Klaus Berger war schon öfters in den Schlagzeilen und im Zentrum des Interesses (zumindest unter Theologen und Theologie-Interessierten). Meistens wegen seiner Querdenker-Art, die sich nicht immer für den Theologischen Konsens und Status Quo interessiert hat.
Jetzt ist Klaus Berger wieder in den Schlagzeilen, aber gerade gegen Ende seiner Universitären Laufbahn hat er sich scheinbar in seiner eigenen Vergangenheit verstrickt, zumindest wenn die Vorwürfe gegen ihn zutreffen:
“Die Zeit: Der Fall Klaus Berger”:http://www.zeit.de/online/2005/46/berger/berger_haupttext?page=all
Ich weiß nicht, wie ich darüber denken soll, was dort geschildert wird. Dafür kenne ich Berger und seine Vergangenheit zu wenig.
Wie meistens läuft es auf eine teils-teils Geschichte hinaus. Berger wird seine Teilschuld tragen, denn er hat nicht klar Schiff gemacht, sondern sich gedruckst und die ganze Sache damit noch verschlimmert haben. Vor allem hat er seine Glaubwürdigkeit mit seine Widersprüchlichkeiten angekratzt.
Auf der anderen Seite empfinde ich das als arg aufgebauscht. Für viele der Leute, die sich jetzt so empören und die um die Bekenntnisse der Kirche bangen und die Kirchenordnung, sind eben diese Bekenntnisse ein Stück besseres Toilettenpapier, wenn es um die eigene Forschung und Wissenschaft geht. Ich sag das jetzt mal krass plakativ und will nicht alle Theologen über einen Kamm scheren. Es gibt da sicherlich auch positive und vorbildliche Ausnahmen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eben auch die anderen gibt, die die Bekenntnisse nur deshalb noch aufsachen können, weil sie sich eine nette private Hermeneutik ausgedacht haben, die quasi als Kompatibilitätsschicht zwischen Gesagtem und wirklich Gemeintem dient.
In mir bleibt hartnäckig das Gefühl, dass da einige Fachkollegen vielleicht ganz froh sind, wenn der Berger mal eins aufs Dach bekommt. Da hackt man gerne mit. Neid dürfte da eine nicht allzu geringe Rolle spielen. Ist der Berger doch einer der bekanntesten Theologen in Deutschland, auch unter nicht-Eingeweihten.
Ich hab noch nicht so viel von Klaus Berger gelesen. Aber was ich gelesen habe (”Sind die Berichte des Neuen Testaments wahr?”:http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-url/ix=books-de&rank=%2Bsalesrank&fqp=product-type%01book%02author%01Berger%2C%20Klaus&sz=25&pg=2/302-5239754-3468050
und sein _Opus Magnum_ “Jesus”:http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3629008127/qid=1132007413/sr=2-1/ref=sr_2_11_1/302-5239754-3468050 Jetzt will ich seine “Exegese des Neuen Testaments” lesen), hat mich sehr angesprochen und ins Nachdenken gebracht, vor allem sein “Jesus”. Mich fasziniert vor allem sein Mut, gegen den Strich zu denken, und zu sagen, was nicht unbedingt _theologischer Konsens_ ist. Da ist er mir auf jeden Fall Vorbild.
Sollten die Vorwürfe zutreffen, dann seh ich das als Warnung, wie schnell einen die Vergangenheit einholen kann und schlimmstenfalls den Ruf bedenklich ankratzen kann. Der Fall Kohl ist ein weiteres Mahnmal in dieser Runde.
Fehlerlos geht keiner durchs Leben. Aber flunkern (Lügen wäre vielleicht passender, aber ich finde das zu kalt an dieser Stelle) wird nicht durch noch mehr flunkern gerade gebogen. Man flechtet sich nur das eigene Netz, in dem man sich verstrickt.
Sollte es nicht zutreffen, was ihm vorgeworfen wird, dann finde ich es schade, wie man jemandem so kurz vor der Emeritierung noch Schmutz an die Wand schmeißt.
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