Gut, zugegeben, der Name für die Kategorie ist etwas konstruiert. Aber mir ist kein besserer eingefallen. Schreibe ich nur “Copyleft” oder “free culture”, dann ist das etwas wenig, denn vor allem der Bezug zum christlichen ist zu schwach, oder besser: gar nicht vorhanden. Aber beim Xrossblog geht es ja eben darum, wie andere Bereiche aufs Christentum Einfluss nehmen können und sollen, und umgekehrt.
Die ganze Thematik um Free Software, Free Culture, Open Content, Urheberrechte etc. ist so etwas wie mein persönliches Steckenpferd. Angefangen hat es vor einigen Jahren, als ich auf Linux umgestiegen bin. Das war meine Einstiegsdroge. Eigentlich habe ich Linux nur probiert, weil es nicht Windows war, und nichts gekostet hat (Nun gut, Software war damals für mich prinzipiell “kostenlos”, aber jetzt war es auch legal … 8-))
Wie auch immer. Auf jeden Fall stieg ich irgendwann immer tiefer in Linux ein (dank meinem Windows, dass alle zehn Minuten abstürzte. DANKE! Windows ist doch zu etwas gut :wink:) und bemerkte, dass es da eine ganze Subkultur gibt, die mir vorher gänzlich unbekannt war. Es ging nicht einfach nur um kostenlose Software, sondern um Free Software. Software war nicht mehr einfach nur Werkzeug, sondern Ideologie. Das hört sich alles etwas freaky an, solange man nur auf der Ebene der Software stehen bleibt. Aber es geht nicht nur um Software, sondern um geistiges Eigentum allgemein. Es geht um die Frage, ob man Grenzen um etwas ziehen will, was sich von Natur aus gar nicht eingrenzen lassen will, oder ob es nicht auch alternative Ansätze für einen Umgang mit Urheberrechten gibt.
_Copyright, oder Copyleft? DRM oder GPL? Pay per irgendwas oder Free Culture?_
Die Fragen sind vielleicht etwas krass plakativ, aber es ist es Wert, sich mal Gedanken darüber zu machen, wie unsere Zukunft, auch als Christen und Theologen, mal aussehen könnte, und aussehen sollte.
Die digitale Revolution macht es für immer mehr Menschen, immer einfacher, immer mehr Wissen und Information, mit immer weniger Aufwand, immer mehr Menschen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sind die großen Content Inhaber bestrebt, eben das zu verhindern, indem sie Druck auf die Regierungen ausüben, die Urheberrechtsgesetze u.ä. immer restriktiver und wahnwitziger zu gestalten (mal ehrlich: Was hat der _Urheber_ davon, dass das Urheberrecht erst 70 Jahre *nach* seinem Tod ausläuft?). Der “_digital information flow_” soll zum “_digital cash for information flow_” werden. Denn was unbegrenzt verfügbar ist, dass lässt sich schwer verkaufen. Und so muss Information künstlich verknappt werden, damit sie verkaufbar wird. Bei Urheberrecht geht’s nur um €€€.
Und wir Christen? Oh, das Urheberrecht erregt schon unsere Aufmerksamkeit … aber auch nur, weil immer weniger Gemeinden wissen, was sie eigentlich dürfen. Darf ich für den Chor eigentlich ein Notenblatt mehrmals kopieren? Oder bin ich dann schon ein Verbrecher, wie es uns in der Werbung weis gemacht wird? Und worauf muss ich bei Präsentationen alles achten? Und wie ist das mit unserer Jugend und denn gebrannten CDs? Die totale Verwirrung. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe mehrere Vorträge übers Urheberrecht gehalten.
Wir Christen haben das Urheberrecht also entdeckt, von seiner “Sonnenseite”. Aber während wir uns mit der Konsumenteseite beschäftigen, also mit dem, was ich darf, und was nicht, vernachlässigen wir die andere Seite: nämlich, wie es auf der Produzentenseite aussieht. Wie gehen die Leute mit Urheberrecht um, die kreativ sind, die die ganzen Bücher, Gedichte und Lieder schreiben? Welche Urheberrechtskultur soll sich in der Gemeinde etablieren? “All rights reserved” - Gier ist geil! Muss das sein?
