Bevor man irgendwelche Aussagen über Religion oder Theologie machen kann, muss man deutlich machen, aufgrund welcher Grundlagen und Quellen man diese Aussagen macht, will man nicht das Tor der Beliebigkeit aufmachen.
Die Antwort auf die Frage, auch welche Grundlage man baut, und wieso auf diese, und keine andere, würde den Rahmen dieses Postings sprengen. Letztendlich lässt sich diese Frage nach streng rationellen Gesichtspunkten nicht mit endgültiger Zufriedenheit beantworten.
Die Grundlage dieses Blogs ist die Bibel, das ganze Wort Gottes, welches uns in den 66 Büchern des Alten und Neuen Testaments überliefert ist.
Diese Bibel ist Gottes Wort, weil ihre Schreiber von Gott auf übernatürliche Weise inspiriert wurden (2Tim 3,16; 2Petr 1,20-21), ohne dass der Charakter und die Persönlichkeit dieser Schreiber ausgeschaltet worden wäre. Durch die Inspiration ist sichergestellt, dass wir in der Bibel bis in den Wortlaut hinein bei jedem Sachverhalt Gottes Wort wiederfinden.
In einem Satz zusammengefasst lautet der erste Grundsatz des Xrossblogs:
1. Die Grundlage und das Fundament ist die Bibel, Gottes bis in den Wortlaut hinein inspirierte, unfehlbare und irrtumslose Wort, welches unter Gottes Fürsorge in den 66 Büchern des Alten und Neuen Testaments zuverlässig überliefert worden ist.
Popularity: 8% [?]


März 27th, 2007 at 17:22
Unfehlbar? Irrtumslos?
Wer soll das entscheiden? Nach welchen Kategorien?
Das sind doch Begriffe, die die lutherische Orthodoxie lange nach Luther unter Rückgriff auf Aristoteles eingeführt hat.
Also mit unbiblischen Maßstäben.
März 27th, 2007 at 17:32
Tja, so einfach würde ich es mir dann doch nicht machen. Das ist ein hochkomplexes Thema, mit dem ich als Theologe ständig ringen muss. Aber es ist auch eine Entscheidung “a priori”. Wer meint, die Bibel sei nicht in dieser Weise inspiriert trifft auch eine “a priori” Entscheidung. Meistens wird das als die rationel akzeptablere dargestellt und ist common sense. Aber notwendig muss man das nicht so sehen.
März 27th, 2007 at 22:49
Ich finde, mit “unfehlbar” und “irrtumslos” macht man es sich auch einfach. Ist das nicht FTA-Mainstream?
Ich halte das für eine Ablenkung. Man ist immerzu damit beschäftigt, nach wissenschaftlichen Methoden zu beweisen, dass das alles stimmt. Und dann nimmt oft gar nicht mehr wahr, was die Bibel wirklich sagt. Ist das nicht eigentlich dasselbe, was auch die historische Kritik macht, nur ins scheinbar Positive gewendet?
März 27th, 2007 at 22:55
Das ist die Kritik nach Hempelmannschen Strickmuster an den Vertretern der Irrtumslosigkeit.
Die ganze Sache wird eher ablenkend, wenn man sich nur um diese Sache herumdreht. Für mich ist sie das Fundament, mit dem ich natürlich immer wieder ringen muss, aber auf das ich mich nicht ständig konzentrieren muss. ich konzentriere mich auf die Aussagen der Bibel und behalte meine Überzeugung von der Inspiration der bibel stets im Hinterkopf (natürlich auch mit der Bereitschaft sie notfalls anzupassen)
Und klar, das ist FTA-Mainstream, zumindest unter den Dozenten. Ist ja auch klar, das ist das Markenzeichen der FTA. In Marbug war Bultmann Mainstream, in Tübingen früher Baur etc. Das ist normal.
Aber ob es wirklich “zu einfach” ist? Das glaube ich kaum. Es lösen sich damit ja nicht alle Probleme in Luft auf. Nur weil ich von einer Irrtumslosigkeit ausgehe, heißt es nicht, dass ich alle Antworten auf alle theologischen Probleme habe. Übrigens auch nicht alle antworten in Bezug auf die Inspiration der Schrift.
März 27th, 2007 at 23:04
Ja, gut, vielleicht hast Du es letztendlich sogar schwerer. Für mich war es fast wie eine zweite Bekehrung zu begreifen, dass Gott mir die Bibel mit allen Fehlern und Widersprüchlichkeiten überliefert hat, ohne dass ich zunächst etwas anderes tun muß als es zu lesen. Hier spricht Gott zu mir und nirgendwo anders.
