immer noch fragwürdig, aber immerhin ohne Vortäuschung falscher Tatsachen. Wie lächerlich wirkt jetzt im nachhinein der Auftritt des armen Powell (gerade er!) vor der UNO, mit seinem “smoking guns”, seinen unwiderlegbaren Beweisen…
September 9th, 2006 at 13:55
Hätten die USA ehrlich gesagt: “Wir wollen Saddam weg haben, weil er die Kurden umgebracht hat”
Was aber nach 20(?) Jahren auch komisch kommt. Ehrlicherweise hätten sie vielleicht sagen sollen, “Saddam ist ein großer Unsicherheitsfaktor in der Region und für die Weltwirtschaft (Öl), er macht keinen Hehl aus seinen Kriegsabsichten gegenüber Israel und kooperiert nicht mit der UN. Es wäre für die Weltwirtschaft besser, wenn der Irak unter Kontrolle einer vom Westen kontrollierten Regierung stehen würde. Dann ist dort Frieden und Demokratie und das Öl fließt usw.”
Vermutlich haben sie wirklich gedacht, dass die Iraker nur auf die Demokratie gewartet haben und dann immer auch demokratische Parteien wählen, wie in Deutschland nach dem Zweiten WK. Aber das klappt halt nicht so einfach. Sieht man auch in Palästina. Selbst in Deutschland hat es nach den ersten freien Wahlen 1848/49 100 Jahre gedauert, bis sich eine stabile Demokratie etabliert hatte.
September 10th, 2006 at 19:11
Wenn ich mir die Massenvernichtung der Kurden im Nordirak anschaue, die Herr Sadam befohlen hatte, dann denke ich schon, dass er vergleichbar ist mit dem Diktator in Nordkorea.
Nur zu sagen, dass die Situation jetzt besser sei als vorher, wage ich zu bezweifeln. Wenn man sich anschaut wie viele Iraker in einem Monat allein in Bagdad sterben, weil eine gewisse Form von Anarchie herrscht, dann sehe ich keine Verbesserung der Lage. Es stimmt, sie habe eine Demokratie, oder besser gesagt Scheindemokratie. Nur man kann nicht eine ganze Gesellschaft verändern, indem man als fremde Nation in ein Land eindringt und ihnen eine neue Lebensform bringt. Eine Veränderung hin zur Demokratie muss von “innen” heraus geschehen.
Und nur mal so ne Frage am Rande: “Ist Demokratie überhaupt die beste Regierungsform?”
September 11th, 2006 at 12:07
Ambivalent, ist wohl das richtige Wort, um die Situation im Irak zu bezeichnen. Hier etwas zum Nachdenken:
http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/middle_east/4805322.stm
http://www.realclearpolitics.com/articles/2006/03/myths_of_iraq.html
[Bemerkung: ich stelle diese Beiträge zur Diskussion. Nichts mehr und nichts weniger...]
Und etwas muss man der amerikanischen Regierung doch zugute halten: Sie sind kritikfähig und sie haben auch die Grösse, Fehler einzugestehen.
[nebenbei: ich erinnere mich da an einen deutschen Bundeskanzler, der vor Grössenwahn die Wahlniederlage nicht eingestehen wollte...
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