So. Wie angekündigt mein Versuch einer Definition von Postmoderne. Das ist leider auch sehr umfangreich geworden. Ich kann mich einfach nicht kurz fassen ![]()
Ich hab mich bei meiner Definiton hauptsächlich auf das Werk von Welsch, “unsere postmoderne Moderne”, gestützt, weil er sich selber explizit als postmodernen Philosophen bezeichnet. Viele andere denken zwar im Grunde Postmodern, klassifizieren sich aber nicht explizit so; sie sind also _anonyme Postmoderne_, wie Welsch es ausdrückt. Lyotard habe ich leider über die Einführung von Reese-Schäfer zur Hand. Aber ich werd ihn mir sicherlich noch kaufen, weil ich da noch am Ball bleiben möchte.
Zur Absicherung hab ich noch sekundärliteratur verwendet … aber überwiegend christlich evangelikale. Das würd in ner wissenschaftlichen Arbeit sicher nicht alleine genügen, aber ich denke hier schickts erstmal. Die gehen alle in eine ähnliche Richtung. Da gibts schon ganz gute Literatur.
P.S.: NED : GER 2:2. Naja, ein glückliches Unentschieden ist auch was. Können die Holländer noch froh sein
h2. Definition von “Postmoderne”
Das Problem mit der Postmoderne fängt schon bei der Definiton derselben an. Dazu Welsch: „…dieser Ausdruck ist äußerst schillernd und höchst umstritten.“[1] und „Gewiß: ‚Postmoderne? ist als Schlagwort griffig und als Konzept eher vage.“[2]; oder McGrath: „,Postmoderne? ist ein vager, nur schwach definierter Begriff…“.[3] Die Schwierigkeit beginnt schon beim Begriff an sich. Das Präfix „post-“ meint „nach, später“.[4] Das Nomen „Moderne“ wird als Epochenbezeichnung verwendet für eine Geistesströmung, die schwer zu erfassen und zu definieren ist. Dementsprechend fragt Welsch bei seiner Gegenüberstellung von Postmoderne und Moderne „Nach welcher Moderne?“.[5] Er antwortet einige Seiten später zutreffend: Die Postmoderne richtet sich gegen die Moderne, die die Neuzeit ist.[6] Das klingt auf den Blick etwas merkwürdig. Das zeigt etwas von der Schwierigkeit, die Begriffe exakt zu erfassen, vor allem über Sprachgrenzen hinweg. Denn die Unterscheidung zwischen Neuzeit und Moderne gibt es so z.B. im Englischen oder bei den romanischen Sprachen nicht.[7] Die Postmoderne richtet sich inhaltlich also gegen die Ideologie der Neuzeit. Was macht nun diese Ideologie aus? Welsch identifiziert das neue Denken der Neuzeit mit einem Namen: Descartes.[8] Descartes formuliert das Denken, das die nächsten Jahrhunderte hindurch die Wissenschaften alle Colour dominieren wird:
„Die Wissenschaft nützt allen und dient dem Fortschritt, von der Arbeitserleichterung durch technische Mittel bis zur Selbsverwirklichung – und auch im sozialen Bereich. Die Philosophie aber soll ihr verläßliches Fundament liefern. Das kann – für Descartes – nur auf streng rationale Weise geschehen, also ohne Bezugnahme auf einen Glauben. Und es sollte eine unbedingt sichere, Irrtum absolut ausschließende, gewissermaßen mathematische Methode gefunden werden.“[9]
Das sind die Versprechungen der Neuzeit, die durch diese bis heute nicht bis zu Ende eingelöst wurden.[10] Die Antwort der Postmoderne darauf lautet:
„Postmodern ist: die Skepsis gegenüber jenen durch die Aufklärungsphilosophie begründeten Ansprüchen der Beweisbarkeit der Wahrheit unserer Urteile, der Möglichkeit eines Übergangs von kognitiven Urteilen zu moralischer Verpflichtung und der Kalkulierbarkeit und Legitimation von Interventionen.“[11]
Es ist diese technische, strikt mathematische Herangehensweise an die Welt, die die Postmoderne kritisiert.[12] Die Idee der Neuzeit ist es, die Welt bis ins kleinste Detail rationell zu verstehen.[13] Diese Idee mündet z.b. in der utopischen Schreckensvorstellung des „Laplaceschen Dämonen“.[14] Welsch führt in seinem Buch noch zwei formale Charaktere neuzeitlichen Denkens an, die wichtig sind, um zu verstehen, welchen neuen Ansatz die Postmoderne demgegenüber wählt: Die Neuzeit will radikal neu denken und sie will universal denken.[15] Die Neuzeit produziert also komplette Weltanschauungen, die das, was vorher gewesen ist, vollständig ablösen sollen. In der Neuzeit löst eine Weltanschauung die Nächste ab, und jede davon hat den Anspruch, die Einzige zu sein, die die Welt wirklich erklären kann. „Nie verstehen diese Erneuerer, was sie propagieren, als nur einen von mehreren möglichen Wegen, es muß vielmehr immer der einzig richtige sein.“[16](Hervorhebung im Original; Anm. d. A.) Hier klingt schon die Kritik des Postmodernen durch. Gegen das universale und nach dominanz strebende „Weltformel“- Denken der Neuzeit, auch „große Metanarrative“ genannt, setzt er radikale Pluralität.