Und mir scheint, dass ist noch etwas anders, als von der Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit auszugehen. Ich habe dann bei der Lektüre doch immer diese Widersprüche im Kopf, die sich da auftun. Und vielleicht auch immer die Neigung, sie beheben zu wollen.
Das Entscheidende ist, dass bei dieser Sichtweise sich eine andere Instanz zur Beurteilung der Bibel einschaltet. Ohne diese Zusätze (Irrtumslosigkeit, Unfehlbarkeit) ist die einzige Instanz zur Beurteilung der Bibel die Bibel selbst.
März 27th, 2007 at 23:10
Nun, ich habe meine Inspirationslehre nicht extra biblia, sondern finde sie aus dogmatischen Gesichtspunkten in der Bibel selber. Für mich ist zentrale Instanz zur Beurteilung der Bibel auch die bibel selber, und auf der anderen seite das offenbarte wort Gottes, von dem ich wiederum aus der Bibel erfahre im Fleisch und Gottes Person, von der ich wiederum nur aus der Bibel erfahre.
dazu kommt noch ein gutes Stück Tradition, die wir als evangelische vielleicht manchmal etwas zu gering einschätzen.
Das ist ein schwieriger und anstrengender Weg. aber es ist nicht einfach so, dass ich aus einer philosophischen Spekulation heraus zu der Einsicht gekommen, dass die bibel irrtumslos ist.
März 27th, 2007 at 23:19
Hm. dann sind wir uns ja eigentlich einig. war jetzt die ganze diskussion umsonst? war das jetzt sozusagen ein “Irrtum” (harhar)?…
jetzt mal im Ernst: wozu braucht man dann diese wendungen “unfehlbar” und “irrtumslos”? Wenn ich davon ausgehe, dass die Bibel das Wort Gottes ist, dann ist doch damit ein bestimmter Umgang mit diesem Wort vorausgesetzt.
März 27th, 2007 at 23:28
Nun, diese Begriffe sollten definitiv nicht als “kampfbegriffe” missbraucht werden. Und da sie zu häufig so gebraucht werden, haben sie einen negativen Beigeschmack. Es sind im Grunde theologische Fachbegriffe, so wie ich von Transsubstantiationslehre spreche oder konsubstantationslehre, um mit einem begriff deutlich zu machen, welche Position ich in der Eucharistiefrage einnehme, ohne jedesmal zu erklären, was ich glaube.
Und es geht damit, vor allem in der wissenschaftlichen theologie, einher, dass ich meine Prämissen und vorraussetzungen offenlege und aufzeige, so dass jeder sieht, von welchem Startpunkt aus ich meine Theologie beginne. Das ist die übliche vorgehensweise und gehört zur wissenschaftlichen Arbeit dazu.
Wie gesagt: Nicht als Kampbegriffe verwenden, sondern als Fachtermini zur schnellen definierung meiner theologischen Position.
Es gibt ja dennoch einen haufen Unterschiede im konkreten Umgang mit Gottes Wort, selbst wenn wir prinzipiell darin übereinstimmen, dass die bibel Gottes Wort ist und wir die bibel aus der Bibel heraus interpretieren. Und da kann es in bestimmten Diskussion hilfreich sein zu wissen, welchen Standpunkt der andere denn jetzt genau einnimmt. Dann kann eine Diskussion vielleicht sachlicher und pointierter ablaufen, ohne dass man aneinander vorbei redet
März 27th, 2007 at 23:29
OK, aber wie sieht das im Einzelnen aus? Ich verstehe immer noch nicht, wozu diese Begriffe gut sind.
März 27th, 2007 at 23:36
Und jetzt verstehe ich dein Problem grad nicht? Ich gehe davon aus, dass es in der Bibel keine sachlichen oder strikt-logischen widersprüche in der Bibel gibt (nach dem Muster A=B und gleichzeitig A != B), und ich gehe davon aus, dass die Bibel mir eine auch auf naturwissenschaftlicher Ebene genaue Beschreibung der Welt liefert.
Das heißt nicht, dass ich jeden Satz in der Bibel gegen den eigenen Sinn wörtlich auslege. Es gibt Poesie in der Bibel, Symbolsprache, Stilmittel wie Übertreibung etc. Das nehme ich ernst.
Und vor allem beziehe ich die Irrtumslosigkeit auf die ursprünglichen Manuskripte. Es kann also Fehler in der Überlieferung geben (deshalb ist Textkritik wichtig), aber das bezieht sich nicht auf die Originaldokumente.
