_Was ist Gemeinde? Und wie hat Gemeinde auszusehen?_
Zwei uralte Fragen, die in jeder Generation neu beantwortet werden müssen. Darüber wird auch gerade eine Debatte in verschiedenen Blogs geführt, z.B. bei “[Depone]“:derdepone.blogspot.com/2005/03/ekklesia.html. Diese Diskussion hat unter anderem auch zu der Entstehung eines “_EmergingEcclesiology_-Blogs”:http://emergingecclesiology.blogspot.com/ geführt, der hoffentlich nicht nur bei
Es ist wichtig, über die Frage nachzudenken. Was ist Gemeinde? Wir können erst Gemeinde bauen, wenn wir wissen, wie sie auszusehen hat. Haben wir ein falsches Bild von Gemeinde, dann werden wir Gemeinde falsch bauen.
Ich hab’ auch etwas über das Thema nachgedacht. Meine Bibelschulzeit geht zu Ende, und das weiter Studium wird auch nicht ewig gehen. Ausserdem will man ja nebenbei trotzdem in der Gemeinde aktiv sein. Deshalb will ich mir die Frage, was Gemeinde ist, und wie sie aussehen sollte, für mich beantworten (Das geht natürlich nicht innerhalb eines Posts. Das ist vielmehr ein Mosaikdenken. Viele kleine Bausteine, die man langsam zusammensetzt).
Gestern war ich auf einem Spaziergang, auf einem etwas abseitigen Weg. Ich hab’ da die Augen zugemacht und einfach nur mal zugehört. Ich hörte rechts den kleinen Fluss plätschern, mal leiser, mal lauter. Irgendwo zwitscherten Vögel, in immer neuen Variationen. Der Wind strich durch die Äste der Baume und die Blätter einer Hecke raschelten. Dann raschelte ein Blatt über den Boden, zuerst nach links, dann nach Rechts. Und während ich so vorwärts ging, die Augen halb geschlossen, da wurde mir neu bewusst:
*_Gott liebt Vielfalt!_*
Ich werde die Szene, so wie ich sie gestern erlebt habe, nie wieder erleben. Sie war einmalig. Die einzelnen Elemte, Vogelgetzwischer, der Fluss, die Blätter, das alles werde ich immer wieder antreffen, aber nie in dieser Kombination.
Gott liebt die Vielfalt.
Jemand sagte mal: “Der Mensch produziert am Fließband. Bei Gott ist jedes Produkt 100% einmalig”.
Genauso ist es auch mit der Gemeinde. Wer _das_ Modell der Gemeinde für die Postmoderne sucht, der wird scheitern, schon alleine deshalb, weil es _die_ Postmoderne gar nicht gibt. Der Ausdruck ist eher der Versuch, heutige Zeiterscheinungen zu erklären. Das stärkste Element dessen, was man allgemein als Postmoderne bezeichnet, ist die Pluralität, die Vielfalt. Die heutige Zeit hat tausend Gesichter. Und ich denke das ist es, was wir in der heutigen Zeit auch in Bezug auf die Gemeinde neu begreifen dürfen:
Auch Gemeinde hat tausend Gesichter!
Aber ich komme hier wieder auf das Beispiel der Natur zurück:
Die Natur gewinnt ihre Einmaligkeit durch _resampling_ gleicher Elemente. Das habe ich in der Szene oben beschrieben. Die Natur hat ein Grundrepertoire, das sie immer wieder neu mixt.
Ein anderes gutes Beispiel dafür ist eine Schneeflocke. Keine
Eine Schneeflocke ist also als solche sofort zu erkennen und dennoch absolut einmalig.
Diese Vielfalt hat Gott auch für die Gemeinde vorgesehen. In der Vergangenheit mussten Missionare schmerzhaft feststellen, dass es nicht funktioniert, wenn man z.B. deutsche Gemeindekultur in eine andere Kultur exportiert. Was in Deutschland passend ist, ist in Afrika absolut unangebracht. Wer in Afrika Gemeinde bauen will, muss Kulturimmanent bauen.
