Hm, wenn man die Geschichten alle schon kennt, dann ist es schwer, sich da wirklich noch einmal drauf einzulassen und etwas Neues zu entdecken. Vor allem nicht bei Daniel. “Oh, schon wieder meistert Daniel die Situation. Man, das ist ja mal wieder gut gegangen”, so kann man fast jedes Kapitel zusammenfassen, wo es irgendwie brenzlig wird für Daniel. Ich glaube, im ganzen Danielbuch wird nicht einmal darüber berichtet, dass Daniel etwas verbockt hätte.
Der Typ ist so etwas, wie der Traum aller Schwiegermütter.
Auch hier im 2. Kapitel. Nebukadnezzar hat schlecht geschlafen und keinen Bock auf die Spielchen seiner Traumdeuter. Ich finde es irgendwie cool, wie er hier vorgeht. “Wenn die Typen so schlau sind, wie sie immer vorgeben, dann sollen sie nicht nur meinen Traum deuten, sondern vorher auch noch erzählen, _was_ ich überhaupt geträumt habe.”
Ich hätte zugern die Gesichter der Traumdeuter gesehen. Denen muss das Herz in der Hose gehangen haben. Mit ihrem Latein waren sie auf jeden Fall am Ende. Und Nebukadnezzar ist der Kragen geplatzt. Kurzerhand gibt er den Befehl, die Intelligenzia des Landes abmurcksen zu lassen. Krass ist, das sogar Daniel sterben soll, obwohl er bei der Besprechung mit dem König gar nicht dabei gewesen ist.
Aber noch krasser ist die Reaktion Daniels. Da kommt ein Muskelpaket mit einem riesen Schwert auf dich zu … wie würdest du reagieren? Genau, ich auch.
Aber Daniel ganz cool: “Was is’n überhaupt Sache hier?” Und dann geht er zum König holt sich ein paar Tage aufschub und veranstaltet mit seinen Freunden einen Gebetsmarathon (ich schätze, die andere Intelligenzia wird auch gebetet haben, was das Zeug hält ;-)) Und wieder wird sein Vertrauen belohnt. Gott offenbart ihm den Traum.
Im weiteren Verlauf der Geschichte sehen wir zwei weitere Verhaltensweisen, die typisch für Daniel sind:
# Denk er nicht nur an sich. Er denkt zum Einen auch an die anderen Weisen, für die er um Gnade bittet. Er hätte diese Situation auch anders nutzen können und sich seiner (potentiellen) Konkurrenten entledigen können. Sicherlich waren einige darunter, die ihm später noch Ärger verursacht haben. Aber das ist nicht Daniels Art. Und dann später, am Ende des Kapitels denkt er an seine Freunde, als er zum Statthalter ernannt wurde. Wie oft hört man davon, dass mit dem Ruhm auch das Vergessen (der Freunde) kommt. Die Gefahr berühmt zu werden ist bei mir sehr gering. Aber dennoch kann es vorkommen, dass man in der Gefahr steht, seine Freunde zu vergessen. Ich hoffe, ich werde mich an Daniel erinnern, wenn’s bei mir mal fast so weit ist.
# Heimst er den Ruhm nicht für sich ein. Er weiß, wem er sein Leben zu verdanken hat, nämlich Gott. Das macht er einmal in seinem Lob deutlich, und später dann auch vor dem König selber. Das ist cool, und herausfordernd. Hab’ ich den Mut, auf Gott hinzuweisen, wenn ich ihm etwas verdanke? Oder war es dann doch wieder nur der Zufall oder mein eigenes Können? Ich weiß nicht. Zumindest steh’ ich in der Gefahr, Gott in solchen Dingen in die zweite Reihe zu stellen. Es reicht ja schon, wenn ich ihm beim Abendgebet schnell man dafür danke … oder?
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