D.A. Carsons neues Buch “Becoming conversant with the emerging church”:http://www.amazon.com/o/ASIN/0310259479/102-0317566-5532916?SubscriptionId=09GE3K6JDGSKCKXKEJG2 ist erschienen und es hat schon Wellen geschlagen, bevor es überhaupt auf dem Markt war. Jetzt sind mehrere Reszensionen erschienen, z.B. bei “TheBolgBlog”:http://thebolgblog.typepad.com/thebolgblog/2005/05/d_a_carson_beco.html und dann zwei bei “danny”:http://soomah.weblogs.us (”Teil 1″:http://soomah.weblogs.us/archives/73 “Teil 2″:http://soomah.weblogs.us/archives/74), die ziemlich ausführlich und ausgewogen zu sein scheinen. Ich werde mir das Buch mal kaufen, wenn ich das Geld dazu haben werde (es gibt so viele gute Bücher und so wenig Geld ….).
Carson kritisiert in einem Buch den Umgang vieler ECler mit der Moderne. Ich zitiere Danny an dieser Stelle:
bq. Im dritten Kapitel Emerging Church Analysis of Contemporary Culture geht er seiner Meinung nach auf einer der größten Schwächen der Bewegung ein: die herablassende Haltung und die mangelnde Kenntnis gegenüber des Zeitalters der Moderne. (1) Das Verständnis über die Moderne ist zu reduktionistisch und hölzern: als ob die Moderne Zeit nur von Rationalismus, Linearismus und Objektivismus geprägt war und kein Platz z. B. für Gefühle, Schönheit und Kunst hatte. (2) Eine fast universelle Verurteilung des konfessionellen Christentums - also das Christentum in der Moderne als starre, orthodoxe und kalte Entität. Menschen wie Spurgeon beweisen in dieser Zeit genau das Gegenteil.
bq. In der zweiten Hälfte des Kapitels ringt Carson um das Verständnis der Emerging Church Bewegung von der Postmoderne. Es ist für viele ein Buzzword - also ein Wort, in dem man alles “neue” packen kann. Dazu werden alle sozialen, politischen und philosophischen Veränderungen der letzten Jahre in das Wort P… gepackt - was ungerechtfertigt ist.
Da spricht Carson ein Thema an, dass mir in letzter Zeit auch durch den Kopf gegangen ist. Mein Eindruck bei der Rezeption von EC Literatur, sei es in Buch oder Blogform ist, dass manche zwei Entwicklungen durcheinander bringen, die zwar mit einander verbunden sind, aber nicht 1:1 gleich zu setzen sind. Ich denke, dass zu oft die Postmoderne, als langfristiger Weltsichtwechsel, und eine Art “postmoderne Romantik”, als mittel- oder kurzfristige Epoche, zu stark miteinander vermischt werden. Mit postmoderner Romantik meine ich das, was manche als Wechsel vom griechischen zu hebräischen Denken, oder “cultural creatives” bezeichnen. Einfach die Pendelbewegung gegen einen überzogenen Rationalismus. Die häufig zitierte Sehnsucht nach Wärme, Emotion, Mystik, die z.B. bei Dan Kimball beschrieben wird.
Ich denke nicht, wie Carson scheinbar zurecht kritisiert, dass Postmoderne antirationell ist. Wenn ich Welsch oder Lyotard lese, ohne Zweifel Postmoderne Denker (Lytoard ist ja quasi “Vater” der Postmoderne), dann sehe ich nichts antirationelles. Im Gegenteil. Welsch ist ein messerscharf analytischer Denker. Und ich in der Neuzeit und Moderne gab es antirationelle Strömungen, wie z.B. die Romantik. Ratio und Emotio, Empirik und Mystik waren schon immer zwei Seiten einer Medaille, die sich pendelförmig abwechselten. Ein Blick in die Geschichte kann uns vor mancherlei Trugschluss schützen. In ein paar Jahren kann “griechisches” Denken wieder total “in” sein. Das wird nicht das Ende der Postmoderne sein. Der Paradigmenwechsel, der seit einigen Jahren stattfindet, der wird lange anhalten. Postmoderne ist in erster Linie: Pluralität, ende der großen Erzählungen, keine absolute Wahrheit, und das alles positiv betont. Diese Grundparadigmen lassen Raum für Ratio und Emotio, für Griechen und Hebräer.
Wenn das nicht auseinandergehalten wird, dann kann man da schnell in eine Sackgasse fahren. Die Frage ist, ob EC eine Antwort auf den Langfristigen Paradigmenwechsel geben will (und innerhalb dessen auch auf die kurz- und mittelfristigen Trends), oder sich nur als Bewegung für die postmoderne Romantik versteht. Dann wird EC mit dem Ende dieser neuen Romantik auch sein Ende finden. Ich persönlich sehe, alleine durch die Vermischung der beiden Begriffe, wie ich sie oben beschrieben habe, eine Tendenz zur letzten Option. Das ist legitim, aber damit ist EC auch nur ein kurzzeitiger Trend. Es sollte aber die erste Option im Auge behalten werden. Die Herausforderungen der Postmoderne sollte angepackt werden, denn sie werden uns die nächsten Jahrzehnte begleiten. Und natürlich muss dabei auch auf die sich abwechselnden Trends geachtet werden, die sich innerhalb der großen Strömung abwechseln.
Ich sitze hier grad bei meinem Onkel auf dem Fussboden und tippe auf dem Powerbook meines Bruders. Deshalb sind das auch wirklich nur Gedankenfetzen, wie man schon an der Einteilung in die Kategorie erkennen kann. Es ist also nicht 100% formuliert. Hängt euch also nicht an vielleicht unscharfen Formulierungen auf. Mein Grundgedanke ist einfach, dass man Postmoderne (langfristig) und postmoderne Romantik (mittelfristig) nicht undurchdacht durcheinanderschmeißen und vermischen sollte. Dieser Post ist auch in der Kategorie “Polylog”. Dementsprechend lade ich auch zu einer Diskussion ein. Gebt eure Meinung dazu ab.
GFS
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May 27th, 2005 at 21:50
Du meinst wohl dass die postmoderne Romantik als Wechsel vom griechischen zum hebräischen Denken bezeichnet wird (nicht anders herum!).
Viel Spaß in Polen - im Sommer läuft da ein total hippes christliches Festival: Slot! Hier in Lemgo ist es sauwarm geworden - hab die Jugend heute Abend ins Biergarten verlagert
May 28th, 2005 at 9:34
Jo, danke für den Hinweis. Hab ich grad korrigiert.
Leider bin ich schon in Wien, wenn Slot stattfindet. ich wäre da gerne hingefahren. Naja, vielleicht irgendwann anders.
Hier ist es auch gerade sauwarm. 10.30 und 26° im Schatten. Und gleich fahre ich im unklimatisierten Zug fast ne Stunde nach Warschau. Das wird ein Spaß!
GFS