Hab’ grad ein paar “Photos”:http://flickr.com/photos/kapeka/sets/170530/ meines Besuches der Basilika in Lichen veröffentlicht. Ich war voriges jahr im Sommer dort. Ich bin auf der Fahrt vom Praktikum nach Hause dort vorbeigefahren, weil ich mir das unbedingt anschauen wollte. Die Basilika in Lichen gehört zu den größten sakralen Bauten in Europa, und das in einem der ärmsten Länder in Europa. Viele tausende Gläubige haben für den Bau gespendet, einige haben wahrscheinlich ihre letzten Ersparnisse dafür hergegeben. Im Keller prangen tausende von Plaketen von Personen, die für den Bau gespendet haben.
Die Basilika hat riesige Ausmaße. Das kommt aus den Bildern nur andeutungsweise raus. Nicht nur die Kirche selber, auch der Platz drumherum hat enorme Ausmaße. Und da wird immer weiter und weiter gebaut, neue Kirchen, neue Statuen. Lichen ist der zweitgrößte Pilgerort in Polen, nach der “schwarzen Madonna” in Cz?stochowa.
Im inneren der Kirche findet man viel, was ich persönlich als kitsch und wenig sakral bezeichnen würde. Elektrische Kerzen z.B., die angehen, sobald man Geld einwirft, Leuchter mit viel Glitzerzeug etc. Sehr viele durcheinandergeworfene Designelemte. Leider sieht man das auf den Photos nicht so gut, denn in der Kirche war es sehr dunkel und meine Kamera ist ziemlich billig.
Was immer wieder ins Auge sticht, ist die in Polen fast allgegenwärtige Verknüpfung von Kirche und Patriotismus. “Jeder Pole ein Katholik” ist immer noch Realität. Die polnische Geschichte ist untrennbar verbunden mit der katholischen Kirche.
Da ich selber aus Polen komme, sticht es mir immer wieder ins Herz zu sehen, wie ein ganzes Volk immer noch so stark beeinflusst wird durch diese Kirche. Ich will nicht zu sehr darüber herziehen. Das passiert mir leider zu schnell. Aber was Polen braucht, ist ein aktives, lebendiges Christentum, das Menschen den Weg zu Christus zeigt. Da liegt noch sehr vieles im Argen.
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October 11th, 2006 at 7:41
Mein Mann und ich waren Anf. Oktober das erste Mal in Lichen, weil uns polnische Freunde ( keine extrem praktizierenden Katholiken) davon erzählt hatten. Man muss vorausschicken, dass mein Mann protestantisch und ich katholisch getauft wurden, wir beide allerdings seit Ewigkeiten nicht mehr in der Kirche sind- uns aber beide als gläubig betrachten.
Uns hat Lichen im ersten Moment erschlagen - allerdings im positiven Sinn. Die Größe beeindruckt ungeheuer und die Vielfalt der eingebrachten Stilelemente gibt dem Auge jede Menge zu sehen - auch wenn man über das ein oder andere streiten kann - Geschmack ist bekanntlich sehr unterschiedlich.
Was mich jedoch in Lichen am meisten beeindruckte war die Stimmung die dort herrschte. Wir waren an einem Wochentag da, die Anzahl der Busse und Einzelpilger hielt sich stark in Grenzen. Der Gang durch die Spendertafeln war schon sehr beeindruckend- aus welcher Herrenländer überall gespendet worden ist ! Dann die Basilika - mit welchen Hoffnungen und Gebeten mögen die Menschen dort knieen und ihre Bitten vortragen ? Da wir im August im Petersdom in Rom waren hatten wir einen direkten Vergleich. Der Petersdom war - so hart das jetzt klingen mag - ein von Reisegruppen überlaufenes Gebäude - exterm laut, keine Stimmung, keine Andacht, keine Möglichkeit zu einem stillen Nachdenken. Nur laute Reiseführer aus aller Herren Länder, fotografierende Touristen die diese Kirche einfach nur ablichten wollten - also jede Menge Tumult.
Wie anders Lichen - stille Ecken zum nachdenken -die Ehrfurcht der dort weilenden Menschen war spürbar - man kam nicht nur zum fotografieren sondern weil man sich mit einer Bitte an eine andere Stelle wenden wollte.
Man mag über Kirche denken wie man will, ich glaube, das der Glaube den Leuten die dort hin kommen sehr viel gibt, vielleicht die Kraft, die man braucht, um viel Elend ertragen zu können. Sicher ist die Bevormundung einer Kirche die Macht hat sehr groß, das ist aber nichts anderes als mit einer Partei die viel Macht hat. Solange die Menschen es schaffen für sich positives daraus zu ziehen, ist es vielleicht besser als vollkommen orientierungs- und lustlos durch’s Leben zu laufen, wie es bei uns in Deutschland leider immer häufiger wird.
Und hat es auf jeden Fall in der Seele getroffen - wahrscheinlich gerade weil so etwas großartiges von einem der ärmstes Völker Europas auf die Beine gestellt wurde und immer noch wird.
11.10.06 Ql