Das ist jetzt das letzte Kapitel, in dem uns Daniel als handelnde Hauptperson begegnet. Daniel in der Löwengrube. Die Geschichte kenne ich schon, seit dem ich ein kleines Kind war.
Daniel hat jetzt den x-ten Wechsel eines Königs miterlebt. Vor 60 Jahren kam er unter Nebukadnezzar nach Babylon. Und jetzt hat nicht nur der König gewechselt, sondern auch das regierenden Volk. Die Babylonier wurden von dem Medo-Persern abgelöst.
Eins bleibt gleich:
Daniel schwimmt ganz oben mit. Schon als junger Mann wurde er in hohe Regierungsverantwortung gestellt. Und jetzt, ca. 80-jährig, ist er immer noch einer der klügsten und gescheitesten im ganzen Reich, und wieder soll er einer der mächtigsten Männer im Reich werden. Das war unter Beltschazzar schon der Fall gewesen.
Aber wie das halt so ist, einigen Leuten gefällt das nicht. So suchen sie nach einer Möglichkeit, ihm was zu unterstellen. Und so starten sie eine schöne Schmutzkampagnie. Einige Dinge ändern sich nie …
Aber cool ist, dass trotz allem Wühlen in schmutziger Wäsche und in Mülleimern nichts gefunden wird, was Daniel irgendwie in Misskredit bringen könnte. Und Daniel ist jetzt schon einige Jahrzente im Dienst!
Ich bin erst 21 und ich wüsste schon genug, was man gegen mich verwenden könnte. Und ich möchte gar nicht wissen, was sich bei mir noch ansammeln wird.
Aber die Verschwörer geben nicht auf. Sie haben einen Plan. Und der ist wirklich raffiniert. Sie packen Daniel bei seinem Glauben.
Das man Daniel an dieser Stelle packen kann, bedeutet, dass Daniels Glaube allgemein bekannt war, und das bekannt war, wie fest er an seinem Glauben festhielt. Auch das ist wieder vorbildlich.
Die Verschwörer schmeicheln dem König und bringen ihn dazu, einen Erlass auszurufen, der besagt, dass man eine bestimmte Zeit nur zu ihm beten darf. Das der König sich auf so etwas überhaupt einlässt ist mir schon schleierhaft. Aber Macht korrumpiert und es doch cool, ein Gott zu sein. Leider bedenkt er die Folgen dabei nicht. Wie es auch bei uns so oft der Fall ist.
Und die Folge ist, dass Daniel, der gescheiteste Verwalter im Land, in Konflikt mit diesem Gebot gerät und am Ende in der Löwengrube landet.
Daniels Verhalten an dieser Stelle ist mir eine gr0ße Hilfe. Oft kommt die Frage auf, wie man sich in einem gottlosen Regime verhalten soll. In Deutschland stellt man sich oft die Frage, wie man sich denn im dritten Reich verhalten hätte sollen. Muss man nach Röm 13 nicht dem Staat untertan sein?
Daniel gibt die Antwort:
Ja, sei dem Staat untertan, solange der Staat sich nicht in die Beziehung zwischen dir und deinem Gott einmischt und Dinge fordert, die Gott eindeutig verbietet.
Denn der Befehl des Königs ist eine eindeutige Aufforderung zu Götzendienst. Aber es gibt keinen anderen Gott neben Jahwe und man darf keinen anderen Gott anbeten.
Solange Staat und Gott sich nicht in die Quere kommen, fordert Gott uns auf, sich dem Staat unter zu ordnen.
Stellt sich der Staat aber gegen Gott, fordert also auf, von Gott verbotene Dinge zu tun, oder von Gott gebotene Dinge zu unterlassen, dann hat der Staat sein Anrecht auf Gehorsam, zumindest in diesem einen Punkt, verloren, denn er erhält seine Autorität ja von Gott, gegen den er sich ja aber stellt.
Natürlich muss man an diesem Punkt sehr vorsichtig sein. Nicht alles, was uns nicht gefällt, ist automatisch auch gegen Gottes Willen. Wir müssen keine Rebellion anzetteln, nur weil der Staat die Steuern erhöht oder Autobahnen an unseren Dörfern entlang baut. Das wäre *nie* Gottes Absicht.
Aber es gibt Momente, in denen wir einfach “nein” sagen müssen, auch wenn es Konsequenzen von Seiten des Staates nach sich zieht.
Daniel war bereit die Konsequenzen zu tragen. Er ist in die Löwengrube gegangen, ohne das wir ein Wort der Klage oder des Widerspruches überliefert bekommen. Und auch sein Verhalten am nächsten Morgen, als der König kommt, um in Angst und Sorge nach ihm zu sehen, merken wir etwas von Daniels genialer Einstellung. Er macht dem König keine Vorwürfe darüber, dass er so einen bescheuerten Befehl erlassen hat, und darüber, dass er ihn hat in die Löwengrube schmeißen lassen.
Stattdessen erweist er dem König weiterhin die Ehre, die ihm zusteht. Und anstatt den König niederzumachen, macht er Gott groß.
*Fazit*
Nach den fünf Kapiteln, in denen uns von Daniel und seine Freunden berichtet wird, muss ich echt sagen, dass ich gar nicht weiß, wie ich mit ihm umgehen soll.
Sein Verhalten erscheint so übermenschlich und unerreichbar. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht geschafft hätte, so zu handeln, wie er. Daniel ist ein geistlicher Held, ein Titan.
Aber wieso ist er das? Weil er als Mensch so toll wäre? Weil er das alles aus sich selbst heraus geschafft hat?
_Glaub an dich selbst, dann wird dir alles gelingen!_
Wirklich? Ich glaube nicht. Wenn Daniel so gedacht und gehandelt hätte, dann wäre er schon am Anfang zusammen mit all den anderen Weisen von Nebukadnezzar umgebracht worden. Denn hat Daniel den Traum und seine Deutung durch eigenes Nachdenken herausgefunden? Oder hat Daniel, der 80-jährige Opa, in der Löwengrube aus eigener Kraft den hungrigen Löwen das Maul zugehalten? Wohl kaum!
Wer Daniels Geschichte liest, der liest Gottes mächtige Hand in der Geschichte eines einfachen Menschen. Wer beim Lesen nur auf Daniel schaut, der wird nie verstehen, wie so etwas möglich ist. Und der wird entweder an sich selbst, oder an der historizität der Geschichte zweifeln.
Wer aber über Daniel hinaus auf Gott blickt, der wird begreifen, wie so jemand all das erleben und überleben kann. Und der wird dann auch wissen dürfen:
Der Gott Daniels ist der selbe Gott, der auf Golgatha am Kreuz hing, nach drei Tagen auferstand und heute in uns lebt und wirksam ist.
Wenn ich das begreife, dann muss ich mir selbst keinen Stress machen. Ich werd es nicht schaffen so zu leben, wie Daniel. Denn Daniel selbst würde es nicht schaffen, so zu leben wie Daniel, wenn nicht Gott wäre.
Wenn ich aber Gott in meinem Leben wirken und ihn in mir leben lasse, dann ist es auch in meinem Leben möglich, ein Leben zu führen, wie es Daniel vorbildhaft vorgemacht hat.
Und das ist cool!
Popularity: 6% [?]


Leave a comment