Ich hab’ mir jetzt endlich mal vorgenommen, meine Thematische Facharbeit AKA (Also known as) Sommerarbeit in Angriff zu nehmen. Das heißt nicht, dass ich erst jetzt damit anfange. Ich hab den ganzen Sommer über Unmengen an Büchern und Artikeln und Gehirnschmalz und Nerven verbraucht. Nur hab ich noch nichts wirklich brauchbares dazu geschrieben. Und langsam drängt die Zeit, denn für die Examen will ich auch noch lernen.
Als ich vor zwei oder drei Wochen kurz an der FTA war, da hab’ ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und in der Biblio nach guten Zeitungsartikeln gesucht, die zu meiner Sommerarbeit passen. Und ich bin mehrmals beim Journal of the Evangelical Theological Society fündig geworden … eigentlich nur da. Aber das liegt auch daran, dass ich keine Lust hatte, hunderte von Zeitschriften zu wälzen (mangels guter und kostenloser Suchmöglichkeiten nach Zeitschriftenartikeln. Das war ja die Initialzündung für den TZI). Auf jeden Fall hab’ ich mir mehrere Artikel aus einigen Nummern des JETS herauskopiert (bis ich vor kurzem gemerkt habe, dass ein Teil davon auf deren Homepage kostenlos als PDF zum Download bereit steht. Toll). Einer davon war”Christian Education, Worldviews, and Postmodernity’s Challenge von Bruce A. Little. Den Artikel hab’ ich mir gerade reingezogen und ich bin hellauf begeistert. Das JETS gefällt mir immer mehr.
In seinem Artikel geht es, wie der Titel schon andeutet, um die Herausforderungen der Postmoderne für das christliche Weltbild. Ich möchte den Autor erstmal kurz aus mehreren Stellen zitieren:
Furthermore theology must not be taught in isolation either. It should be related to the larger questions of life by which the pieces of theology are placed within a larger worldview context. Theology should be taught within the context of life as it was developed and transmitted. Unless it is seen in this light, it only speaks to itself. Christians must not think of theology as just so many propositional truth-statements (though it is that) but as the very interpretative foundation and framework for thinking about reality.
Since God is both the center and circumference of life and all that is, everything only has true meaning as it relates to him, the absolute universal.
A worldview embedded with certainty requires an objective epistemological starting point, a word from beyond man. The word from God is this starting point. Therefore Scripture must not first be seen as a moral or theological guide but as an epistemological reality and therefore a legitimate moral guide. Christians must feel the full weight epistemologically when they claim to have a word from God. While Scripture makes claims regarding religious behavior, it also makes powerful truth-claims that bear directly on the great questions of life. This changes everything. It means more than sermon material for Sundays. It means that an objective epistemological point of beginning exists because God, the ontological Reality, is its source. Scripture’s claims are truth-claims, not merely religious claims. Therefore they provide answers to all of life, not simply religious life.
Christianity does not just speak religiously. It speaks in terms of a distinctive worldview. While it speaks directly to the Christian about religious matters it does so on the basis of a much larger truth, all within the context of a coherent Christian worldview. The truth of creation, the fall, the incarnation, the cross, the resurrection, and the coming kingdom forms the larger context. Without these fundamental worldview doctrines other knowledge loses a necessary framework because they speak about the way the world is and its purpose. Consequently a complete view of Scripture as an epistemological reality is essential to a truly Christian worldview.
Das soll fürs Erste mal reichen. Das sind Gedanken, die mir in letzter Zeit auch vermehrt durch den Kopf gegangen sind. Bei Danny ist eine “evolution-schöpfung” Diskussion losgebrochen über die Frage, ob Intelligent Design an Schulen gelehrt werden soll. Ich erlaube mir mal, mich selbst aus einem Kommentar zu zitieren, weil ich dort etwas geäußert habe, was in die Richtung geht, was auch Little schreibt:
Und da dieser Gott die Welt erschaffen hat, hat er auch ihre Spielregeln erschaffen. Und damit sind wir auch im Bereich der Naturwissenschaften, genauso wie in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dieser Gott hat sich uns Menschen in der Bibel offenbart, denn sonst wäre unser Wissen über ihn in der Tat sehr beschränkt. Da dieser Gott, der sich in der Bibel offenbart, ja auch die Gesetze der Welt und ihre Spielregeln erschaffen hat, wird kein Mensch diese richtige begreifen können, wenn er diesen Gott aussen vor lässt. Deshalb ist für mich die Theologie weiterhin die Königin der Wissenschaften.
