Ich les’ für meine Sommerarbeit grad’ “Unsere postmoderne Moderne” von “Wolfgang Welsch”:http://www2.uni-jena.de/welsch/. Und ich muss sagen, ich habe echt Respekt vor dem Mann. Er hat wirklich einen scharfen, analytischen Verstand. Immer wieder dachte ich beim Lesen, dass er kurz davor ist, sich zu verheddern. Aber er erkennt die Fallstricke verschiedener Argumentationslinien und er geht auf sie ein. Ich bin echt überrascht und ich wünschte, ich hätte auch so einen wachen Verstand.
Wenn ich nicht Christ wäre, und wüsste, dass es doch eine absolute Wahrheit gibt, die er negiert, dann wäre ich von seiner Argumentation wahrscheinlich absolut überzeugt. Denn die Postmoderne ist die konsequente Philosophie eines Menschen, der sich von Gott gelöst hat.
Ich bin aber Christ …
Es bleiben dennoch viele Denkanstöße und Herausforderungen. Ein lesenswertes Buch, auch heute noch, zumindest so weit ich bisher gelesen habe, also ungefähr die Hälfte.
Ein anderes Buch, das ich momentan lese, und das ich auch in meine Bücherliste rechts aufgenommen habe, ist “Zeugnis im Dialog der Religionen und der Postmoderne”. Das ist ein Aufsatzsammelband, dass verschiedene Themen, wie Religion und Pluralismus, Postmoderne, Mission und Dialog der Religionen aufgreift. Die Autoren sind sicher nicht stramme Fundis wie ich (wobei ich eher “Postfundi” bin, wie ich schon seit längerem mal darlegen will, aber irgendwie nicht schaffe), was aber auch nicht schlecht ist. Auf jeden Fall ist ihnen Mission ein Anliegen und Jesus als Heilsbotschaft für die Welt wird deutlich in die Mitte gestellt. Die Autoren haben auch Mut zum kritischen Dialog untereinander. Das ist herausfordernd und horizonterweiternd, weil man nicht fertige Lösungen präsentiert bekommt, sondern Lösungsansätze, die man selber durchdenken und übernehmen muss.
Die zwei Bücher sind aber bisher nur die Spitze des Eisbergs …
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May 5th, 2005 at 7:51
Lieber Karl,
die Postmoderne ist keine Philosophie. Und wenn sie es wäre, dann auch nicht einfach die eines Menschen, der sich konsequent von Gott gelöst hat. Die Dinge liegen da etwas komplexer. Ich rate Dir, solche Statements nicht einfach so in den Raum zu stellen. Überigens haben wir seit mehreren Jahrhunderten eine Gesellschaft, in der sich der Mensch von Gott losgelöst hat. Eigentlich leben wir in einer Welt´, die sich von Gott gelöst hat und entfremdet ist.
Also- vorsichtig mit solch pauschalierten Aussagen, die zu übersteigerter “WEltfeindschaft” führen können.
May 5th, 2005 at 8:06
Wenn Postmoderne keine Philosophie ist, was dann? Das Nachdenken über die Gegenwart und die Vergangenheit und die Zukunft mit einem Blick auf die Gesellschaft und den Menschen, was ist das, wenn nicht Philosophie?
Und eine Philosophie, die verleugnet, dass es die absolute Wahrheit gibt und die die Atomisierung der Perspektiven propagiert, _ist_ von Gott gelöste Philosophie. Sie grenzt den Wahrheitsanspruch Jesu in seiner Totalität aus.
Und das wir in einer von Gott gelösten Welt leben, dass ist nicht weiter erwähnenswert, weil man nur 1Mose 3 aufschlagen muss, um das zu wissen. Das habe ich auch nirgendswo thematisiert.
Aber danke für deinen Rat bezgl. der Statements. Wenn du ihn anfängst, selber zu befolgen und mir vormachst, wie man es anders machen kann, dann werde ich vielleicht darüber nachdenken, wie man es anders machen kann…
May 5th, 2005 at 8:47
Ich hake mich mal kurz in die Diskussion ein. Hodos, ich gebe Dir Recht dass die Postmoderne an sich keine Philosophie ist, sondern eine Weltanschauung, die die sich in (mehrere) Philosophien ausdrückt - das ist ja gerade das Komplizierte an der Postmoderne. Sie drückt sich aber auch in der Kunst oder in den Medien, in Büchern usw aus.
Das dumme dabei ist die Tatsache, dass nur ein kleiner (aber immer größer werdender) Teil der Bevölkerung in Deutschland postmodern ist - und auch nur in gewissen Teilen Deutschlands. Wo ich wohne gibts keine Postmoderne. Also gibts viele Leute, die die postmoderne noch nie erlebt haben (muss man auch nicht) aber ständig davon sprechen. Deshalb sollten wir alle unseren Mund vor breiten Statements hüten, das ist klar.
Aber ich finde es immer noch ehrlicher, namentlich zu posten und ein paar auf die Rübe zu bekommen, als inkognito zu posten und sich vor jeglicher Verantwortlichkeit zu scheuen. Verstehst du was ich meine?