Ich finde es immer wieder spannend, zu sehen, wie neubekehrte ihre ersten Schritte gehen. Vor allem, wenn sie nicht schon christlich indoktriniert wurden. Ich hatte schon ein relativ breites Wissen bei meiner Bekehrung (danke Mama und Papa!).
Aber nicht alle haben es so gut. Mir saß hier im Computerraum gerade einer gegenüber, der sich vor zwei Wochen während der
“Frag den Karl, der weiß das”. Und so werd’ auch ich ins Gespräch gezogen. Eine Frage nach der anderen. Und ich muss mir wirklich klar machen, dass man da wirklich ganz tief unten ansetzen muss. Hier an der Bibelschule hebt man schnell ab und wundert sich dann, wenn dann Leute nicht wissen, wer das Evangelium des Johannes geschrieben hat, Johannes der Täufer oder der Johannes auf Patmos.
Ich habe heute in der Cafete mit einem guten Freund über eine Stelle aus Judas diskutiert, das war schon etwas abgehoben, theoretisch … also etwas, was mir Spaß macht
Aber wir dürfen nie vergessen, wie man die absoluten Basics vermittelt. Was hilft es mir, wenn ich über Jud 9 zu diskutieren, über den Kontext, die Aussage, Wortbedeutungen etc., wenn ich dann einem neubekehrten bei den ersten Schritten nicht helfen kann, weil ich seine Sprache nicht mehr spreche. Ich werde das eine nicht lassen, aber ich muss aufpassen, auch das andere nicht zu verlieren.
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April 6th, 2005 at 13:04
“Hier an der Bibelschule hebt man schnell ab und wundert sich dann, wenn dann Leute nicht wissen, wer das Evangelium des Johannes geschrieben hat, Johannes der Täufer oder der Johannes auf Patmos.”
Ich komme eher aus der akademischen Theologie und lese gerade etwas rein in eure Diskussionen über “Emerging Church”…. Sehr interessant wie ihr die Bewegungen reformieren wollt! Aber eine Frage hätte ich dann doch noch wenn ich so was lese: Ihr wollt also Postmoderne rezipieren, aber mit der historisch-kritischen Bibelanalyse, die z.B. dieses Evangelium nicht als von einem historischen Johannes geschrieben betrachtet kommt man irgendwie dennoch nicht in Diskussion?
Siehe Artikel unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Johannes
April 6th, 2005 at 15:23
Ich kenn die Diskussion über die Authentizität des Johannes Evangeliums im Groben.
Ich kann nicht für andere reden, aber ich selber sehe mich als “Postfundamental” an. Ich muss die alten Schlachten über die historizität der Bibel nicht schlagen. Das wurde schon die letzten Jahrzehnte zur Genüge getan. Ich übernehme die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung und baue darauf aus. Und für mich gibt es keinen plausiblen Grund z.B. daran zu zweifeln, dass das Johannes Evangelium vom Jünger Johannes geschrieben wurde. Zumindest gibt es keinen zwingenden Grund, sich der historisch-kritischen Deutung anzuschließen.
Ich wüsste auch nicht, was die HK-Analyse zur Diskussion der Ekklesiologie beitragen könnte. Ihre desktruktivität hat sie in den letzten Jahren hinlänglich bewiesen, auch wenn sicherlich nicht alles falsch ist. Die HKM selber ist ja ein modernes konstrukt, das man in der Postmoderne ja hinter sich lassen will.
Aber wenn du diese Punkt aufwirfst, wie würde deiner Ansicht nach einer Diskussion der EC-Bewegung mit der HK-Bibelanalyse aussehen?
GFS
Karl
April 7th, 2005 at 10:34
Ok, lass mich das ganze mal etwas allgemeiner formulieren…. (Es ging mir auch nicht wirklich um die Authentizität des Joh. Ev. und auch nicht direkt um HK-Analyse)
Wenn man mal davon ausgeht, dass in der “Moderne” der Gedanke am Anfang stand, endlich (unter anderem mit HK-A) ein Werkzeug in der Hand zu haben um “das! Christentum” beziehungsweise “die! Geschichte” in einer Art linearem Fortschritt bestimmen und erforschen zu können, steht am Anfang der Postmoderne (unter anderem) der Gedanke einer Multi-Perspektivität.
Mit dem “Ende der großen Erzählungen” ist dann das Ende eines durchgehenden Welt- und Geschichtsbildes eingeläutet. Das muss natürlich (so hätten es sich Ideologiekritiker, Religionskritiker usw. gewünscht) gerade nicht heißen, dass “große Erzählungen” in dem Sinne verschwinden oder überflüssig oder gar verboten werden. Vielmehr weist Postmodernes Denken darauf hin, dass es unter der Bedingung einer möglichen Multiperspektivität immer auch den blinden Punkt einer jeden Perspektive, Wahrheit, “großen Erzählung” gibt. Mit der Systemtheorie (Luhmann) gesagt: “Man sieht nicht, dass man nicht sieht, was man nicht sieht.”
Emerging Church ist nun auch vor allem der Wunsch die “Freiheit eines Christenmenschen” wiederzuerlangen, und damit sowohl die Perspektive der “modernen akademischen Theologie (inclusive HK-A) als auch die Idee einer die Postmoderne ignorierende evangelikale Bewegung hinter sich zu lassen, und in einer solchen postmodernen Freiheit (die immer auch mit Verantwortung und nicht etwa Beliebigkeit einhergehen muss) Kirche neu zu machen.
Allerdings ist ja dann (wie oben gesagt) die Selbstreflexivität, also das Bewußtsein einer immer nötigen Rückbesinnng auch auf die eigenen Grenzen (und die der eigenen Perspektive) in einer solchen “Kirche im ständigen Werden” eine Grundvoraussetzung.
Und nun zur Frage:
Wie geht das zusammen z.B. mit der klassisch evangelikalen Position einer unfehlbaren Bibel wie du in deiner Confessio schreibst? (”1. Die Grundlage und das Fundament ist die Bibel, Gottes bis in den Wortlaut hinein inspirierte, unfehlbare und irrtumslose Wort, welches unter Gottes Fürsorge in den 66 Büchern des Alten und Neuen Testaments zuverlässig überliefert worden ist.”)
Denn Postmoderne ermöglicht natürlich gerade ein festhalten an Metaerzählungen, wie an der von Schöpfung-Sündenfall-Messias-Tod-und-Auferstehung. Allerdings hat auch diese ihren blinden Punkt, den man eben nicht sieht wenn man mit dieser Perspektive sieht. Und was man nicht sieht, sieht man dann eben auch nicht.
Muss nicht die Relativität der eigenen Perspektive auch bei diesen Punkten mitgedacht werden? Und ist damit nicht jeder Absolutheitsanspruch schon im Kern ein blinden Punkt? Ist nicht das was der erste Punkt deiner Confessio aussagt auch “nur” eine Perspektive? Oder treffen sich an diesem Punkt Postmoderne und Offenbarung und der Weg geht von dort nur in eine Richtung weiter?
April 7th, 2005 at 14:11
Danke für die Diskussionsanregung. Kann ich deinen Kommentar als eigenständigen, kommentierten Post auf meinen Blog stellen? So abseits wird das mehr ein Zwiegespräch. Du wirfst aber ein paar interessante Frage auf.
GFS
April 7th, 2005 at 14:58
auf jeden Fall - go ahead