Im Rahmen meiner Sommerarbeit beschäftige ich mich stark mit der Postmoderne. Und ich finde es interessant, wie manche darin eine Art Goldenes Zeitalter für das Christentum sehen. Das ist Quatsch. Als die Neuzeit anbrach hat man ähnlich gedacht. Wenn eine neue Zeit anbricht, dann ist das die Möglichkeit, festgefahrene Denkstrukturen hinter sich zu lassen. Diese Möglichkeit, neu zu denken, ist wie frische Luft in einem Zimmer voll alter Socken. Aber zu oft wird der Fehler gemacht, zuviel vom Alten über Bord zu werfen. Die Gefahr seh ich jetzt auch wieder. Die Postmoderne bittet viele neue Perspektiven auf die Welt, die wir Christen uns sicherlich zunutze machen können. Aber die Postmoderne ist nicht “christlicher” oder “gottgewollter” als die Moderne oder die Prämoderne. Wir finden in dem, was als “Moderne” oder “Prämoderne” bezeichnet wird, weiterhin vieles, was gut und richtig ist.
Ich mag es nicht, hochgestochen zu klingen. Aber ich denke, es ist an der Zeit, dass wir Theologen (damit meine ich alle, die sich mit Gottes Wort beschäftigen … aktiv) wieder anfangen, die Welt zu erklären und eigene Wege zu gehen, die vielleicht nicht kompatibel mit dem Zeitgeist sind, anstatt bei Analysen stehen zu bleiben (Dabei bin ich beileibe kein dumpfer reaktionär, der nur nach Hinten schaut und sich die guten Alten Zeiten zurückwünscht. Zeitgeist ist nicht per se schlecht, das ist mir bewusst). Ich bin grad dabei, mir Gedanken über den Grundriss eines eigenständigen, christlichen Weltbildes zu machen. Mein “Arbeitsname” für diese Gedankenspielereien ist _Metamoderne_. Wie gesagt, ich möchte nicht hochgestochen klingen. Aber ich finde der Name trifft es am Besten, wenn man schon beim Begriff “Moderne” bleiben möchte. Weder die Prämoderne, noch die Moderne, noch die Postmoderne entsprechen 100% dem, was die Bibel uns als Weltbild präsentiert. Und ich bin Überzeugt, dass es ein auf der Bibel basierendes christliches Weltbild geben kann und gibt. Der Nukleus dieser Metamoderne ist für mich das, was ich bei Little zitiert und in meinem eigenen Kommentar formuliert habe. Dieser Kern kann nur sein, dass ich von Gott ausgehe und von ihm ausgehend die Welt versuche zu erklären. Das ist ein Aspekt, den ich aus der Prämoderne lerne.
Ich nehme mir selbst viel vor und schaffe wenig. Aber ich hoffe wirklich, dass ich an dieser Sache dranbleibe. Im Rahmen der Sommerarbeit werde ich sicherlich mal wieder auf das Thema zu sprechen kommen. Ich bin auch offen für eine kritische Diskussion, denn was ich von der Postmoderne lerne ist sicherlich, dass die Zeit der alleskönner vorbei ist. Tausend Hirne denken weiter als eines alleine.
Noch was zu meiner Sommerarbeit:
Wenn ich die Zeit dafür habe, will ich sie zumindest Stückweise hier vor-veröffentlichen (Die endgültige Fassung wird sowieso online gestellt) und zur Diskussion stellen. Sie wird nicht sooo doll, aber vielleicht könnt ihr mir zeigen, wo ich ganz krasse Denkfehler habe.
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August 14th, 2005 at 22:48
Interessant, daß du über die Postmoderne schreibst. Ein Mitblogger hat neulich folgendes geschrieben “Der Protestantismus in seiner mehrheitlich real existierenden Variante diesseits der Alpen (und diesseits des Teiches) ist postmodern par excellence. Da ist jeder auf sich selbst gestellt vor Gott, jeder allein.”. Besonders im Bezug auf deinen Satz: “Aber zu oft wird der Fehler gemacht, zuviel vom Alten über Bord zu werfen.” kann ich ihm nur zustimmen.