Engels, Nietzsche, Hesse. Was haben diese drei Personen gemeinsam?
Wer sich etwas in Philosophiegeschichte auskennt, der weiß, das alle drei Personen:
* aus Deutschland kommen
* massiven Einfluss auf die Gesellschaft hatten und haben
* entweder aus pietistisch-gläubigen Elternhaus stammen oder zumindest Kontakte zum erweckten Christentum hatten
“Engels”:http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels: Engels war der älteste Sohn eines erfolgreichen preußischen Textilfabrikanten, der dem Pietismus nahe stand (”Wikipedia”:http://de.wikipedia.org). Als 16-Jähriger ruft er in Gedichtsstrophen Christus um die Rettung seiner Seele an (Sierszyn: 2000 Jahre Kirchengeschichte Bd. 4).
“Nietzsche”:http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche: 15. Oktober: Friedrich Nietzsche wird in Röcken (Preußische Provinz Sachsen) als Sohn eines pietistischen Pfarrers geboren (DHM)
“Hesse”:http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Hesse: Hermann Hesse stammte aus einer christlichen Missionarsfamilie. Seine Eltern waren beide im Auftrag der Basler Mission in Indien tätig …” (Wikipedia).
*Friedrich Engels* wird zusammen mit “Karl Marx”:http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx der Wegbereiter des atheistisch-materialistischen “Kommunismus”:http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus.
*Friedrich Nietzsche*, “der alles zermalmende”, “Der Philosoph mit dem Hammer”. In seinen Werken griff Nietzsche das Christentum immer wieder an und sah es als überkommen an. Sein Denken beeinflusste viele weitere Philosophen und Denker. Von manchen wird er als Prophet der Postmoderne angesehen.
*Hermann Hesse* wurde in den 60er in den USA und später beinahe zu so etwas wie einer Kultfigur der Hippie Bewegung. Vor allem “Siddharta”:http://de.wikipedia.org/wiki/siddharta, “Demian”:http://de.wikipedia.org/wiki/demian, und “der Steppenwolf”:http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Steppenwolf haben viele geprägt. In seinen Romane verarbeitet er Indische Kultur und Buddhistisches Gedankengut. Er ist wahrscheinlich einer der Wegbereiter des Fern-Ost Booms in der westlichen Welt.
Was hat das alles mit uns zu tun? Ich habe in meinem Artikel über “Schleiermacher reloaded?”:http://karl.karzelek.com/index.php?p=32 darüber geschrieben, was passiert, wenn jemand versucht, auf Biegen und Brechen die zeitlose Wahrheiten der Bibel in die Ideologie eines Zeitgeistes zu pressen. Das hat verheerende Folgen.
Die Beispiele, die ich heute bringe, zeigen, was passiert, wenn das Pendel in die andere Richtung schwingt. Alle drei hatten Kontakt mit erwecktem Christentum. Hesse war sogar das Kind von Missionaren, die den Menschen in Indien das Evangelium bringen wollten. Engels schreibt Gedichte an Jesus.
Und alle drei werden zu Personen, die Menschen in Scharen in Bewegungen treiben, die nicht einfach nur Kirchendistanziert sondern sogar krass antichristlich sind. Wie konnte es dazu kommen?
Ich will den Eltern keine Vorwürfe machen. Ich kenn sie ja nicht einmal. Und ich weiß auch, dass keine Vater und keine Mutter eine Garantie dafür haben kann, dass sein Kind zum Glauben kommt. Das ist mir schon klar.
Und dennoch frag’ ich mich, wie es dazu kam, dass diese Menschen, die so nah an der Quelle waren, so krass in die andere Richtung gegangen sind. (Da fühlt man sich an Hebr 6 erinnert)
Nun, erklären werde ich es nicht können. Das einzige, was ich mir als Teilerklärung vorstellen könnte, ist, dass diese Menschen mit ihren intellektuellen Neigungen nirgendswo in der christlichen Gesellschaft anknüpfen konnten. Sie waren Querdenker, sie haben die Welt hinterfragt. Und sie haben von Christen wahrscheinlich wenige Antworten erhalten. Ich mach jetzt eigentlich was verbotenes. Ich zieh Analogieschlüsse, indem ich die Erfahrungen in der heutigen Zeit auf damals übertrage. Aber vielleicht liege ich nicht ganz falsch.
