Ich hab’ mir gerade die Volxbibel auf MP3 angehört. Also nicht die Komplette, denn die gibt’s noch nicht komplett auf MP3 (Wenn “Martin D.” von “Open Source” Bibel redet, dann hoffe ich, dass das nicht nur ein Marketing-Trick ist, weil OS _cool_ ist momentan, sondern dass er auch ernst macht damit und die Bibel in alternativen Formen (eben auch: MP3 zum kostenlosen Download) unters Volk schmeißt (=>Die Bibel muss unters Volk?). Wieso nicht gleich unter eine OS Lizenz stellen, so dass ein kreativer Umgang damit ermöglicht wird, dann können auch andere für alternative Distributionsformen sorgen?). Aber auf der Frankfurter Buchemesse gab’s ein paar Abschnitte daraus als Lesung. Teile der Lesung stehen im MP3 Format zum Download bereit.
Wer nicht weiß, was die Volxbibel sein soll, der geht am Besten auf die Projekt-Homepage oder lädt sich deren Konzept-PDF herunter. Kurz gefasst will die Volxbibel eine Bibel in moderner Sprache sein. Das wollen viele, aber die Volxbibel will halt noch moderner sein.
Anmerkung im Vorhinein: Damit mir nicht gleich Vorwürfe gemacht werden, über die ich müde lächeln werde, weil sie absolut nicht auf mich zutreffen (z.b.: Du bist einer dieser verkalkten Pseudo-Theologen der morgens seine Elberfelder 1905 oder Luther 1912 mit Weihrauch weiht und eine Abneigung gegen dynamisch-kommunikative Übersetzungen hat und sowieso gegen alles, was nicht auf dem Textus Receptus basiert [damit dürfte ich alle eventuellen Vorwürfe in einem zusammengefasst haben]), hier ein paar Bemerkungen:
1. Ich hab’ nix gegen Dynamisch-Kommunikative Übersetzungen, wenn sie gut sind und wenn sie richtig verwendet werden. Ich verwende regelmäßig die Gute Nachricht und kann es kaum abwarten, die Neue Genfer Übersetzung (zumindest das NT) endlich fertig in Händen halten zu dürfen. Diese Übersetzungsarten haben ihren Sinn und Zweck. Eventuelle Kritik an der Volxbibel ist also nicht an das Prinzip hinter der Übersetzung gerichtet, oder den Versuch an sich, die Bibel in moderne Sprache zu kleiden.
2. Gegen einen Eventuellen Textus Rezeptus Vorwurf => bitte das hier lesen (ganz unten; ist mein alter Blog)
3. Ich hab nix gegen die Freaks
4. Ich hab nix gegen Martin D. (ich kenn den gar nicht)
5. Ich will auch, dass junge Menschen die Bibel mehr lesen und verstehen
Ich denke, damit sollten die meisten Standard-Vorwürfe abgedeckt sein.
Jetzt zu meiner Meinung zur Volxbibel (die wie gesagt nur auf den paar Texten in der Lesung basiert. Ich werd mit die vollständige Version auf jeden Fall mal zu Gemüte ziehen):
Es wurde ja viel Rummel im Vorfeld gemacht um die Volxbibel. Zeitweise wurde der “Brockhaus Verlag”:http://www.brockhaus-verlag.de ja von einigen besorgten Christen richtig unter Beschuss genommen, damit die Volxbibel nicht auf den Markt kommt. Auf der anderen Seite wurde dann von Supportern der Volxbibel eine Gegenkampagne gestartet “Rettet die Volxbibel” (© Soomah)
Ich als Befürworter moderner Übersetzungen war prinzipiell mehr der Volxbibel zugeneigt, aber ich wollte mir erst ein mal ein eigenes Bild verschaffen. Viel zu lesen gab’s aber damals noch nicht und was ich gelesen habe fand ich nicht unbedingt krass theologisch bedenklich, sondern einfach stilistisch/sprachlich unausgegoren.
