Kaczynski ist neuer polnischer Präsident. Ein Mann, der sich dafür rühmt, dass er keine Kontakte mit deutschen Politikern hat. Der Angehörige einer Partei, die seinen Herausforderer damit zu diffamieren versuchte, dass sie ihn und seine Familie als “deutschfreundlich” bezeichnet haben, weil da in der Vergangenheit irgendwas war. Wer deutschfreundlich ist kann kein echter Pole sein … muss ich mich selber hassen? Oder bin ich kein echter Pole? Eigentlich mag ich mich selber, meistens, und ich fühl trotzdem auch als Pole, auch wenn ich genauso Deutscher bin und viel länger hier lebe.
Wie kann man sich mit solchen politischen Ansichten im Europa des 21. Jhrd. brüsken und an die Öffentlichkeit wagen? Und wer wählt Menschen mit so dummen Ansichten? Polen, was hast du getan, wann wirst du Erwachsen und lässt dir nicht mehr den Kopf von einem Populisten nach dem anderen verdrehen? Die IV. Republik verspricht man dir, eine ohne Korruption und Machtmissbrauch, eine starke Rolle ihn Europa ohne Fremdeinmischung, einen starken Staat.
Macht korrumpiert auch in einer neuen Republik genauso wie in der Alten. Nicht die Republik muss sich ändern, sondern die Menschen. Ein Europa der souveränen Nationen? Willkommen im Gestern. Anstatt einen polnischen Club im Europaparlament aufzumachen, weil man sich als Pole nicht unter andere Fraktionen mischen soll, solltet ihr lieber anfangen, konstruktive Politik zu betreiben, dann werdet ihr auch ernstgenommen und könnt das Europa, dass nicht mehr wegzudenken ist, mitgestalten, statt euren Napoleonischen Freiheitsidealen hinterher zu schmollen. Kommt mal im Heute an.
Einen Starken Staat? Recht und Gerechtigkeit, so heißt deine neue Erlöser-Partei. Das hört sich toll an. Ist immer nur die Frage, was man darunter versteht. Du hattest einen starken Staat, der dich 40 Jahre lang “beschützt” hat vor dem bösen Westen … damals saß er in Moskau. Du hast gegen ihn rebelliert. Willst du ihn jetzt nach Warschau holen?
Polen, ach Polen, lass dich doch nicht von populistischen Blendgranaten blenden und zum Narren halten.
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Oktober 24th, 2005 at 20:23
Tja, es dauert leider etwas länger, wenn man lernen muss, demokratisch zu lernen. Besonders, weil die Polen nicht viel Zeit dafür haben. Es hängt natürlich auch mit der gleichzeitigen Umstellung auf die Marktwirtschaft, für die sie genauso wenig oder noch weniger Zeit haben.
Dass es Leute nicht mögen, wenn sie nachher weniger Geld haben als vorher, sieht man ja schon in D (da kommt wohl noch einiges auf uns zu) - dass die Polen das dann gleich mit EU und Marktwirtschaft zusammenbringen ist halt das andere Problem.
Ich verstehe schon, _warum_ die Leute Kaczy?ski wählen: Frust; nur dass solche Frustwahlen meistens nichts gutes bringen (so viel besser ist D ja auch nicht - sonst hätten nicht soviele Leute “die Linken” gewählt). Ich hoffe echt, dass die Leute dort lernen, dass Populisten nicht / oder besser nie die bessere Wahl sind.
Außerdem hoffe ich, dass Lech K - wenn er erst mal im Amt sitzt - merkt, dass es da internationale Verpflichtungen gibt, aus denen er nicht ausscheren kann. Er kann natürlich auch aus der EU austreten (zumindest theoretisch glaube ich) - doch würde ihm das wohl nicht soooo gut tun - und Polen auch nicht.
Also: es wird nicht so heiß gegessen, wie’s gekocht wird