„Die Grundthese des Postmodernen Wissens ist die von der Verabschiedung der Meta-Erzählungen, gerade auch der Meta-Erzählung der Neuzeit – Mathesis universalis – und ihrerer Nachfolgeformen. Die Grundoption gilt dem Übergang zur Pluralität, zur Anerkennung und Beförderung der heterogenen Sprachspiele in ihrere Autonomie und Irreduzibilität.“[17]
Diese Pluralität war zwar schon in der Moderne vorhanden, nur galt sie dort als etwas, das es zu überwinden gilt.[18] Dagegen sieht die Postmoderne die Pluralität gerade als Gewinn: „Daher kann sich, was in einer modernen Sicht noch als Verlust der Ganzheit erscheint und entsprechend zu beklagen ist, postmodern gerade als Gewinn von Vielheit zu erkennen geben und zu begrüßen sein.“[19]
Ist die Postmoderne nun aber einfach eine „Anti-Moderne“, die diese ersetzen will? Hier wird’s wieder schwierig. Für Lyotard wäre das wieder nur modernes Denken im anderen Gewand.[20] Postmoderne soll nicht eine weitere Metanarrative sein, sondern das Ende all dieser, oder das nebeneinander verschiedener Metaerzählungen. Er beschreibt Postmoderne als „Gemütszustand“ oder „Geisteszustand“.[21] Daher wäre es auch falsch, die Moderne und die Postmoderne als Antipoden gegeneinander auszuspielen. Postmoderne will ja gerade nichts ausschließen. Das einzige, das sie ablehnt, sind Totalitätsansprüche; in erster Linie die der Neuzeit, aber dadurch automatisch auch alle anderen.[22] Auf das logische Problem, das dadurch ensteht, und das übrigens auch von Welsch [23] und Lyotard [24] erkannt wird, können wir an dieser Stelle leider nicht eingehen.
Ende der Welterklärungsversuche mit absolutem Anspruch und die Bejahung der Pluralität, das könnte man als die Essenz postmodernen Denkens ansehen. Eine weitergehende Defintion von Postmoderne wird schwierig, weil alles, was auf diesem Grundparadigma aufbaut, in gewissem Sinne postmodern ist, auch wenn es sich ansonsten noch so sehr widerspricht. Und genau das ist ja so gewollt. Wie genau dieses postmoderne Denken sich konkret im Alltag äußert wird auschnittweise im eigentlichen Vergleich näher betrachtet.
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August 22nd, 2005 at 18:40
Karl ich glaube du spielst in einer anderen Liga wie ich, und das ist wunderbar. Mensch ich wußte gar nicht wo du so alles hindenkst.
August 22nd, 2005 at 18:47
Hi Danny,
Andere denken noch viel weiter. Und das ist gut so. Das braucht das Christentum. Wenn ich etwas beitragen kann ist das schon viel.
danke. Aber ich lebe auch nur von den Gedanken anderer
Was macht eigentlich dein Blog? Hast du es jetzt hinbekommen? Wenn das bei blogsome nichts wird hab ich noch andere Angebote, die interessant sind.