Während ich die Lesung gehört habe, habe ich mir spontan vier Sachen notiert, die mir beim Zuhören in den Sinn gekommen sind (dabei will ich auch immer wieder den Bogen zu Martin Luther schlagen, der ja immer wieder als Vorbild und Referenz verwendet wird):
1. Jesus hat sich nicht nur an Jugendliche gerichtet: Wir leben ja in einer immer mehr zersplitternden Gesellschaft. Es gibt immer mehr Subkulturen, die oftmals nicht viel gemeinsam mit anderen Subkulturen haben. Und die Frage ist, wie Zielgruppengerichtet sollen wir sein? Kommt nach der Volxbibel (ist die wirklich fürs Volk?) die Hip-Hop Bibel, dann die Frauen-Bibel, dann die …? Ich find das jetzt schon lächerlich, wenn es diese extra Bibeleditionen für alle möglichen Gruppen gibt, wo zwar der Bibeltext gleich bleibt, aber dann das Papier z.B. einen Rosa-Lila Touch hat und ein paar Erklärungen extra an Frauen etc. gerichtet sind. Die Bücher der Bibel waren eben nicht nur an eine Zielgruppe verfasst, sondern für alle gedacht und für alle verfasst. Und auch Martin Luther hat bei seiner Übersetzung eben dem Volk und nicht nur den Jugendlichen “auf’s Maul geschaut”. Und die Jugendlichen (die es ja so auch nicht gibt, als einheitliche soziale Gruppe. Dazu komme ich noch) mit dem Volk gleichzusetzen und darüber hin die Alten, mit ihren berechtigten Ansprüchen und Bedürfnissen, zu vergessen (wie das viel zu oft in der Generationsdebatte geschieht) ist in meinen Augen genauso ignorant, wie wenn einige dieser Alten ihren Lebenstil und ihre Lebensgewohnheiten absolut setzen und darüber hin die Jugend vergessen, mit ihren berechtigten Ansprüchen und Bedürfnissen.
2. Problem an Jugendsprache: schnelle halbwertzeit und lokale Begrenztheit: Ich war schon an verschiedenen Orten in Deutschland. Und ich war bis vor kurzem noch Jugendlicher. Ein paar Erinnerungen daran habe ich also noch
Die Volxbibel ist voller “Jugendsprache”, hört sich bescheuert an, triffts aber. Viele der dort verwendeten Ausdrücke waren vor ein paar Jahren unter den meisten Jugendlichen total unbekannt oder für viele total bescheuert. Jetzt sind sie zwar sehr bekannt (vor allem, weil viele Begriffe aus der Hip-Hop Szene stammen, die momentan breit angesagt ist, aber das kann sich schnell wieder ändern (Vor zehn Jahren war es Techno, als alle Mark Oh und Marusha hörten und auf der Loveparade tanzten. Heute will’s keiner gewesen sein.) Vor allem variiert solche Sprache ja schon von Clique zu Clique. Und es gibts nicht peinlicheres, als durch die Verwendung “cooler” Sprache punkten zu wollen, die entweder gar nicht mehr oder zumindest hier nicht angesagt ist. Ich befürchte, dass das auch der Volxbibel schnell passieren kann. Es ist vielleicht die Sprache einiger Jugendlicher, aber sicherlich werden sehr viele durch diese Sprache auch abgehalten werden, weil es eben nicht “ihre” Sprache ist.
Wenn also in einigen Jahren (ich schätze fünf bis zehn Jahre, je nachdem welcher neue Trend unerwartet auftaucht) keine Sau mehr an Hip-Hop und deren “SprachCode” interessiert ist, dann muss eine Revision her. Und zwar nicht nur eine sanfte, wie es die Gute Nachricht ab und an mal erlebt, sondern eine größere. Das wird ganz schön kostspielig. Und eventuell gibt’s einen Volxbibel Versionen mischmasch.
3. Fast zwanghaft andere Sprache: Das ist mir sehr aufgefallen. Ich hatte beim zuhören und parallel lesen in der NGÜ fast den Eindruck, als müsse man unbedingt an jeder Stelle was neues bringen. Manchmal emfpand ich das als krampfhaft und übertrieben.