Wenn ich uns Christen heute betrachte, dann kann ich mir gut vorstellen, dass das damals so ähnlich war.
Wie gehen wir mit Querdenkern um? Wie gehen wir mit Intellektuellen um?
Sitzt ein neuer Nietzsche in unsere Jugendstunden? Wie begegnen wir ihm?
Ich weiß es nicht. Ich bin kein Intellektueller. Ich weiß nicht, wie ich auf so jemand reagieren würde. Würde ich ihm auch abgedroschene Standardphrasen an den Kopf werfen? Oder würde ich mich auf ihn und seine Gedankenwelt einlassen. Würde ich versuchen ihn zu verstehen? Und würde ich ihm dann die antworten aus der Bibel geben können, die er braucht?
Wie gesagt, ich weiß es nicht. Ich will im Moment einfach nur auf diese Problematik aufmerksam machen. Denn die drei hier aufgeführten Personen sind mir ein Mahnmal für das, was passiert, wenn wir diese Menschen in ihren Bedürfnissen nicht ernstnehmen.
Ein ähnliches Problem hatte eigentlich auch Schleiermacher. Er hat es nur anders gelöst. Er hat sich nicht gegen das Christentum gewendet, er hat es auf seine Weise in die neue Zeit zu tragen versucht. Aber die Ursache ist das selbe. Er traf auf Christen, die auf die Fragen der Neuen Zeit keine Antworten geben konnten. So musste er sich selber welche finden.
Können wir Antworten auf die Fragen der Menschen unserer Zeit geben? Wo sind die christlichen Intellektuellen, die einem jungen Nietzsche die Antwort geben können, die er sucht, damit er sagen kann “Gott lebt - und er hat mir Leben gebracht”?
Ich seh leider immer noch ein “Intellektuellen-defizit” in den Gemeinden. Ich habe leider kaum Einblick in die Angelsächsische Szene und weiß nicht, wie es da aussieht. Vielleicht/hoffentlich ist es da anders. Aber zumindest in Deutschland sind es (momentan) etwas dürr aus.
Popularity: 2% [?]


February 14th, 2005 at 15:04
Kann ich alles nachvollziehen, aber Hermann Hesse würde ich in dem Zusammenhang nicht erwähnen. Vor allem nicht in Zusammenhang mit antichristlichen Tendenzen. Ich weiß nur wenig über ihn aber er hat definitiv eine sehr starke christlich-spirutuelle Tendenz (auch wenn die mit anderen Tendenzen vermischt wird).
Ansonsten find ich das gut. Der Siegfried Kettling- falls du den kennst- ist für mich ein solches Vorbild. Dem seine Bereitwilligkeit sich in antichristliche Gedanken einzudenken ohne sie gleich zu werten, finde ich vorbildlich.
Ich lerne das auch immer mehr, aber wie du schon sagtest: die christliche Szene kann intelektuell sehr frustrierend sein.
February 14th, 2005 at 21:25
Nun, von Hermann Hesse kenne ich nur Siddharta und Steppenwolf. Nur aus den Werken heraus könnte ich keine Urteile über sein Glaubensleben machen. Ich wäre aber nicht drauf gekommen, christliches darin zu vermuten. Aber wie gesagt, ich müsste mich auch erst in sein Leben und Werk einarbeiten.
Ich meinte aber auch nicht unbedingt, dass Hesse selber antichristliche Tendenzen hätte. Aber sein Werk hat einen solchen Einfluss, vor allem in den 60ern in den USA. Dafür kann er ja nichts und vielleicht hätte er das ja auch nicht gewollt. Aber so und so hat es bestimmte Strömungen gegeben, die durch seine Werke beeinflusst wurden. Das lässt sich kaum abstreiten.