Ich könnte jetzt noch weiter aufzählen. Hast du die 1. Chicagoer Erklärung zur Irrtumslosigkeit der bibel gelesen? Dort findest du im kern das, was ich glaube:
http://bibelbund.de/pdf/chicago.pdf
März 28th, 2007 at 0:10
Sehr interessant. Leider kann ich jetzt nicht mehr. Vielleicht führen wir das Gespräch später fort.
Mai 6th, 2007 at 23:42
Aristotelische Logik ist ein Maßstab außerhalb der Bibel. Die Bibel interessiert sich überhaupt nicht für naturwissenschaftliche Fragen. Es ist nicht ganz schlüssig, wenn Du auf der einen Seite sagst, Du erklärst die Bibel aus sich selbst, und auf der anderen Seite diese sozusagen “sachfremden” Maßstäbe ansetzt.
Wenn Du diese Maßstäbe konsequent anwendest, bist Du ganz schnell da, wo Ernst Troeltsch sich irgendwann selbst hinrangiert hat: In der Philosophischen Fakultät. Oder Du kannst sagen: “Mein Name ist Lüdemann. Gert Lüdemann.”
Mai 7th, 2007 at 9:50
Natürlich ist die Bibel kein naturwissenschaftliches Lehrbuch. Das ist klar.
Aber das heißt noch lange nicht, dass sie nicht auch “naturwissenschaftliche Aussagen” macht oder zumindest Aussagen macht, die den Bereich der Naturwissenschaft berühren.
Die Bibel ist fest im Alltag und in der Geschichte verankert und damit auch in Reichweite der Wissenschaft. Da gehe ich mit Troeltsch und der HKM sogar D’Accord. Nur würde ich zu seinem Dreisatz: Kritik, Analogie und Korrelation auch noch “göttliche Singularität” dazu tun.
Die Bibel selber macht vielleicht keine _strikt_ aristotelischen Aussagen, aber die Personen der Bibel, allen voran Jesus oder Paulus oder Petrus, machen Aussagen über die Bibel, die ich dann mit philosophischen Aussagen zusammenfassen oder beschreiben kann. Sie versperrt sich nicht dagegen.
So erkläre ich die Bibel aus der Bibel selber, indem ich ihre Selbstaussagen ernst nehme, und muss dennoch nicht Sorge davor haben, ja nicht “griechisch” zu klingen.
Mai 7th, 2007 at 23:04
Komisch. Für mich ist dieser Aufsatz von Troeltsch fast so etwas wie eine Bankrotterklärung der HKM. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man dann seine drei Prinzipien noch weiter anwenden kann, wenn man fruchtbare Bibelauslegung betreiben will. Troeltsch legte immerhin hinterher sein Amt als Professor für Theologie nieder.
Ich verstehe auch nicht, wie man Aussagen von Jesus, Paulus etc. mit philosophischen Aussagen zusammenfassen kann. Ich würde das zunächst einmal sehr strikt trennen. Abgesehen davon finde ich es auffällig, dass das Wort Gottes anders ist als jede Philosophie.
Und ich finde immer noch, dass Du Dir widersprichst. Du sagst, man soll die Bibel durch sich selbst auslegen. Und sprichst im selben Atemzug davon, Kritik, Analogie und Korrelation anzuwenden und Aristotelische Logik usw.
Ich will nicht bestreiten, dass ich vielleicht auch aus Versehen so die Bibel lese. Aber eigentlich halte ich es für eine vollkommen ungeistliche und wirkungslose Art, die Bibel zu lesen. Vielleicht ist es erhellender, in diesem Zusammenhang, dass in Wirklichkeit nicht wir die Bibel lesen, sondern dass das Wort Gottes uns liest, uns richtet, uns heilt.
Mai 10th, 2007 at 11:51
Ich hoffe du denkst nicht, ich hätte keine Lust mehr zu antworten. Aber momentan ist das etwas schwierig, weil die Zeit nicht da ist, um deine Anfragen mit den nötigen Ernst zu beantworten und nicht einfach irgendwas hinzuklatschen.
Aber auf jeden Fall finde ich die Unterhaltung mit dir anregend und bereichernd, auch wenn wir nicht einer Meinung sind. Es ist gut, sich hinterfragen zu lassen. Wenn die Diskussion also vielleicht auch manchmal hitzig werden sollte, dann geht das nicht gegen dich persönlich (denn ich kenne dich ja im Grunde nicht). Das sollte eigentlich klar sein, aber es ist erstaunlich, wie oft das nicht wirklich klar ist.
Mai 10th, 2007 at 22:16
Ich bin auch dankbar für ne Pause zwischendurch. Wenn der Ton mal hitzig wird, stört mich das nicht. Das macht die Lektüre ja auch interessanter.