Mir kam die ganze Kriegsbegründung schon vorher komisch vor. Jetzt hat auch Bush zugegeben, dass seine Kriegsbegründung auf falschen Geheimdienstinformationen basiert hat. Es gab’ keine “Smoking Gun”. Und hier geht es nicht um falsch bemessene Hartz IV Ausgaben, aufgrund falscher Infos. Hier geht es um einen Krieg, der zu einer Entscheidung über den Weltfrieden aufgebauscht wurde, als würde Saddam Hussein den Knopf mit der Aufschrift “Atomkrieg” schon vor sich haben und als wäre er kurz davor drauf zu drücken. Manch Verantwortlicher ist für weniger vom Stuhl gekickt worden.
Oh, natürlich bin ich froh, dass Hussein nicht mehr an der Macht ist. Sicherlich. Aber wenn es nur darum ginge, einen Diktator von der Macht zu entfernen, dann wäre Hussein zwar ganz oben auf der Liste, aber es wäre unverständlich, wieso es bei Hussein bleiben sollte. Andere Diktatoren stellen eine akutere Bedrohung dar. Es gibt alleine im Irak zahlreiche humanitäre Katastrophen, mit ähnlichen oder größeren Ausmaßen, wie die Menschenrechtsverbrechen unter Saddam im Irak, nur das Afrika niemanden mehr interessiert. Die USA müssten konsequent sein und auch nach Lybien, Iran, Nordkorea … und einige andere Staaten einmarschieren. Nein, bei dem Krieg ging es nicht in erster Linie darum, einen Diktator zu stürzen, sondern es ging darum, einen Diktator zu stürzen, der _kurz davor sein sollte, Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen zu besitzen und einzusetzen_. _Das_ war die offizielle Begründung. Und die war falsch!
Und wenn Bush jetzt davon redet, dass er am Euphrat einen Verbündeten im Kampf gegen den Terror gewonnen habe, dann scheint er nicht allzu oft in die Zeitung zu schauen. Was im Irak passiert ist eine Farce und alles andere als eine sich bildende und zukunftsträchtige Demokratie. Nicht mit den Kurden, Schiiten und Sunniten in einem Land.
Die USA werden im nächsten Jahr, spätestens übernächstes Jahr, ihre Truppen abziehen. Und was dann? Glauben die wirklich, dass die Iraker dann ihre Jahrhunderte dauernden religiösen und ethnischen Diskrepanzen überwunden haben werden und glühende Demokraten sein werden? Und was, wenn der Irak demokratisch beschließt, die USA als Feind zu sehen und selber ein radikaler Islamischer Gottesstaat zu werden? Werden die USA auch das akzeptieren? Da steht jetzt schon der nächste Bürgerkrieg im Haus. Werden die USA dann ihre Verantwortung weiterhin wahrnehmen?
Ich würde nix lieber als eine stabile und friedliche Demokratie im Irak sehen. Ich bin ja nicht Katastrophengeil. Aber ich bin da sehr skeptisch. Bei meiner Skepsis bezüglich der “Smoking Gun” lag ich richtig. Ich hoffe, dass ich hier nicht richtig liege…
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