Wir hatten heute unser erstes Treffen als Judasgruppe. Das war echt cool. Ich habe vorher schon in der Beschäftigung mit dem Text gemerkt, wie tief man da hineinsteigen kann. Aber nach Heute Abend habe ich gemerkt, wie oberflächlich ich doch nur gekratzt habe. In der Diskussion mit anderen, wenn verschiedene Meinungen und abweichende Perspektiven auf einander prallen, da erst merkt man, wie ungeheuer explosiv und tiefgehend Gottes Wort ist.
Und heute Abend habe ich gemerkt, wie wichtig es auch ist, im Dialog mit anderen zu bleiben. Wir selber sind in unserem Blick auf die Bibel oft sehr beschränkt. Wir kommen mit unseren Gedanken an den Text, mit unseren Problemen, Sorgen, Ideologien, Gottesvorstellungen etc. Das alles schränkt uns in der Begegnung mit Gott in seinem Wort ein. Dieser persönliche Horizont wird nur in der Begegnung und im Austausch mit anderen durchbrochen. Und plötzlich sind mir nicht nur _ein paar_ funzeln angegangen.
Ich denke, heute Abend habe ich das erste Mal die groben Linien des Judasbriefes gecheckt. Und der Brief hat es echt in sich.
Aber ich habe auch gemerkt, wie vorsichtig man in der Exegese sein muss. Zu schnell zieht man voreilige Schlüsse, die man in den Text hineinliest, die aber nicht aus dem Text heraus kommen. Wir müssen also sehr sorgfältig mit Gottes Wort umgehen, wenn wir Gott nicht Dinge in den Mund legen wollen, die er nie gesagt hat. Da habe ich heute einige Male zusammenzucken müssen heute Abend, weil ich selber gemerkt habe, wie voreilig ich in dieser Hinsicht bin. Ich begreife langsam immer mehr, dass Exegese ein echtes hineinlassen in den Text ist, meditation, und nicht bloß ein arbeiten mit dem Text. Wurde auch Zeit, dass ich das langsam begreife, und wird Zeit, dass ich das mal wirklich in die Praxis umsetze. Ich bin da noch weit entfernt von.
Noch ein Gedanke ist mir heute Abend etwas klarer geworden:
ich habe mich in letzter Zeit gefragt, wie wichtig es eigentlich ist, griechisch zu können und an den Grundtext heranzugehen. Ich will an die “FTA Gießen”:http://www.fta.de um u.a. eben in diesen Dingen fit zu werden. Aber ich habe mich gefragt, ob das nicht alles übertrieben ist. Haben wir denn nicht so gute Überstzungen, dass man das Novum Testamentum Graece nicht eigentlich weglassen kann? Ich nehm mir zwei, drei Übersetzungen, das wird auch schon tun.
Mir ist heute Abend etwas deutlicher geworden: Ja und Nein!
Wir haben in der Tat viele gute Übersetzungen. Und sie dürften in vieler Hinsicht auch genügen. Aber heute Abend habe ich doch wieder gesehen, wie hilfreich und manchmal notwendig es ist, einen genaueren Blick in den Grundtext zu wagen. Und das nicht einfach nur, um mal ein Wort etwas genauerer zu treffen. Was ist, wenn zwei Übersetzungen, wie Elberfelder und Luther, in einem Punkt zwei verschiedene Wege gehen, und je nach dem, welche Übersetzung zutrifft, man zu zwei verschiedenen Schlüssen kommen kann?
Man könnte jetzt natürlich nach Lieblingsbibel entscheiden. Ich mag die Luther mehr, also wird die schon stimmen. Oder umgekehrt.
Oder man redet sich damit heraus, dass die Unterschiede in Details nicht so wichtig ist. Wichtig ist nur, dass der grobe Rahmen stimmt. Der Rest pascht scho’.
Aber kann das der Weg sein? Machen wir es uns da nicht etwas zu einfach?
Luther hat gesagt, dass er keinen Pfarrer auf die Kanzel lässt, der kein Griechisch kann. Und ich denke, da ist was dran. Ich will kein griechisch Fetischist werden. Wie gesagt, oft werden wir es gar nicht brauchen. Aber wenn wir Gottes Wort lesen wollen, und nicht bloß die Übersetzung desselben, dann müssen zurück zu den Wurzeln. Da begegnen uns Paulus, Petrus, die Evangelisten etc. in aller ihrer Klarheit, Härte, Schönheit, Verspieltheit, die sie in den Übersetzungen manchmal verlieren.
So, genug für den Abend. Ich muss ins Bett. Darüber, wie sich der Sündefall in Form von kleinen, lästigen Grippeviren manifestiert, könnte man einen eigenen Eintrag schreiben.
GFS
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