Ich war gestern mit meinem Bruder und seiner Frau im neuen Film “Sin City” von Robert Rodriguez, auf Basis der
Der Film ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Zuallerst ist er nichts für schwache Nerven. Das (überwiegend weiße) Blut fließt literweise und teilweise geht es wirklich deftig zur Sache. Wer z.B. “Desperado” oder “Irgendwann in Mexiko” kennt, der wird das von Rodriguez gewöhnt sein.
Zweitens ist der Film wirklich was für Comicliebhaber, und ich meine hier nicht Lustiges Taschenbuch oder so. Das fängt schon bei der Art und Weise an, wie der Film gemacht wurde. Eigentlich sind dort nämlich drei unabhängige Stories verarbeitet. Die Comicserie “Sin City” ist in dreizehn Bänden erschienen und im Film werden drei Bände verarbeitet. Wer also einen Film Marke “Hollywood-standard-Einleitung-Verfolgung-überraschende_Wendung-Happy_End” Film erwartet, der ist hier falsch.
Und auch sonst strotzt der Film nicht vor realismus. Das ist bei Filmen selten der Film. Aber hier erreicht der surrealismus eine ganz besondere Stufe. Ich meine selbst im übelsten Hollywood schinken ist ein Typ tot, wenn er vier mal von einem Auto umgefahren wird, oder von zehn Kugeln durchsiebt wird. Aber nicht in Sin City. Wer also aus dem Kino kommt und “Der ist ja völlig überzeichnet” von sich lässt, der war definitiv der falsche Typ im richtigen Film
Noch eine kurze Anmerkung zum Inhalt:
Ich bin wirklich einiges gewohnt, aber der Film ist an manchen Stellen echt krass. Man sollte also wirklich wissen, worauf man sich einlässt. Es ist auch sehr viel nackte Haut zu sehen. Das wird manche sicherlich stören.
Einige Worte zum Tricktechnischen:
Ich glaube, es war bei Matrix 1, als ich das letzte Mal aus dem Kino gekommen bin und gesagt habe: “Wow, das sind mal wirklich neue Bilder auf der Leinwand”. Dort waren es vor allem die Slow-Mo Szenen, die mich fasziniert haben. Aber als ich gestern im Kino saß, da hab’ ich wieder sagen können, ich hab was neues gesehen. Solche Bilder gab’s im Kino noch nicht. Der Film ist zwar Schwarz-weiß, aber so ein Schwarz-weiß ist neu. Da wurde nicht einfach die Farbe rausgelassen, da wurde wirklich der Comic zum Leben erweckt, mit seiner ganzen Atmosphäre. Es gab in letzter Zeit einige Comic Verfilmungen, aber ich weiß nicht, ob eine es wirklich geschafft hat, das Gefühl eines Comics wirklich auf die Leinwand zu übertragen. Hier ist das aber ziemlich gut gelungen. Wenn Dwight vom Hochhaus hinuterspringt, wenn zwei Streifenwagen über die Bergkuppe gesprungen kommen, dann hat man fast das Gefühl, die Zeichnung vor sich zu sehen.
Gut gemacht ist auch der spärliche Einsatz von Farbe. Die blauen Augen von Beckie sind wirklich stechend, oder die gelbe Farbe vom Yellow Bastard. Wobei es mir persönlich manchmal doch zu viel Farbe war. Dadurch ist das Besondere daran fast wieder flöten gegangen.
Alles in Allem bin ich begeistert von dem Film. Er ist erfrischend anders, wenn auch sicherlich ziemlich durchgeknallt und sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Das könnte man fast schon als Gütesiegel nehmen, in Zeiten seichter Massenmedienkultur.
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