Nein! Davon bin ich zumindest überzeugt. Es gibt keinen Grund für “all rights reserved”, außer man will Kohle mit geistigem Eigentum verdienen.
Ist das falsch? werden mir sicherlich einige vorwerfen.
Nein, ist es nicht. Man _kann_ sicherlich Geld damit verdienen, aber _muss_ man es, ist meine Frage. Und wieviele tun es wirklich?
Wir sind schon so geprägt vom Denken dieser Welt, dass wir uns eine Welt, in der das Urheberrecht kaum eine Rolle spielt, kaum vorstellen können. Von klein auf, wird uns eingetrichtert, dass es böse, etwas von jemand anders zu kopieren, ohne dafür zu bezahlen, zumindest seit einiger Zeit. Das die wenigsten sich dadurch ein schlechtes Gewissen machen lassen, steht auf einem anderen Blatt. Aber bedeutender ist, dass ein Klima entsteht, indem man mit dem Gedanken aufwächst, dass alles irgendwie und am Besten so gut wie möglich vor dem Zugriff anderer geschützt wird.
_Wieso sollte ich ihm das kostenlos weitergeben, wenn er dafür auch zahlen kann?_
Wieso musst du unbedingt Geld dafür nehmen?
Wir Christen sind oft erpicht darauf, uns ja vor dem bösen Zeitgeist in Sicherheit zu bringen, und übersehen dabei, dass wir an diesem Punkt längst vom Zeitgeist erfasst wurden, der uns einredet, es sei “unamerikanisch” etwas kostenlos weiterzugeben (Wir sind zwar in Deutschland, aber es würde auch niemand sagen, es wäre “undeutsch”, weil es keine jucken würde. So muss ich halt auf eine Aussage des guten allten Bill G. zurückgreifen, der mit seiner Aussage eine gute Grundeinstellung wiedergibt: es widerspricht den gegenwärtigen Denkmustern, etwas kostenlos weiterzugeben.)
Deshalb “cafca”. Weil ich denke, dass wir als Christen einen anderen Weg gehen sollten. Auch hier ist die Welt, oder zumindest ein Teil von ihr, uns weit vorraus. nämlich eben die Freie Software und Free Culture Bewegung, oder wie man es auch sonst noch nennen will. Das sind Menschen, die bereit sind, hart erarbeitetes der ganzen Welt frei zur Verfügung zu stellen. Einen Teil dieser Welt will ich der Christenheit vorstellen und zeigen, was man von ihr lernen kann und wie man ihre Methoden und Techniken gebrauchen kann.
So, ich glaube, das reicht für den Anfang. Hab’ genug geschrieben. Mir tun die Finger bald weh und morgen muss ich Examen schreiben.
Ganz zum Schluss möchte ich noch zwei Bücher vorstellen, die mir den Horizont sehr erweitert haben. Sind zwar nicht von Gläubigen geschrieben, aber dennoch (oder gerade desh …) richtig gut … und natürlich frei verfügbar
Das Buch “Free Culture” wurde vom Stanforder Juraprofessor Lawrence Lessig geschrieben, der das “CreativeCommons”:http://creativecommons.org Projekt angeschoben hat und sich sehr stark für die Free Culture Idee einsetzt.
Das Buch kann man auf der Seite “free-culture.cc”:http://www.free-culture.cc” bekommen. Im Unterpunkt “Remixes”:http://www.free-culture.cc/remixes/ kann man das Buch in verschiedenen Versionen herunterladen.
Das Buch “Freie Software - zwischen Privat- und Gemeineigentum” von Volker Grassmuck ist eines der wenigen deutschsprachigen Bücher zum Thema “Freie Software”. Gespnsort wird es von der “Bundeszentrale für politische Bildung”:http://bpb.de (ja, die mit den schwarzen Heften ;-)) und ist deshalb für nur 2€ Schutzgebühr “erhältlich”:http://www.bpb.de/publikationen/01725746913107258150366106918160,,0,Freie_Software_zwischen_Privat_und_Gemeineigentum.html
Kostenlos kann man es von der Seite zum Buch “herunterladen”:http://freie-software.bpb.de”.
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