4. Nicht auf den Urtext zurückgegriffen: Bei diesem Punkt bin ich etwas vorsichtiger. Zwischen den Lesungen gab Martin D. immer wieder einige Erklärungen zur Volxbibel. Dort hat er gesagt, er hätte auf die Elberfelder, die Luther und die Hoffung für Alle zurückgegriffen und sich dann überlegt, wie man das heute formulieren könnte. Hm … gut, wir haben in Deutschland mittlerweile wirklich gute Übersetzungen. Aber das erinnert mich dennoch arg an “Stille Post”. Und hier denk ich wieder an Martin Luther. Sein Leitmotiv war “ad Fontes”, zurück zu den Quellen. Er hat zwar auch die Vulgata verwendet, weil er die als katholischer Mönch so flüssig lesen konnte, wie wir die Hoffnung für alle (und weil das halt damals und heute noch die Maßgebliche Übersetzung für die Katholische Kirche war und ist). Aber er hat auch auf die damals aktuellste Textkritische Ausgabe von Erasmus zurückgegriffen (die später als “Textus Receptus” bekannt wurde). Und er war überzeugt davon, dass die Kenntnis der Grundsprachen für Prediger etc. unerlässlich ist. Er wollte sogar in der Schule Griechisch, Hebräisch und Latein Unterricht haben (Schade das diese Tradition mit dem Ende der humanistischen Gymnasien in Deutschland eingegangen ist). Ihm war also klar, dass eine Übersetzung sich an dem Maßgeblichen Text zu orientieren hat, also dem Griechischen Grundtext im NT und dem Hebräisch/Aramäischen im AT.
Jaja, ist schon klar: “Haarspalter” “Man kanns auch übertreiben” blabla. Ich schreib das nicht, weil ich gerade Griechisch lerne und mich als King fühle, weil ich παιδευω konjugieren kann. Mir fällt das Sauschwer und ich denke mir auch manchmal, ob dass denn wirklich nötig ist. Aber wenn wir die Ursprachen vernachlässigen, dann opfern wir ein riesengroßes Erbe der Reformation, die wir ansonsten so hochhalten und schätzen. Deshalb tu ich mir den Stress an, auch wenn ich gerne drauf verzichten würde.
Was ist nun mein Fazit? Hm. Ich finde, dass die Volxbibel an einigen Stellen wirklich eine gute neue Lesart liefert. Ich find sie ja nicht generell schlecht. Aber die oben angesprochenen Punkte wiegen schon schwer für mich und ich werd mir ein genaueres Bild verschaffen müssen, wenn sie verfügbar sein wird.
Die Volxbibel will es jungen Menschen einfacher machen, die Bibel zu lesen und zu verstehen. Das ist ein guter Ansatz. Und ich denke, bei Gemeinde integrierten Jugendlichen wird das vielleicht auch was bringen. Aber ich bezweifle, ob Jugendliche, die mit der Bibel gar nix am Hut haben, plötzlich die Erleuchtung bekommen. Viele wollen Bibel schon aus Prinzip nicht lesen, weil sie viele Vorurteile ihr gegenüber haben. Die nehmen sie nicht mal in die Hand. Wer aber prinzipiell nicht bereit ist, Bibel zu lesen, der wird auch gar nicht bemerken, wieviel verständlicher die Volxbibel eventuell ist.
Ich finde es schon katastrophal, wieviel falsche Vorstellungen Kinder aus der Kinderstunde mitnehmen. Da wird ihnen manchmal viel Schrott erzählt, so viele falsche Vorstellungen werden da vermittelt. Der 20 Jährige Daniel in der Löwengrube, der Apfel vom Baum, die Arche auf die vielleicht 10 Tiere passen. Das setzt sich in den Köpfen der Kinder fest und wird dann später irgendwann über den Haufen geworfen. Die Folgen davon werden kaum beachtet. Jetzt kommen Kühlschränke, GPS Systeme und Halogenstrahler dazu. Verzerren wir damit nicht das Bild über die Zeit in der Jesus gelebt hat? Setzen sich da nicht Bilder in den Jugendlichen fest, die sie später ins Zweifeln bringen, wenn sie merken, dass das ja doch ganz anders war. Wird damit nicht die historische Korrektheit der Ereignisse damals nicht zu bereitwillig über Bord geworfen? Und darauf zu setzen, dass das irgendwann mal vernünftig erklärt wird, das halte ich persönlich für Naiv. Dafür kenne ich doch schon zuviel zu schlechte Gemeinde.