Es wird Zeit, das wir das auch in unserem eigenen Land umsetzen. Gemeinde muss vielleicht schon fünf Kilometer weiter schon ganz anders aussehen. Vielleicht sind die Elemente dort ähnlich, aber der Mix ist anders.
Ich hab’ das schon in einem “Kommentar”:http://lifenavigator.typepad.com/lifenavigator/2005/03/band_of_brother.html#c4484991 bei “Mike B.”:http://lifenavigator.typepad.com angerissen. Ich zitier mich selber mal hier:
Auf der einen Seite dekonstruiert man den Gemeindebegriff, was z.B. bei Depone wieder angerissen wurde, auf die letztgültigen und unumstößlichen biblischen prinzipien, die ewige Geltung haben und die kulturell unabhängig sind. Dann hätte man Gottes grobe Strichzeichnung für die Gemeinde, die noch mit Farbe und Details zu füllen wäre.
Und dieses ausfüllen der Details könnte man dann EC [emerging church] nennen, der Versuch, dort wo man ist, die Strichzeichnung Gottes mit den Farben zu füllen, die man zur Verfügung hat, semper reformanda. …
Ich denke das sollte eher das sein, was man anstreben sollte. EC als Arbeitsbegriff verstehen, als Absichtsformulierung, Kulturrelevante und Gott verherrlichende Gemeinde zu bauen.
Einige Striche dieser Zeichnung Gottes finden wir z.B. in Apg 2:
* Unterweisung
* Abendmahl
* Gebet
* Gemeinschaft und Liebe
An anderen Stellen der Bibel werden uns andere Striche der Zeichnung gegeben. Gott hat uns aber die Aufgabe gegeben, diese Zeichnung mit Details und Farbe zu füllen.
Natürlich wäre es einfacher, wenn Gott uns ein 1000 Seiten Handbuch mit allen Details gegeben hätte. Hat er aber nicht. Er will, dass Gemeinde organisch ist, und das bedeutet Vielfalt, nicht Fließband. Und deshalb ist auch die Suche nach _dem_ Modell von Gemeinde ein nettes bestreben, aber der falsche Ansatz in meinen Augen.
Das ist der Stand 23.03.2005 bei mir. Vielleicht sieht es Morgen schon wieder anders aus.
Helft mit mir, meinen Horizont zu erweitern.
GFS
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März 23rd, 2005 at 18:03
Ist interessant, dass ich grade an etwas Ähnlichem dran bin. Lese - wie schon gepostet - “Die dritte Reformation”. Dort entwickelt Schwarz ein funktionales Paradigma oder ein pneumatisch-funktionales Paradigma.
Ist vom Ansatz nicht schlecht, auch wenn ich schon einige Punkte gefunden habe - mit denen ich mich gar nicht anfreunden kann. Er unterstellt z.B: die Bibel auch der funktionalen Frage. Naja, werde ich bald mal selber ausführlicher darlegen.
Ansonsten wie gesagt, finde ich den Ansatz, die Gemeindestruktur der Frage nach ihrer Funktionalität zu unterstellen nicht schlecht. Die Frage die dabei aber auch unbedingt zu beantworten ist: Wo haben wir Elemente, die uns von Gott gegeben sind - und an denen wir nicht rüteln dürfen. Und ich befürchte, dass wir schon hierbei nicht einen Nenner finden werden.
Also, bleib dran, ich tue’s auch.
dein kleiner Bruder
markus
März 24th, 2005 at 16:20
Karl, sehr wertvolle Gedanken zu du da postet. Wenn du auch zu den Kontributoren von Emerging ecclesiology (soll kein exklusiver Kreis sein) gehören willst, melde dich bei Björn: bjoern.wagner@email.de
wünsche dir eine gesegnete Osterzeit
Mike
März 24th, 2005 at 17:40
Hi Mike,
danke für das Angebot. Ich werds überdenken. Ich hab schon länger über ein e-zine nachgedacht. EE könnte ein guter Beginn sein.
GFS