Das sind jetzt mal meine Persönlichen Fragen, die sich mir stellen, wenn ich über die Volxbibel nachdenke.
Wie gesagt, ich will hier niemanden fertig machen. Ich werde auch nicht gegen die Volxbibel beten oder so nen Quatsch. Ich würde mich freuen, wenn Menschen durch das Lesen dieser Übertragung zum Glauben oder tieferen Verständnis kommen. Kein Thema.
Ich will aber nur auf eventuelle Probleme hinweisen und zum Nachdenken anregen, ob das wirklich der bessere Weg ist, um das an sich richtige Ziel zu erreichen. Oder wird hier nicht ein Übersetzungsmodell nicht doch etwas überreizt?
Und ich würd mich freuen, dass wenn Kritik kommt (und ich weiß, dass viele meine Meinung nicht teilen werden, was ja Ok ist), dass es dann wenigstens konstruktive Kritik ist, die sich mit der Sache auseinandersetzt und nicht mit irrelevanten Nebensächlichkeiten in Formulierungen etc.
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November 20th, 2005 at 0:19
Hi Karl, guter Kommentar. Über die Punkte 1-2 kann man sich Fragen, ob es nicht gerade das erklärte Ziel ist. Punkte 3-4 kann ich nachvollziehen. Mag für manche Leute wirklich ein Problem sein. Weiss aber nicht, ob sich die Volxbibel an die dann richten will. Aber dein Kommentar ist sehr durchdacht und fair!
November 20th, 2005 at 14:42
Punkt 1 + 2 hab ich erwähnt, weil immer wieder der Vergleich zu Luther geschlagen und weil man halt “Die Bibel vom Volk fürs Volk” gestalten möchte. Man hat zwar ne feste Zielgruppenvorstellung, und dann wird’s für mich doch wieder zu allgemein.
November 25th, 2005 at 20:29
Viele Worte, langer Text.
Ich möchte nur ein paar Sätze dazu schreiben.
Wenn einer mit mir einig wäre, dass es eine gute Idee ist, die Bibel so aktuell und frisch in die Öffentlichkeit zu bringen, dann freu ich mich.
Wenn du es auch als eine gute Idee empfindest, dass an diesem Projekt alle mitarbeiten können, dann freu ich mich noch mehr.
Wenn du für das gelingen der Sache in Gottes Sinne beten könntest, dann bin ich glücklich.
Mich interessieren vor allem die Reaktionen der Kids aus meinem Jugendzentrum. Für die ist die Volxbibel geschrieben. Wenn nur einer dadurch einen Zugang zu Jesus findet, dann hat es sich gelohnt, fast zwei Jahre am Schreibtisch zu sitzen. Dann ist es mir auch relativ egal, was die anderen Leute drüber sagen
Segen für dich!
Dein Martin
November 27th, 2005 at 15:14
Der Björn hat da einen interessantes Post geschrieben, mit einem Auszug von einem Interview mit Siebenthal über die Volxbibel. http://journeyofbjoern.blogspot.com/
Wie gesagt, ich kann die Volxbibel nur unterstützen. Wenn das heißt, dass wir für jede Zielgruppe eine Bibel haben - dann super! Die Hauptsache ist das Menschen zu Jesus finden und nicht, angepisste Fundis zu besänftigen. Denn es ist genau das, was wir in unserer Gemeinden machen - die Bibel für unsere Zielgruppe zu übersetzen.
Dezember 10th, 2005 at 21:30
Zu1. Die Frage ob Jugendliche wirklich “Jugendsprache” wollen sollte man dort auch mal stellen. Sollte die Bibel nicht vielleicht eher das Gegenteil zur schnellebigen Jugendkultur sein und ein Konzept bieten das möglichst Universal ist? Ist das nicht, ökonomisch gesprochen, die “Marktlücke” der Gesellschaft, dass eben zuviel pluralisiert und individualisiert wird, während universale allgemeingültige Aussagen fehlen? Vor allem wenn man die Historische Entwicklung der katholischen Kirche sieht, dann war ja gerade die tragende Idee eine Religion eine Sprache (lateinisch) die tragende Idee dahinter.